Elektromobilität

VW verlangt von Zulieferern CO2-neutrale Produktion

VW-Chefstratege Michael Jost erläutert Automobilzulieferern, was der Konzern von ihnen in der Zusammenarbeit erwartet: CO2-neutrale Produktion. Foto:Michael Kleinrensing

VW-Chefstratege Michael Jost erläutert Automobilzulieferern, was der Konzern von ihnen in der Zusammenarbeit erwartet: CO2-neutrale Produktion. Foto:Michael Kleinrensing

Hagen.   Der Chefstratege des Volkswagenkonzerns, Michael Jost, verspricht den Kunden ab 2020 CO2-neutrale Autos – und nimmt Zulieferer in die Pflicht.

Südwestfalens Automobilzulieferer stehen vor einschneidenden Veränderungen durch die Elektromobilität. Volkswagen hat sich bekanntlich entschlossen, dabei zum größten Treiber werden zu wollen – und alle Unternehmen, die mit der Volkswagengruppe in Zukunft ins Geschäft kommen wollen, müssen sich gewaltig umstellen.

Das VW-Versprechen, mit den batterieelektrisch betriebenen Autos wie dem „ID“ den Kunden CO2-neutrale Fahrzeuge auszuliefern, funktioniert nur, wenn die Zulieferer ihre Produktion entsprechend klimaneutral umbauen. Nicht weniger ist die Erwartungshaltung des (noch) weltgrößten Autobauers, macht der VW-Manager Michael Jost bei einer Visite in seiner alten Heimat Hagen klar, wo er in der Industrie- und Handelskammer vor rund 200 Interessierten des Automotive-Netzwerks Südwestfalen über die Zukunft spricht.

Jost ist schon ein besonderer Stratege – eben Chefstratege der gesamten Volkswagengruppe. Der ehemalige Besitzer einer BMW-Autohauskette (u.a. in Hagen) ist heute wesentlich verantwortlich für die neue Strategie von einem Dutzend Fahrzeugmarken von VW und Skoda bis zu Lamborghini und Bugatti und dem Umbau zum Öko- Konzerns und Softwareanbieter. Der Plan der Wolfsburger heißt: Alles auf Elektrifizierung setzen. „Alternativlos“ nennt Jost den in der Branche durchaus umstrittenen Plan, sich vom Verbrennungsmotor zu verabschieden. „2026 startet unsere letzte Verbrenner-Plattform, 2036 wird der letzte Verbrenner ausgeliefert“, lautet seine Prognose. Wüsste man nicht, dass Jost sich seit drei Jahrzehnten in der Branche an entscheidenden Stellen tummelt, könnte man fast meinen, es spräche gerader ein Umweltaktivist zum Thema Klimawandel: „Wenn wir die Begrenzung der Klimaerwärmung auf maximal zwei Grad nicht schaffen, dann gibt es eine Kettenreaktion, die wir nicht mehr zurückholen. Wir müssen es jetzt machen!“

Glaubensfragen

Und mit „wir“ meint VW alle – vom Konzern über den Kunden bis hin zum Zulieferer. Letztere sind in Südwestfalen stark vertreten, wie der Präsident der Industrie- und Handelskammer Hagen, Ralf Stoffels, als Gastgeber der Veranstaltung zum Thema „Automobilindustrie im Umbruch“, bemerkt. Stoffels gehört mit seiner Ennepetaler Firma BIW Isolierstoffe sogar selbst zu der großen Gruppe von Zulieferern für die Automobilindustrie: „Die VW-Strategie geht sehr weit“, findet der Mittelständler. Und: „Wir sind noch nicht so weit, CO2-neutral produzieren zu können.“ Stoffels ist nicht der einzige, dem nicht ganz klar sein dürfte, nach welchen Kriterien das bemessen werden soll.

Michael Jost versucht auf geradezu charmante Art und Weise, Bedenken gegen die aus seiner Sicht einzig wahre Strategie abzuräumen. Er lässt eine Reihe Folien an die Wand beamen, um die Nachhaltigkeit von Elektrofahrzeugen im Vergleich mit allen anderen Antriebsarten zu belegen – vom Ursprung der Wertschöpfungskette bis zum Recycling.

Glaubt man diesen Zahlen, müsste man allein deswegen schon umsteigen auf Elektromobile. Dass es bei diesen Berechnungen wohl eine Menge Wenns und Abers gibt, dämmert dem ein oder anderen.

Allerdings verfängt die Kampagne zum Aufbruch in ein neues Zeitalter der Mobilität offenbar doch bei vielen Kunden. Für die neue ­ID-Plattform schaltetet der Konzern am Mittwoch eine Seite im Internet frei, um sich für den Kauf eines ID.3 First Edition zu registrieren. Eintausend Euro müssen Interessierte zahlen, um auf die Liste der Käufer für das auf 30.000 Stück limitierte Sondermodell zu kommen – Elon Musk mit seinem Tesla 3 lässt grüßen.

Nachfrage nach „ID“ überrascht VW

Innerhalb von 24 Stunden verbuchte VW über 10.000 Registrierungen. „Es werden stündlich mehr“ verkündete am Nachmittag ein Sprecher. Wäre zwischenzeitlich nicht das System wegen der immensen Nachfrage zusammengebrochen, wäre die Zahl vermutlich noch flotter in die Höhe geschnellt. Bekommen können die Interessenten den „ID“ tatsächlich erst 2020. Im ersten Quartal soll das Gerät bei den Händlern zum Verkauf stehen, versichert Jost.

Der Ansturm auf die futuristisch anmutenden E-Mobile aus dem Hause VW hat den Konzern „selbst überrascht“, heißt es aus Wolfsburg. Im Grunde liegt der Fokus offenbar auch längst auf China. Volkswagen für die Volksrepublik ist die Devise. Eine Wette auf den staatlich regulierten Zwangsumstieg auf batterieelektrische Autos in den Metropolen, wo Luftverschmutzung tagtäglich offensichtlich wird.

Ob sie den von Michael Jost initiierten Weg zum Ökokonzern unterstützen, müssen die heimischen Zulieferer nun selbst entscheiden. „Wir sind da sehr skeptisch“, sagt IHK-Präsident Stoffels. Eigentlich funktioniert der VW-Plan aber nur, wenn eben alle mitziehen, lässt der Chefstratege wissen.

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