Liebe

Ehe-Seminar für Verlobte: Damit das Ja glücklich macht

Marisa und Florian Blum besprachen beim Picknick im Park ganz neue Dinge. Sie haben inzwischen geheiratet.

Marisa und Florian Blum besprachen beim Picknick im Park ganz neue Dinge. Sie haben inzwischen geheiratet.

Foto: Ralf Rottmann

Essen.   „Seid ihr bereit?“ Im Ehe-Seminar nehmen sich Verlobte ein Wochenende lang Zeit, darüber nachzudenken: Was versprechen wir uns? Und warum?

Sie sind schon 15 Jahre zusammen, Marisa und Florian. Die erste große Liebe, und sie soll für immer halten. Im Juni haben die beiden geheiratet, nur wenige Wochen vorher stellte ihnen jemand diese Frage: „Seid ihr bereit?“ Wie bitte, natürlich waren sie bereit! Aber es war die katholische Kirche, die fragte, sie schenkte den beiden einfach nur Zeit. Ein Wochenende lang Zeit, noch einmal darüber nachzudenken: Was versprecht ihr euch da eigentlich? Und warum?

Es hat gut getan, sagt Marisa Blum heute. Die 31-Jährige war ja in einem Tunnel damals, die Hochzeitsvorbereitungen, wo, wie, mit wem – und dann plötzlich diese Auszeit, zurück auf Null: „Wofür machen wir das alles eigentlich?“ Da sitzen sie, in einem kargen Raum des Jugendhauses St. Altfrid in Essen-Kettwig, zusammen mit anderen Paaren, die ganz ähnliche Fragen haben. Oder besser: die ähnliche Fragen haben, das aber noch gar nicht wissen. „Was bedeutet das eigentlich, eine Ehe?“

Ein Pastor ist bei den Brautpaaren

Man kann das vor dem Hintergrund des christlichen Sakraments fragen, es ist mit Sven Christer Scholven immer auch ein Pastor bei diesen Wochenenden des Bistums dabei, der Kirchenrecht kann. Man kann aber auch anders fragen und anregen, die Seminarleiter schreiben solche „Impulse“ auf kleine Zettelchen: „Worauf möchte ich in unserer Ehe auf keinen Fall verzichten?“ „Damit ich glücklich bin, brauche ich...“ „Das verspreche ich dir:...“ Aber auch: „Das habe ich dir noch nie gesagt:...“ Marisa Blum staunt noch immer: „Darauf wäre ich allein gar nicht gekommen.“

Sie müssen das nicht vor den anderen besprechen und „müssen“ sowieso nicht, die Seelsorger schicken sie zum Picknick in den Park. Eine Decke bekommen sie, bestickt mit ihren Namen, einen Korb und darin eine Butterbrotdose mit den Impulsen. „So viele Themen, die man noch nicht besprochen hat!“, sagt eine Teilnehmerin danach. „Wir haben Zeit bekommen nur für uns“, bedankt sich eine andere, das sei sehr intensiv gewesen. Zeit, aufzuschreiben, „was man am Partner toll findet. Und es zu sagen“. Eine junge Frau spricht mit ihrem Zukünftigen Dinge an, „die wir noch nicht geteilt hatten“. Sie sagt: „Ich habe großartige Sätze mit ins Herz genommen.“

Sie liebt auch seine Macken

Ein Mann kehrt gerührt in den Seminarraum zurück: „Sie hat mir gestanden, dass sie etwas an mir liebt, von dem ich dachte, dass es sie nervt.“ Ein anderer erinnert sich zurück an eine Situation, in der er sie unterstützte. „Ich wusste gar nicht, dass sie mir dafür dankbar war.“ Florian Blum sagt, es sei ihm ja klar gewesen, dass er und Marisa zusammengehören. „Wir ergänzen uns, es passt einfach.“ Aber warum und sich das bewusst zu machen: „Das war vorher schwer in Worte zu fassen.“

Stefanie Gruner, Seelsorgerin für junge Erwachsene in St. Altfrid, drängt niemanden, sie will Anstöße geben. „Wir glauben“, schreibt sie in der Einladung, „eine Ehe ist mehr als ein Versprechen, mehr als eine Wohngemeinschaft, mehr als körperliche Liebe. Wir glauben, eine Ehe ist das Größte, das einer Beziehung passieren kann. Und das Schwierigste zugleich.“ Das hat ja auch Schiller schon gewusst: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.“ (So heißt das ja richtig.)

