Familie

Der Kunstpalast in Düsseldorf bietet Kultur mit Baby an

Die Mütter genießen die Kunst, die Babys das lustige Miteinander – so geht es zu bei „Kunst mit Baby“ im Kunstpalast Düsseldorf.

Die Mütter genießen die Kunst, die Babys das lustige Miteinander – so geht es zu bei „Kunst mit Baby“ im Kunstpalast Düsseldorf.

Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Die Eltern dürfen Kunst bewundern und ihre Babys gerne quengeln – die besondere Führung im Düsseldorfer Kunstpalast wird gut angenommen.

Im Halbkreis haben sich Menschen um einen Flügelaltar aus dem frühen 16. Jahrhundert versammelt. In unmittelbarer Nähe positioniert sich eine Wachfrau. Sie wirkt etwas nervöser als an anderen Tagen, lässt die Besuchergruppe nicht aus den Augen und ist bereit, jederzeit einzuschreiten, um das kostbare Kunstwerk zu schützen. Denn es ist Donnerstagvormittag: Zeit für „Kunst mit Baby“ im Kunstpalast Düsseldorf.

Sieben Mütter haben sich mit ihren Säuglingen um Museumsmitarbeiterin Alexa Riederer von Paar gruppiert, die an diesem Tag eine Führung über Engel anbietet. „Ihr seht hier unten den Michael, der die Seelen der Verstorbenen in den Himmel begleitet“, sagt sie gerade. Einige Babys tummeln sich auf der bereitgelegten Decke, andere wippen auf den Armen ihrer Mütter, die Luft ist erfüllt von Brabbeln und Quietschen. „Und plötzlich tauchte auf einem Felsen ein Engel auf. Das ist Michael als Hüter der himmlischen Heerscharen“, fährt Riederer von Paar fort, bevor sie lächelnd auf die Decke deutet, wo sich zwei der Krabbelkinder gegenseitig ins Gesicht patschen: „Oh, das stört den Kleinen gar nicht, möchte ein bisschen auf Tuchfühlung gehen.“ Eine der Mütter bückt sich, um die beiden voneinander zu trennen.

„Kultur mit Baby“ bietet besonderes Angebot

Hockend schaut sie jetzt zur Museumsführerin auf, die unbeirrt fortfährt: „Und hier ist Luzifer, der es wagt, wie Gott zu sein, da sieht man doch einen deutlichen Unterschied“, beschreibt sie den Altar weiter. Die Frauen hören ihr aufmerksam zu — so aufmerksam wie eben möglich. Eine von ihnen kniet neben ihrem Kind, versucht, es für eine Rassel zu interessieren. Auf der anderen Seite der Decke hat ein kleiner Junge eine Plastikflasche entdeckt und möchte sie natürlich unbedingt haben.

Bis zu zwanzig Eltern, meist Mütter, kommen monatlich in den Kunstpalast, um an „Kultur mit Baby“ teilzunehmen. Dabei müsste es eigentlich „Kultur trotz Baby“ heißen. Von Pekip über Krabbelgruppen bis hin zu Babymassage, -schwimmen oder -singen ist das Angebot riesig. Doch es richtet sich eben durchweg vor allem an die Babys. „Das hier ist ein Stückchen meines alten Lebens“, sagt Jana Deppner, die mit ihrem sieben Monate alten Frederick schon zum dritten Mal zur Babyführung in den Kunstpalast gekommen ist.

Babys dürfen quengeln „ohne dass jemand doof guckt“

Eine Freundin hatte der Kunstinteressierten von der Veranstaltung erzählt. „Das ist ein super Angebot“, sagt die 31-Jährige, „ich gehe mit meinem Baby auch ab und zu in andere Museen. Aber hier ist es schöner. Weil die Akzeptanz größer ist und ich ihn auch mal absetzen kann.“

