Funsport

Eine Arschbombe ins Blaue kann manchmal Extremsport sein

Ein kleiner Sprung für die Athleten: Arschbomben-Wettbewerb im Werksschwimmbad Zollverein.

Ein kleiner Sprung für die Athleten: Arschbomben-Wettbewerb im Werksschwimmbad Zollverein.

Foto: Sven Lorenz

Essen.   Arschbomben-Wettbewerb auf Zollverein: Eine spritzige Disziplin zwischen Spaß und Sport, prima für ein straffes Hinterteil und gute Laune.

„Ey, duuuu! Ja, du da! Nicht vom Beckenrand springen!“ Dies ist das eiserne Gesetz des Bademeisters. Und auch wenn die frühere Allmacht dieser sommersonnentäglichen Autorität in deutschen Badeanstalten in den letzten Jahren ein wenig weggebröselt ist: So ganz ignoriert werden die extrem umsichtigen Bademeisterstandards nur in seltenen Fällen. Einen davon kann man an diesem Wochenende miterleben: „Splash! Boom! Bang!“ heißt der zweite Arschbomben-Contest, der am Sonntag, 11. August, im Werksschwimmbad der Zeche Zollverein hohe Wellen schlägt.

Ein Spaß-Event, oder? „Wir sehen das gar nicht als Spaß“, so Oliver Schill (50), Trainer der deutschen Arschbomben-, pardon, Splashdiving-Nationalmannschaft aus Bamberg. „Wir sind sehr gut vorbereitet und nehmen das sehr ernst.“

Nationalbomber sitzen in der Jury und machen Show

Denn auch wenn die Nationalbomber sich nicht selbst am Wettbewerb beteiligen, sondern nur als Jury fungieren und zwischen den Wettbewerbsrunden ihre Show-Einlagen springen, birgt das einige Herausforderungen. Die Profis werden mit dem Trampolin über den Beckenrand springen (spätestens hier schrillt jede Bademeister-Trillerpfeife bis knapp vor die Explosionsgrenze) und hinein ins gar nicht mal so tiefe Becken. Aber keine Angst! „Wir können das, weil meine Springer ja halbe Stuntmen sind.“

Jedes Kind hat Mordsspaß an einer zünftig klatschenden Arschbombe. Aber nicht jeder kann sie auch korrekt ausführen. „Bei einer sauberen Arschbombe trifft man mit Fußsohle und dem Hinterteil gleichzeitig aufs Wasser“, sagt Schill. Und seine Jury wird sich keine Einzelheit entgehen lassen. „Wir bewerten jeden Sprung mit Adleraugen. Wie war der Absprung? Wir gucken: Wie zieht er seinen Körper Richtung Wasserfläche? Und wir schauen: Wie packt er die Arschbombe auf die Wasseroberfläche? Denn: Manche wollen uns im wahrsten Sinne des Wortes verarschen.“

Eine Arschbombe, die überhaupt keine ist

Wie das? Betrug beim Plumps ins Blaue? Ja, das gibt’s. Manche verdrehen ihren Körper, kippen zu weit nach vorn, nach hinten oder gar zur Seite. Die Jury fackelt da nicht lange, sie wertet dann nach unten ab. „Manche wollen mir eine Arschbombe verkaufen, die überhaupt keine ist.“

Auf die leichte Schulter sollte man das Splashdiving nicht nehmen, hier geht es deutlich härter zur Sache als beim normalen Turmspringen. „Selbst ein Olympia-Sieger im Turmspringen ist hart im Nehmen, meidet aber die Konfrontation mit der breiten Wasseroberfläche.“ Er nennt sie „pickepackevolle Hardcore-Akrobaten“, die im Gegensatz zu Kunstspringern auch Seitwärts-Salti und Off-Axis-Bewegungen drauf haben. „Die haben keine Angst!“ Schon gar nicht beim Sprung vom 10-Meter-Brett, das ist Standard.

Selbst zur WM angemeldet, dann ins Team gekommen

Ist das harte Aufklatschen auf die Wasseroberfläche nicht schädlich? Schill: „Es trainiert Bauch, Beine und Po. Also die Bereiche, wegen denen viele Frauen ins Fitnessstudio gehen. Wir bieten eine echte Lösung für diese Bereiche an. Deshalb sind Frauen in dem Sport extrem gut zu Hause. Der Schlag auf die Wasseroberfläche ist extrem gut fürs Bindegewebe. Da feiert der Arsch Kirmes, wie man im Volksmund sagt.“

Drei Frauen sind derzeit in der Nationalmannschaft, die jüngste von ihnen, Lisa Patzka (16), ist erst vor zwei Wochen hinzugestoßen. „Ich habe mich selbst für die WM angemeldet. Und da hat mich Olli gefragt, ob ich in die Nationalmannschaft möchte“, erzählt sie. „Ich habe mich bei der WM mit den Jungs gut verstanden. Die waren alle total lieb. Aber ich überlege schon die ganze Zeit, was für Sprünge ich am Wochenende mache.“

Mit dem Hinterteil voran in den Trevi-Brunnen

Wird Oliver Schill auf Zollverein nach weiteren Talenten Ausschau halten? Eher nicht, denn meist treten dort eher „niederschwellige Springer“ an. Das sind für ihn jene Leute, die zwar drei Salti hinbekommen, aber eben nicht noch Drehungen einbauen können. Es wäre schon außergewöhnlich, ein größeres Talent dabei zu entdecken. Schill: „Splashdiving an sich ist Stunt, Extremsport, Freestylespringen, gleichzeitig auch Fun-Sport. Und universitär betrachtet als Sportart anerkannt.“

Kann der Trainer sich noch an seine erste eigene Arschbombe erinnern? „Meine erste Arschbombe habe ich ungefähr mit sechs Jahren gemacht, aber ich kann mich auch noch an meine schönste erinnern“, sagt er verschmitzt, auch wenn dieses Wagnis aus polizeilicher Sicht fragwürdig war. Es war in Rom vor 20 Jahren – und er knallte mit der vollen Wucht seines Hinterteils in den Trevi-Brunnen hinein, in dem einst in „La Dolce Vita“ Anita Ekberg badete...

Schill erzählt mit strahlendem Gesicht: „Das war mir ein hohes Anliegen. Deswegen habe ich es damals getan, da waren die Sicherheitsauflagen noch nicht so hoch. Wir hatten keine Handykamera dabei – und es gab keine Social Media. Und: Ich bin gleich wieder raus und um die Ecke gelaufen, so dass mich die Carabinieri nicht erwischen konnten.“

  • Splash! Boom! Bang! Arschbomben-Contest und Parkour-Jam, Sonntag, 11. August, 12– 18 Uhr, Unesco-Welterbe Zollverein, Areal C [Kokerei], Werksschwimmbad [C 75], Arendahls Wiese, Essen. Kostenlose Anmeldung vor Ort.

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