Was macht unsere Beziehung aus?

Deshalb auch lässt Gruner die Paare in den Wochenendkursen nach ihrem „Markenkern“ suchen: Was macht uns in unserer Beziehung eigentlich aus? Zwei basteln etwas mit dem Logo der Lebensmittelmarke „Ja!“, zwei knüpfen eine Kette aus den Dingen, die ihnen wichtig sind, zwei bauen einen Sternenhimmel und legen einen Briefumschlag dazu – verbindende Elemente für ein Paar, das in einer Fernbeziehung lebt.

Florian und Marisa Blum, die den nächsten Schritt mit ihrer Hochzeit bereits gegangen sind, erinnern sich gern an das Kleeblatt, das sie als „Marke“ wählten: Symbol für das gemeinsame Hobby, ihren Garten, für Familie, Zusammenhalt, Natur. Andere verraten davon lieber nichts Genaues und auch nicht, was sie miteinander besprochen haben: „Das ist etwas sehr Persönliches. Das gehört nur uns.“

Jede Beziehung hat ihre Rituale

Wie ihre Rituale. Auch die lassen die Kirchenleute hinterfragen; was hat sich ergeben, was eingeschliffen, was könnte man aufbrechen oder bewusster wahrnehmen? Der tägliche Anruf nach der Arbeit, das Händchenhalten beim Einschlafen... Eine Teilnehmerin findet es „berührend“, darüber nachzudenken, eine andere möchte ihre Rituale demnächst „besser organisieren“. „Man hat im Alltag Routine“, sagt eines der Paare, „aber ab sofort wollen wir immer wieder reflektieren, was uns ausmacht, was uns unterscheidet.“

Am Ende des Wochenendes sitzen sie im Stuhlkreis, fünf Paare, jedes die Hände ineinander verschlungen. „Bedenke“, steht ausgedruckt an einer Pinnwand, „dass die beste Beziehung die ist, in der jeder Partner den anderen mehr liebt als braucht.“ Oder dieser Spruch: „Mein Versprechen an dich: Ich lass dich nie im Stich.“

Ein Mini-Urlaub vor dem großen Tag

Sie sagen, dass sie dankbar sind für den „Mini-Urlaub“. Und dass sie etwas gelernt haben, auch von den anderen, die doch ganz anders sind und nicht einmal unbedingt katholisch: „Unsere ist keine Beziehung, die aus der Reihe tanzt. Unsere Probleme sind normal, die hat jeder, da muss man keine Bauchschmerzen haben.“ Oder: „So lange wir uns lieben und uns beim Abendessen wieder versöhnen, ist alles gut.“ Oder: „Man muss den anderen nicht immer heilen, sondern manchmal einfach da sein und ihm nah sein.“

Marisa Blum sagt es im Rückblick so: „Es war ein Wochenende lang Beziehungsberatung, ohne beraten zu werden.“

>>> DIE NÄCHSTEN TERMINE FÜR KÜNFTIGE EHEPAARE

Das Bistum Essen lädt auch im nächsten Jahr wieder Paare auf dem Weg zur Hochzeit ein. Termine für gemeinsame Wochenenden im Jugendhaus St. Altfrid sind im ersten Halbjahr 2020:
21. bis 23. Februar
28. Februar bis 1. März
27. März bis 29. März.

Unter dem Motto „Seid ihr bereit?“ tauschen sich Paare, die sich auf ihre kirchliche Trauung vorbereiten, über ihre Erwartungen, das Thema „Versprechen“, vielleicht auch ihre Ängste aus. Bewusst nennen die betreuenden Seelsorger ihr Angebot nicht „Ehevorbereitung“. Die Teilnehmer sollen Zeit und Impulse bekommen, sich mit der Ehe auseinanderzusetzen. Dabei sind nicht nur Katholiken angesprochen.

Anmeldungen bitte bei Seelsorgerin Stefanie Gruner unter
stefanie.gruner@bistum-essen.de oder 02054/93760-17.

Und seid Ihr bereit für ein Kind? Von einer Mutter, die zweifelt

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben