Mahlzeit

Das „Filia“ in Dortmund ist ein Lokal zum Wohlfühlen

Blick auf den Teller im „Filia“: deftig griechisch, aber doch deutlich über Imbiss-Klasse.

Blick auf den Teller im „Filia“: deftig griechisch, aber doch deutlich über Imbiss-Klasse.

Foto: Lars von der Gönna

Dortmund.  Keine Nobel-Adresse, aber ein Ort zum Wohlfühlen: Das „Filia“ in Dortmund ist eine Empfehlung für alle Liebhaber der griechischen Küche.

Schreibt man lange genug für diese zauberhafte Kolumne, sieht man den Erfolg: kommen und, leider auch, gehen. Das „Holzknecht“ zum Beispiel war ein Vierteljahrhundert lang eine feste Größe in Dortmund: Man traf den Stammtisch beim Grünkohlessen, sah die traditionsbewusste Westfalen-Kundschaft beim Pfefferpotthast, aber auch Opernfreunde, die hier selbst nach einem langen „Tristan“ noch auf eine schöne Portion Bratkartoffeln mit Speck hoffen durften.

Das ist lange her. Im schönen Altbau an der Hohen Straße versuchte sich im Anschluss das „Schweinske“ und es dauerte nicht sehr lange, da war der Wirtsraum wieder dunkel. Nicht nur darum scheint mir der neue Gastronom ein Lichtblick. Auch die helle Freundlichkeit, die einem im „Filia“ empfängt, die schönen mediterranen Holztöne, die charmant-variantenreiche Lampen-Anordnung – sie schenken dieser neuen Adresse am alten „Holzknecht“-Standort gute Aussichten.

Familie Chatzi bittet im „Filia“ in Dortmund zu Tisch

Filia ist griechisch, es heißt Freundschaft. Für diese Tugend steht ein in Dortmund altbekanntes Gastronomenpaar: Familie Chatzi (no jokes about names!) bittet zu Tisch. Was mir besonders gefällt: Freundschaftlich empfangen zu werden, heißt eben nicht, dass es immer gleich drei Gänge sein müssen. Im Filia (geöffnet bis Mitternacht, Küche bis 22h) wird niemand schief angeschaut, der einfach nur ein Feierabendpils nehmen will. Oder einen griechischen Wein! Davon haben die Gastgeber immerhin stolze 40 Posten.

Das Essen ist griechische Hausmannskost: Schön zum Beispiel, dass es neben den klassischen Fritten noch die hausgeschnittenen griechischen Pommes gibt (3,60 €). Eine Idee griechischer Hartkäse (Kefalotyri), ein Hauch Zitrone und eine beherzte Prise Oregano machen daraus ein richtiges kleines Geschmackserlebnis.

Küche Griechenlands ist bekanntlich alles andere als fleischarm

Ansonsten ist die Küche Griechenlands bekanntlich alles andere als fleischarm. Im Winter zeigt sie sich beim Ofen-Topf (Fournos-Katsarola) von der besonders wärmenden Seite: Nehmen wir nur die zarte Lammhaxe in Tomatensauce (14,90€), zu der die leckeren Kurz-Nudeln (Kritharaki) gereicht werden. Natürlich gibt es reichlich Bewährtes: knusprige Souvlaki und mit Schafskäse Bifteki, dazu die schöne Vorspeisen-Riege, die mir persönlich die größte Freude macht. Und sündige Nachtische haben sie auch: echt sehr süß, aber das soll so sein.

Keine Nobel-Adresse, das ist klar, aber ein Lokal zum Wohlfühlen. Davon haben die Innenstädte an der Ruhr immer noch zu wenige.

Die Details

Filia, Hohe Straße 5, 44139 Dortmund, Tel. 0231/18588851. Web-Infos über Facebook

Küche:

Wer deftig griechisch, aber doch deutlich über Imbiss-Klasse einkehren will, hat im Filia eine verlässliche Größe. Guter Frische-Faktor. (4/5)

Ambiente:

Wirklich gelungene Innenarchitektur. Den dunklen Gastro-Urahn kennt man nicht mehr wieder: frisch, stylish, aber nicht überkandidelt eingerichtet. (5/5)

Service:

Den fanden wir im Test wirklich top, sehr herzlich gegenwärtig, flott und strahlend. Auch bei starker Frequenz unhektisch und gastfreundlich. (5/5)

Preise:

Fair kalkulierte Speisen. Auch die Getränke liegen im aktuellen Mittel. Cola (0,3) und Milchkaffee für 2,70 € sind ja inzwischen ganz normale Preise. (3/5)

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