Unter dem Motto „Kunst lässt sich auch sehr gut mit Baby genießen“ bietet das Museum an einem Vormittag pro Monat an, 45 Minuten lang gemeinsam mit anderen Eltern und dem Nachwuchs, die Bilder zu genießen. „Die Führung richtet sich an die, die entspannt ins Museum gehen möchten, ohne dass jemand doof guckt, wenn das Baby anfängt zu quengeln“, sagt Miriam von Gehren, zuständig für kulturelle Bildung im Museum. Seit 2015 bietet der Kunstpalast nun schon die Eltern-Führung an, die Resonanz ist so groß, dass an den meisten Terminen gleich zwei aufeinanderfolgende Führungen stattfinden. „Hier kommen Eltern hin, die sich selbst mal wieder etwas Gutes tun, mal wieder ihren Kopf anstrengen möchten“, sagt von Gehren. Im Unterschied zu anderen Führungen werde hier noch stärker auf Interaktivität und Dialog geachtet, gegebenenfalls Pausen eingelegt. Außerdem wurden die Wickelmöglichkeiten mit Start des Formats erweitert.

Kurze Auszeit vom Baby-Alltag

Nach einer halben Stunde steigt der Geräuschpegel, aus Quaken wird Quengeln, eines der Babys beginnt zu weinen. Das Wippen der Mütter wird stärker und doch sind alle sichtlich entspannt. Nachdem Alexa Riederer von Paar sich verabschiedet hat, um die nächste Gruppe in Empfang zu nehmen, schlendern einige der Mütter noch zu zweit oder zu dritt samt Babys durch die Sammlung oder setzen sich auf einen Kaffee in der Cafeteria des Museums zusammen. Eine der Frauen ruft ihnen noch im Davoneilen über die Schulter: „Ich muss heim, zum Mittagessen.“ Zurück in den Baby-Alltag.

>>> Noch mehr Auszeiten für Mütter und Väter

Museum

Mit Baby ins Museum – das bietet auch „Kunst + Kind“: an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat um 11 Uhr im Museum Ludwig und im Wallraf-Richartz-Museum in Köln. (museumsfreunde-koeln.de).

Ebenfalls in Köln zeigt das Käthe-Kollwitz Museum in der „Elternzeit“ jeden zweiten Montag um 11 Uhr Eltern mit Babys die aktuelle Ausstellung. Für übrige Besucher bleibt das Haus an diesem Tag geschlossen (kollwitz.de).

Eine Führung mit anschließendem Gespräch bietet die Bundeskunsthalle Bonn mit ihrer „Baby-Art-Connection“. An jedem Mittwoch, 10.15 Uhr bis 11.45 Uhr (bundeskunsthalle.de).

Theater und Oper

An mehreren Sonntagnachmittagen können sich Eltern in Essen ausgewählte Vorstellungen im Aalto-Theater und im Grillo-Theater anschauen, während Kinder ab 3 Jahren betreut werden. Das Betreuungsangebot ist beim Abo „Kinder spielen – Eltern genießen“ kostenlos („Familienprogramme“: theatergemeinde-metropole-ruhr.de). Wer kein Abo wählt, kann Betreuung im Aalto an ausgewählten Terminen für 6,60 Euro buchen, für Kinder ab 4 Jahren, z.B. „Der Ring an einem Abend“, 14. April, 16.30 Uhr (Aalto-Plus: theater-essen.de).

Konzert

Im Konzerthaus Dortmund gibt es parallel zu ausgewählten Veranstaltungen einmal pro Monat sonntags um 16 Uhr eine kostenlose Betreuung für Kinder ab ca. 3 Jahren. Falls der Nachwuchs doch mitmöchte, hat er freien Eintritt (konzerthaus-dortmund.de/de/programm).

„Hör mal, wie das klingt“ heißt die Konzertreihe für Babys (bis zu einem Jahr) in der Philharmonie Essen. Hier darf gelauscht und gekrabbelt werden (theater-essen.de).

Kino

Im Sweetsixteen-Kino in Dortmund – und nur dort! – können sich Eltern einmal pro Monat (meist der dritte Montag) zum „Kinderwagenkino“ aus dem laufenden Programm einen Film aussuchen. Bei reduzierter Lautstärke haben sie den Saal am Vormittag für sich, während der Nachwuchs auf dem Teppich krabbelt (sweetsixteen-kino.de/filme/kinderwagenkino). Mehr zum Kinderwagenkino lesen Sie in der „WAZ am Sonntag“ (E-Paper am 13. Januar 2019).

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