Vodafone/Unitymedia

Vodafone-Chef: Nach Kabelnetz-Übernahme sinken die Preise

Hannes Ametsreiter (r.), Chef von Vodafone Deutschland, und der technische Geschäftsführer Gerhard Mack im Interview mit der WAZ.

Hannes Ametsreiter (r.), Chef von Vodafone Deutschland, und der technische Geschäftsführer Gerhard Mack im Interview mit der WAZ.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Nach Unitymedia-Übernahme verspricht Vodafone-Manager Ametsreiter sinkende Preise. Im Interview spricht er auch über Jobabbau und dubiose Anrufe.

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Vodafone hat im August für 18,4 Milliarden Euro für das Europa-Geschäft von Liberty Global übernommen. Herzstück ist Unitymedia in Deutschland. Hat sich die Investition gelohnt?

Hannes Ametsreiter: Diese Investition ist gut für uns. Sie ist gut für unsere Kunden. Und sie ist gut für Deutschland. Es war die größte Akquisition der letzten 20 Jahre im deutschen Telekommunikationsmarkt. Durch den Zusammenschluss mit Unitymedia schaffen wir bis 2022 25 Millionen Gigabit-Haushalte in Deutschland. Die Kabel-Infrastruktur bringt deutlich schnellere Geschwindigkeiten als DSL. Das katapultiert Deutschland im europäischen Vergleich auf einen Spitzenplatz. Endlich bewegt sich etwas in diesem Land.

Was macht das Kabelnetz im Vergleich zu DSL technologisch so wertvoll?

Gerhard Mack: Unser Kabel-Netz ist DSL-Anschlüssen physikalisch weit überlegen. Weil es gut abgeschirmt ist, ist es nicht so anfällig gegen Störungen von außen. Über das Kabel können unsere Kunden stabil telefonieren und fernsehen und vor allem super schnell im Internet surfen.

Wann wird das schnelle Netz zu nutzen sein?

Mack: Das Kabelnetz bringt schon heute in ganz Deutschland deutlich höhere Geschwindigkeiten als DSL es kann. Und jetzt kommt das Gigabit: Für mehr als elf Millionen Haushalte ist es bereits verfügbar. Gemeinsam mit Unitymedia bringen wir diese Geschwindigkeiten jetzt auch im großen Stil nach NRW, Hessen und Baden-Württemberg. Hagen ist unsere erste gemeinsame Gigabit-Stadt. Hier können jetzt 144.000 Haushalte die Geschwindigkeit von einem Gigabit buchen. Es werden rasch weitere Gebiete folgen. In der Regel reichen dafür Software-Updates im bestehenden Kabelnetz und der Austausch von Verstärkerelementen. Wir müssen nicht zeitintensiv die Straßen aufgraben.

Ametsreiter: Während der Genehmigungsphase durch die Europäische Kommission konnten wir uns sehr präzise vorbereiten, damit es jetzt schnell geht. Was mich freut: Unsere Kunden wollen das Gigabit. In den ersten Wochen sind bis zu 1000 Kunden pro Tag von DSL auf Kabel umgestiegen. Dort, wo die Top-Geschwindigkeiten schon verfügbar sind, entscheidet sich ein Drittel der Neukunden für das Gigabit. Das ist ein großer Erfolg.

Dennoch erreichen Sie mit dem bestehenden Kabelnetz nicht alle Haushalte in Deutschland.

Mack: Wir machen das Gigabit bis 2022 für zwei Drittel aller Deutschen verfügbar und leisten damit einen riesigen Beitrag, um die Gigabit-Ziele der Bundesregierung zu erfüllen. Wo das Kabelnetz noch nicht verfügbar ist, setzen wir auf einen Mix aus anderen Technologien. Zeitgleich werden wir das Kabelnetz weiter auszubauen.

Ametsreiter: In den nächsten Jahren investieren wir viele Milliarden Euro in den Wirtschaftsstandort Deutschland. Mehr als 20 Prozent von unserem Kabel-Umsatz werden auf den weiteren Ausbau und die Modernisierung unserer Kabelnetze entfallen.

Unitymedia bringt mehr als drei Millionen Kabel-Kunden mit unter das Vodafone-Dach. Zusammen kommen Sie auf rund sieben Millionen Kabel-Kunden. Haben Sie jetzt eine Monopolstellung im Festnetz?

