Das besondere Museum

Eine Coca-Kunstweltreise zwischen Kommerz und Kult

Galerist Frank Schlag vor der Wand mit seinen Cola-Dosen.

Galerist Frank Schlag vor der Wand mit seinen Cola-Dosen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Ein kurzer Abstecher in die Galerie Frank Schlag, die sich mit der Schau „The Coke Side Of Art“ als kleines Museum für braune Brause empfiehlt.

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Ach, dieses Design! Und: Oh, diese Form! Man muss sich zwar fragen, ob man in diesen Zeiten politischer Korrektheit noch schwärmen darf für die allgemein als „feminin“ empfundene Gestaltung der begehrtesten Flasche der Welt, also an der Taille etwas schlanker, darüber und darunter etwas üppiger… Aber hey, Milliarden Menschen würden auch ohne den kunstvoll geschwungenen Schriftzug und ohne die braune Brause allein am Erscheinungsbild des meistproduzierten Gefäßes der Menschheitsgeschichte erkennen, was da reingehört. Seit 1915 gibt es die patentgeschützte Konturflasche von Edwards, Dean und Anderson schon, die angeblich an eine Kakaobohne erinnern sollte – und an nichts anderes. Sie war am Anfang noch sehr füllig und wurde im Laufe der Jahrzehnte immer schlanker.

Auch für den Essener Galeristen Frank Schlag begann die prickelnde, lebenslange Liebesgeschichte mit dem Schwärmen für solch eine wohlgeformte Erscheinung. Damals, 1982, bei der ersten Italienreise mit dem frisch gemachten Führerschein auf dem Sella-Pass, mit der Schwester auf dem Beifahrersitz.

Die Cola-Flasche aus dem Zweiten Weltkrieg

Diese besondere Einwegflasche, die er als Andenken behielt, steht heute so gut wie neu in einer Vitrine, etwas abseits von all dem exotischen Glas, das die Ausstellung säumt: 400 unterschiedliche Glasflaschen aus 100 Ländern, alle waren damals oder sind heute noch mit Coca-Cola gefüllt. Trinken möchte man das zumeist nicht mehr, ansehen hingegen sehr wohl.

Darunter eine Essener Colaflasche aus dem Zweiten Weltkrieg. „Coca-Cola konnte in Kriegszeiten nicht hier produziert werden, weil die Rohstoffe zu knapp waren. Deshalb hat man damals bei uns in Essen ja auch die Fanta erfunden. Da man aber darüber hinaus trotzdem die Produktion aufrechterhalten wollte, ist dann in die vorhandenen Cola-Flaschen Mineralwasser gefüllt worden.

Aber es gab auch kein Metall für die Kronkorken, das ging in die Rüstungsindustrie. Man brauchte also einen Verschluss, den man mehrfach benutzen konnte. Und so kam es zu diesem Bügelverschluss“, sagt Frank Schlag. Das bisschen Metall, das den Hals umschließt, ist zwar längst rostig, dennoch hat ihn schon mancher Sammler darum beneidet.

Andere Länder, andere Geschmacksrichtungen

Wasser aus Colaflaschen: Wer das schon exotisch findet und sich auch nicht mit den gängigen Cherry- oder Vanilla-Cola anfreunden konnte, sollte einen genaueren Blick auf die Reihen mit internationalen Sorten werfen. Es gibt eine Apfel-Cola aus Rumänien, die Himbeer-Cola aus Kanada, den Georgia-Pfirsich aus den USA und die Ingwer-Cola aus Australien.

Die Flaschen sind immer Begleiter der politisch-geschichtlichen Umstände gewesen – und da Coca-Cola außer einem legeren Lifestyle auch den amerikanischen Kulturimperialismus verkörpert, war sie oft umstritten. So dürfte die Coca-Flasche aus Afghanistan von 1966 enormen Seltenheitswert besitzen.

Die private Flaschensammlung von Frank Schlag liefert auch einen Überblick darüber, dass trotz der patentierten Form keine Flasche der anderen gleicht – nicht nur wegen der eingeprägten Logos und Erkennungszeichen.

Wie Charles Wilp von Afri zu Coca

Richtig schwierig würde es, wenn man ins unüberblickbare Meer der Cola-Dosen eintauchen würde. „Von den Dosen gibt es Tausende“, sagt Frank Schlag. Seine tatsächlich nur kleine, exemplarische Sammlung zeigt: Die komplette Bundesliga der Saison 1994/95, den Weihnachtsmann (auch so eine Coca-Erfindung!), Peter Maffay, Karl Lagerfeld und die Ottifanten.

Fast könnte man darüber vergessen, dass in der Galerie auch ernsthafte Kunst gezeigt wird, alles Werke mit Coca-Bezug: etwa von Klaus Staeck, ein „Trashman“ von HA Schult – und selbst Charles Wilp, der ja durch seine schwitzige Afri-Cola-Nonnen-Werbung bekannt wurde, hat später dann die Cola-Marke gewechselt.

>>>Das liebste Ausstellungsstück: Kuba-Coca

Coca-Cola in Angola? Ob es die gibt, ist ja wohl spätestens geklärt, seit anno 1981 die United Balls den Punkrock-Gassenhauer „Pogo in Togo“ herausgehauen haben. Aber Coca auf Kuba, der kommunistischen Trutzinsel vor der Küste Floridas? Da hat eine Flasche des amerikanisch-imperialistischen Klassenfeinds seit fast 60 Jahren einen enormen Seltenheitswert, so wie sonst höchstens noch in Nordkorea. Das Exemplar aus Frank Schlags Sammlung stammt von 1960, dem Jahr vor der gescheiterten Invasion der Schweinebucht und der Isolation der Insel. Zuvor war es dort noch problemlos möglich, seinen Havanna-Club-Rum mit etwas brauner Brause zur Trinkreife zu bringen. Aber als die Kubaner alles Amerikanische – mit Ausnahme der bis heute erhaltenen Straßenkreuzer – verbannten, wurden auch die Coca-Insignien immer rarer. Dennoch gelang es Galerist Frank Schlag „auf einem Trödelmarkt vor Ort“ diese historische Flasche zu erwerben. Nicht ganz makellos und geleert, aber eine der letzten ihrer Art.

Galerie Frank Schlag „The Coke Side Of Art“, Teichstr. 9, Essen, di-fr 10-19 Uhr, sa 10-16 Uhr, Eintr. fr. Katalog ab 15.11. german-modern-art.com

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