Energiefachmesse E-World

Wo die Energiewende als „Riesen-Chance“ gesehen wird

Die „Smart City“ ist die Zukunftsvision der aktuellen Fachmesse E-World in Essen.

Die „Smart City“ ist die Zukunftsvision der aktuellen Fachmesse E-World in Essen.

Foto: Ina Fassbender, dpa

Essen.   Europas Leitmesse E-World sprengt in Essen alle Rekorde. Jeder will mit seinen Lösungen zu den Gewinnern der Energiewende gehören.

Die Energiewende beschäftigt nicht nur Politik und Klimaschützer, sondern auch Hunderttausende Menschen in Tausenden Unternehmen vom Start-up bis zum Dax-Konzern. Mit den Herausforderungen des Umstiegs von Kohle- und Atomstrom auf grüne Energie wächst jedes Jahr auch Europas Leitmesse dazu, die E-world Energy & Water in Essen. 770 Aussteller aus 26 Nationen sind diesmal dabei und zeigen den Fachbesuchern noch bis Donnerstag ihre Lösungen zur Erzeugung, Weiterleitung und Speicherung von Strom.

Die großen Messe-Trends sind zugleich die großen ungelösten Probleme der Energiewende: „Smart City“ und „Climate Solutions“. Was sich übersetzen und zusammenfassen lässt mit einer digital gesteuerten, klimaneutralen Energieversorgung für die Stadt der Zukunft. Das klingt nicht nur nach Science Fiction, das ist bisher auch noch weitgehend Fiktion. Weil Technik zuweilen noch nicht ausgereift (Speicher) oder ausgebaut (Netze, Ladestationen für E-Autos) ist. Und weil verfügbare Technik noch nicht für die Masse bezahlbar ist, etwa die intelligente Stromsteuerung im Haushalt (smart home) oder aber Elektroautos.

Neun Milliarden Erdenbürger im Jahr 2050 erwartet

Bei erwarteten neun Milliarden Erdenbürgern im Jahr 2050, von denen gut sechs Milliarden in Städten wohnen werden, ergeben sich für Energieunternehmen enorme Wachstumschancen, wenn sie es denn schaffen, zur Lösung der Probleme beizutragen. Das betonte etwa Karsten Wildberger, Vorstand für Innovationen und dezentrale Stromversorgung bei Eon. Der Essener Konzern entwickelt Energielösungen für ganze Stadtquartiere, trifft allerdings in England oder Schweden offenkundig auf bessere Voraussetzungen als in Deutschland. Top-Beispiele für intelligente Wärmenetze sowie dezentrale Ökostromnetze finden sich bei Eon in London und Malmö.

In Schweden, das sich schon länger dem Umstieg auf Grünstrom verschrieben hat, startet Eon auch eine Offensive für das E-Stadtauto Uniti One, deren Käufern der Konzern fünf Jahre Gratis-Ökostrom verspricht. „In Deutschland sind die Nachfrage und die Bereitschaft zu investieren genauso groß wie in Schweden“, versicherte Wildberger. Hinderlich sei hierzulande allerdings häufig noch die Bürokratie.

Jeder der 770 Aussteller will auf der Gewinnerseite der Energiewende stehen, die großen Kohleverstromer RWE, Uniper und Steag haben allerdings nicht die beste Startposition. Deutschland hat gerade den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 beschlossen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht darin „eine riesige Chance, der Energiewende einen Schub zu geben“, wie Präsidentin Marie-Luise Wolff betonte. Allerdings nur, „wenn die Regierung sie auch 1:1 umsetzt“. Zu den Empfehlungen der Kohlekommission gehöre etwa, dass nicht nur die Stromindustrie weniger Treibhausgase ausstoße, sondern auch der Verkehrssektor. Zuletzt stiegen die CO2-Emissionen von der Straße sogar weiter an.

Auch, weil die Deutschen immer dickere Autos fahren, der durchschnittliche Neuwagen hatte 2018 rekordträchtige 153 PS unter der Haube. Der von der Kommission geforderte Preis für CO2-Ausstöße auch von Autos ist in der Bundesregierung aber umstritten. Das SPD-geführte Umweltministerium begrüßt ihn, das CDU-geführte Wirtschaftsministerium eher nicht. Staatssekretär Thomas Bareiß sagte dazu in Essen, er sehe „hier keinen Handlungsbedarf“, weil das nicht im Koalitionsvertrag stehe. Auch ein Tempolimit hält er vor diesem Hintergrund nicht für zielführend. Der Klimanutzen sei sehr begrenzt. Und: „Mit noch mehr Regulierung schaffen wir bei den Bürgern keine Akzeptanz für die Energiewende“, sagte er auf Nachfrage.

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