Ametsreiter: Nein. Dann hätten wir nicht die wettbewerbsrechtliche Genehmigung der EU-Kommission erhalten. Im Gegenteil: Wir bekämpfen das bestehende Breitband-Monopol, schaffen endlich einen bundesweiten Wettbewerber. Eine marktbeherrschende Stellung im Breitbandmarkt in Deutschland hat zurzeit nur die Telekom. Zudem gibt es im Kabelnetz viele lokale Anbieter.

Wie wird die Integration von Unitymedia das Unternehmen Vodafone verändern?

Ametsreiter: Unsere DNA entwickelt sich weiter. Wir waren ein Mobilfunkanbieter und sind jetzt ein Digitalisierungskonzern, der alles anbietet, was ein Haushalt und was die Industrie braucht. Zuhause und unterwegs. Fast 60 Prozent unseres Umsatzes entfallen künftig auf Fernsehen und Festnetz und nur noch rund 40 Prozent auf Mobilfunk. Vor der Übernahme der Unitymedia war das Verhältnis umgekehrt.

Sie erhoffen sich aber auch Synergieeffekte.

Ametsreiter: Wir sehen uns hier im Plan. Die größten Kosten sparen wir, weil wir jetzt überall dort, wo wir unser modernes Kabelnetz anbieten können, keine DSL-Leitungen mehr von der Telekom mieten müssen.

Sie haben aber auch einen Arbeitsplatzabbau und Kosteneinsparungen von bis zu 135 Millionen angekündigt. Wie weit sind Ihre Verhandlungen mit den Betriebsräten gediehen?

Ametsreiter: Natürlich gibt es Dopplungen und Überschneidungen zwischen den Unternehmen. Unser Ziel ist eine zukunftsfähige Organisation, mit der wir den Herausforderungen des Marktes schnell und effizient begegnen können. Hierfür haben wir nun die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern begonnen, um die weiteren Details zu erarbeiten. Mittelfristig wird die Marke Unitymedia verschwinden.

Kommen wir zu den Kunden. Wie werden sich die Preise entwickeln?

Ametsreiter: Für die Kunden wird es günstiger, je mehr Dienstleistungen wir Ihnen in Bündelprodukten anbieten können. Unseren Bestands- und Neukunden machen wir Kombi-Angebote. Für ehemalige Unitymedia-Kunden gab es ein Willkommensgeschenk. Das kam gut an. Insgesamt haben wir 14 Millionen Gigabyte Daten verschenkt. Viele Kunden kommen jetzt schon zu uns. Die Menschen schätzen hohe Bandbreiten beim Streamen oder Herunterladen aus dem Netz. Diese können wir jetzt bieten und haben deshalb eine gute Dynamik bei Neuverträgen.

Die Verbraucherzentrale NRW hat vor dubiosen Anrufen gewarnt, in denen Kunden zu neuen Verträgen gedrängt werden.

Ametsreiter: Diese Aktionen waren von uns nicht legitimiert. Wir haben uns von externen Händlern getrennt, die zu solchen Machenschaften griffen. Grundsätzlich gilt: Am besten geht man für eine gute Beratung direkt in unsere Shops, schließt Verträge online ab oder achtet auf seröse Telefonkontakte.

Shops von Vodafone und Unitymedia sind oft gleichzeitig in Einkaufszentren und Innenstädten präsent. Wird es zu Schließungen kommen?

Ametsreiter: Wir überlegen, ob und wie wir Shops zusammenführen, insbesondere, wenn sie nah beieinanderliegen. Es wird Orte geben, wo das sinnvoll ist. Das führt dann aber nicht immer zu weniger Mitarbeitern. Denn im Vertrieb gilt: Wir haben eher zu wenig Verkäufer als zu viele.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Ist mit der Gigabit-Geschwindigkeit, die Sie jetzt anpreisen, vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht?

Mack: Keineswegs. Das Kabelnetz kommt damit noch lange nicht an seine Grenzen. In Zukunft können wir unseren Kunden damit sogar Geschwindigkeiten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde anbieten. Damit können Sie einen Film dann in wenigen Sekunden herunterladen. Mit DSL-Leitungen dauert das oft noch viele Minuten. Zudem werden künftig Verzögerungszeiten von gerade einmal fünf Millisekunden realistisch sein. Davon profitieren dann zum Beispiel die vielen Gaming-Fans und Mittelständler in Deutschland. Unser Kabelnetz wird Deutschland auch auf lange Sicht einen digitalen Schub verleihen.

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