Uber-Start

Uber will über Duisburg Taximarkt im Ruhrgebiet aufrollen

Uber startet seine Vermittlungsdienste via App am Mittwoch in der Region Duisburg.

Uber startet seine Vermittlungsdienste via App am Mittwoch in der Region Duisburg.

Foto: Sigrun Strangmann / Uber Deutschland

Duisburg.  Uber startet am Mittwoch in Duisburg, Mülheim und Oberhausen seine Mietwagen-Vermittlung. Der Taxi-Schreck will das ganze Ruhrgebiet aufrollen.

Der Taxi-Konkurrent Uber kommt ins Ruhrgebiet: Die Fahrdienst-Vermittlung startet nach Informationen unserer Redaktion an diesem Mittwoch in Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Moers und südlichen Teilen von Wesel. Damit ist der bei den etablierten Taxiunternehmen umstrittene US-Anbieter mit seiner Mietwagen-App erstmals auch im Ruhrgebiet verfügbar. Nach den rheinischen Metropolen Köln und Düsseldorf will das Unternehmen nun das Revier von Westen her aufrollen.

„Das Ruhrgebiet ist mit seinen fünf Millionen Menschen, dem dichten Pendlerverkehr und vielen Staus eine sehr spannende Region für uns“, sagt Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er sieht hier „großes Verbesserungspotenzial für neue Mobilitätsdienste“, von denen es im Ruhrgebiet bisher nur sehr wenige und entsprechend großen Nachholbedarf gebe.

Preis steht vor der Fahrt fest und ist meist niedriger

Verfügbar sind im Großraum Duisburg ab Mittwoch die beiden Dienste Uber X und Uber Taxi. Letzterer vermittelt Fahrten an lokale Taxiunternehmen zu deren regulären Konditionen. Bisher lassen sich bundesweit rund 1000 gelbe Taxen nicht nur über ihre eigene oder die städtische Taxi-Zentrale rufen, sondern auch über den eigentlich als Konkurrent bekämpften Vermittlungsdienst.

Uber X folgt dagegen der Ursprungsidee des Taxi-Schrecks, Autos kleiner, lokaler Mietwagen-Unternehmen zu vermitteln. Diese fahren in der Regel günstiger, der Preis für die Fahrt steht vorher fest und wird bei der Buchung automatisch von der angegebenen Kreditkarte oder über gängige Bezahlapps eingezogen. Längere Fahrzeiten etwa durch Staus treiben daher anders als beim klassischen Taxi den Fahrpreis nicht in die Höhe.

„Ambition, das Ruhrgebiet als Ganzes zu erschließen“

Bisher hat Uber einen Bogen ums Revier gemacht. Dabei hatte Weigler das Ruhrgebiet bereits Ende 2017 im Visier, begann seinen NRW-Markteintritt nach diversen Startschwierigkeiten vor gut einem Jahr aber zunächst in der Landeshauptstadt. „Durch zusätzliche Partner aus dem Großraum Duisburg wird die Verfügbarkeit des Services in der Region ausgebaut“, heißt es nun. Uber habe auch „die Ambition, das Ruhrgebiet als Ganzes zu erschließen“, sagt Weigler. Dabei setze man sich aber nicht unter Zeitdruck, das Tempo hänge vor allem davon ab, wie viele Mietwagen- und Taxiunternehmen man für das neue Angebot gewinnen könne. „Bisher ist die Resonanz im Raum Duisburg super.“

Dass die Nachfrage in Duisburg groß sei, glaubt Uber schon heute zu wissen – im vergangenen Jahr hätten rund 100.000 Menschen „in Duisburg und Region versucht, per Uber-App eine Fahrt zu bestellen“, heißt es. Wer die App bereits auf seinem Handy hat, erhielt bisher aber meist den Hinweis: „Uber ist momentan in Deinem Gebiet leider nicht verfügbar“. Ab Mittwoch zeigt die App bei Eingabe des Start- und Zielorts die verfügbaren Wagen samt Anfahrtszeit an. Uber zufolge besteht die Duisburger Mietwagenflotte zum Auftakt zu 90 Prozent aus klimafreundlichen Hybridautos.

Seit Uber versucht, in Deutschland Fuß zu fassen, kämpft das deutsche Taxigewerbe gegen den Markteintritt des Weltkonzerns, auch in Düsseldorf war das nicht anders. Die gelben Taxen zählen in Deutschland zum öffentlichen Personennahverkehr, sie können ihre Preise deshalb nicht selbst gestalten, sondern unterstehen der jeweiligen Gebührenordnung ihrer Stadt. In Duisburg etwa sind das 5,50 Euro Grundgebühr inklusive zwei Kilometer, für jeden weiteren Kilometer kommen zwei Euro (nachts 2,10) und für jede Minute 32 Cent hinzu. Über Erhöhungen entscheidet der Stadtrat.

Die Vor- und Nachteile der gelben Taxen

Dafür genießen sie einige Vorteile, etwa Taxiparkplätze an den wichtigsten Knotenpunkten der Stadt, etwa am Bahnhof, auf Einkaufsstraßen und anderen belebten Punkten. Taxen können dort auf Kunden warten. Sie dürfen zudem unterwegs neue Fahrgäste auflesen und Busspuren benutzen. Private Mietwagendienste, die etwa für Uber fahren, dürfen all das nicht, müssen vor allem nach jeder Fahrt zu ihrer Zentrale zurückkehren. Ein Nachteil, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Zuge der geplanten Liberalisierung des Taximarktes abschaffen will.

Der große Vorteil von Uber und anderen Diensten wie dem von Daimler und BMW betriebenen Free Now ist die freie Preisgestaltung. Je nach Verkehr können die Fahrten um rund ein Viertel oder mehr günstiger sein als mit dem normalen Taxi. Je dichter der Verkehr, desto größer ist wegen der nicht berechneten Standzeiten die Ersparnis. Was das Taxigewerbe als Preisdumping verurteilt, erklärt Uber mit einer deutlich höheren Auslastung seiner Mietwagen-Partner. Während das klassische Taxi im Durchschnitt nur zu rund 25 Prozent ausgelastet sei, bewegten Uber-Fahrer ihre Wagen etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit.

Neustart nach mehreren Verboten

Seit dem Neustart vor zwei Jahren arbeitet Uber nach eigenen Angaben nur noch mit lizenzierten Mietwagen- und Taxi-Unternehmen zusammen, deren Fahrer einen Personenbeförderungsschein besitzen. Der erste Versuch von Uber Pop, mit nicht lizenzierten Privatfahrern in Deutschland Fuß zu fassen, wurde 2016 verboten. Auch Uber X durfte nach einem Urteil des Frankfurter Landgerichts im Dezember kurzzeitig keine Fahrten mehr vermitteln, weil es gegen Wettbewerbsregeln verstoßen habe, etwa die Pflicht einer eigenen Mietwagenkonzession auch als reiner Vermittler. Durch ein neues Vermittlungsmodell habe man dies ausgeräumt, versichert Uber.

Der Verband Taxi Deutschland sieht das anders und will weiter gegen den unwillkommenen Konkurrenten vorgehen und Ordnungsgeldanträge vor Gericht einreichen. Uber-Deutschlandchef Weigler betont, er habe vor dem Start im Raum Duisburg auch mit den örtlichen Taxiunternehmen konstruktive Gespräche geführt und vermittle diese mit Uber Taxi direkt in der App. Uber wolle dem Taxigewerbe keine Fahrten abnehmen, sondern im Gegenteil eine zusätzliche Nachfrage schaffen. „Ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr schafft Uber eine Alternative zum Pendeln im eigenen Auto“, so Weigler. Davon würden auch Taxis profitieren.

Wie vielen örtlichen Unternehmen sind auch dem Taxi Verband NRW die neuen Vermittlungsdienste aber nach wie vor nicht willkommen. Doch im Gegensatz zu den meisten Taxiunternehmen rät Taxi NRW dazu, bei der Preisgestaltung auf die neue Konkurrenz zu reagieren. Als etwa Essen jüngst seine ohnehin hohen Preise anhob, riet Taxi NRW davon ab, um den Preisvorteil von Uber & Co. nicht weiter zu vergrößern. „Wir sollten die Konkurrenz nicht noch durch Preiserhöhungen stärken“, empfiehlt Dieter Zillmann, Vorstand von Taxi NRW und zugleich Taxi-Dortmund-Chef. „Ich werde dieses Jahr in Dortmund jedenfalls nicht erhöhen, obwohl ich es wegen der gestiegenen Kosten eigentlich müsste“, sagt Zillmann unserer Zeitung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben