Lebensplanung

Familie mit sieben Kindern: Ein Leben voll Herausforderungen

Hier kommen die Prochnows (v.l.): Vater Frank, Moritz, Jonathan, Ulrike, Pauline, Lotte, Heidi, Mutter Stefanie und Elfriede Prochnow. Einkaufen und Urlaube sind große Herausforderungen.

Hier kommen die Prochnows (v.l.): Vater Frank, Moritz, Jonathan, Ulrike, Pauline, Lotte, Heidi, Mutter Stefanie und Elfriede Prochnow. Einkaufen und Urlaube sind große Herausforderungen.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Wie ist das Leben in einer sehr großen Großfamilie? Die Prochnows müssen’s wissen. Sie haben sieben Kinder. Und am liebsten hätten sie noch eins.

Familienausflüge sind bei den Prochnows eine logistische Herausforderung. Vater Frank dürfte zwar seine sieben Kinder im großen Auto mitnehmen. Aber Mutter Stefanie müsste zu Fuß gehen. Acht Mitfahrer? „Dafür bräuchte ich einen Personenbeförderungsschein. Den habe ich nicht.“

Keine Frage, die Prochnows sind eine besondere Familie. Als große Gemeinschaft leben sie in einem ziemlich kleinen Haus im Westen Gelsenkirchens. „Wir sagen manchmal, wir stapeln die Kinder abends“, erzählen die Eltern und lachen. Anders aber wollen sie sich das Leben gar nicht vorstellen. „Dabei sind wir damals nicht davon ausgegangen, sieben Kinder zu bekommen“, erzählt Stefanie Prochnow. Das habe sich einfach so ergeben. Als drei auf der Welt waren, war klar, die beruflichen Pläne lassen sich nicht mehr verwirklichen. „Da muss man auch nicht mehr studieren. Dann wird man den Kindern nicht gerecht“, findet die gelernte Erzieherin. Die beste Qualifikation für solch eine Kinderschar, oder? „Nein. Es ist etwas völlig anderes, eigene Kinder zu haben. Die haben einen ganz anderen Respekt vor einem. Mit 25 Kindern in der Gruppe bin ich super klar gekommen. Hier habe ich manchmal gesagt, oh Gott.“ Und doch: „Wären wir noch jünger, würden wir noch eins haben wollen“, erzählt die 48-jährige Mutter, deren Ältester 24 ist. Nesthäkchen Heidi ist sechs Jahre jung.

„Der Zusammenhalt unter uns ist sehr groß.“

Die Prochnows sitzen im Kreis im Garten – und ihr Kreis ist groß. Sie erzählen, was ihr Leben ausmacht. „Man steht nie allein da“, sagt die 20-jährige Lotte. „Der Zusammenhalt unter uns ist sehr groß“, meint auch die Mama. „Es gibt einem sehr viel. Wenn ich einen schlechten Tag hatte, nach Hause komme und die Kinder lächeln mich an, da ist alles schnell wieder gut“, findet Papa Frank. „Auch bei Feierlichkeiten ist das toll. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste mit meiner Frau allein feiern – ich weiß nicht.“ Alle lachen. Sie wollen einander nicht missen. „Das ist ein Gefühl, das kann man gar nicht beschreiben“, so der 56-Jährige.

Feierlichkeiten sind ein gutes Stichwort: Wie schön muss Weihnachten sein in einer so großen Familie? Der Gang ins Esszimmer zeigt, vielleicht etwas beengt, bestimmt urgemütlich und sicher sehr stimmungsvoll. „Ich freue mich immer schon Wochen im Voraus, am Heiligen Abend hier mit meiner Familie zu sein. Dann gibt es nur uns“, sagt Elfriede. Die 21-Jährige ist die einzige, die bereits ausgezogen ist. Im Esszimmer sitzen zum Fest alle um den Tisch herum, in der Ecke stehe ein Tannenbaum, dazu die Geschenke. „Dann ist aber auch alles voll“, sagt Mutter Stefanie. Bald, verrät sie, beginnt für sie der Einkauf der Weihnachtsgeschenke. Anders sei das nicht zu schaffen.

„Die Maschine läuft acht Stunden am Tag.“

Auf die gute Planung kommt es an bei den Prochnows. Mutter Stefanie ist zu Hause, kümmert sich um die Wäsche – eine Mammutaufgabe. „Die Maschine läuft acht Stunden am Tag.“ Kein Problem für die Mutter. „Nur das Bügeln ist viel“, sagt sie. Allerdings wissen die Kinder, es dauert länger als bei anderen Familien. „Ich sehe das bei meinem Freund. Wenn der eine Jeans in die Wäsche gibt, ist die am nächsten Morgen fertig. Bei uns dauert das schon mal eine Woche“, sagt Lotte und lacht. Das sei aber kein Problem. Zumal es einen weiteren Korb gibt für ganz dringende Wäsche.

Auch der Einkauf ist Stefanie Prochnows Aufgabe. „Mittlerweile kommt eine der Großen mit. Sonst muss ich zweimal rein.“ Ein prall gefüllter Einkaufswagen reicht gerade fürs Wochenende. Meist komme Pauline (18) mit. „Die sind ein eingespieltes Team“, lacht Lotte. Kein anderer könne mit dem Duo beim Einkauf mithalten. „Sie genießt die Zeit mit mir allein“, weiß Mama Stefanie. „Es kann sein, dass wir uns danach in die Bäckerei setzen und bei einem Kakao einfach reden.“

„Manchmal komme ich mit vier Kochfeldern an meine Grenzen.“

Fürs Kochen und Putzen ist Papa Frank zuständig. Als Feuerwehrmann hat er zwar lange Dienst, dazwischen aber Zeit für die Familie. „Ich könnte nicht alles auf meine Frau abwälzen“, sagt er, der die vielen Menschen in einer ganz normalen Küche bekocht. Auf einem ganz normalen Herd. In ganz normalen Töpfen. „Manchmal komme ich mit vier Kochfeldern an meine Grenzen“, gesteht er. „Mittlerweile haben wir einen großen Gasgrill. Da haben wir letztes Jahr auch den Weihnachtsbraten drin gemacht.“

Selten müssen die Kinder im Haushalt helfen. Das haben die Prochnows bewusst so entschieden. „Bis sie am Nachmittag zu Hause sind, ist vieles schon erledigt. Wir wollen, dass die Kinder dann im Mittelpunkt stehen. Wenn wir sehen, es ist wirklich viel, dann sagen wir, ihr müsst mal helfen. Ansonsten lassen wir ihnen ihre Freizeit.“ Die man auch gern miteinander verbringt. Höhepunkte sind die Urlaube mit dem Papa. Der fährt traditionell mit einigen Kindern in die Ferien. Die Mama bleibt zu Hause mit den anderen – und hat auch mal ein bisschen Zeit für sich. „Es ist gut, dass wir das so angefangen haben. Für die Kinder ist das sehr schön, mit dem Papa zu verreisen.“

Zu Feiern in Mannschaftsstärke

So nah sich die Kinder untereinander sind – auch räumlich, denn die meisten teilen ihre Zimmer –, natürlich haben sie auch einen Freundeskreis. Für den ist eine solche Großfamilie schon etwas Besonderes. „Ich habe nie schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt Pauline. Mutter Stefanie verrät, früher habe es schon Vorbehalte gegeben, hätten nicht alle den Kinderreichtum der Prochnows begrüßt. Heute wissen die Kinder nur Gutes zu berichten. Auch wenn sich neue Freunde eingewöhnen müssten. Elfriedes Lebensgefährte zum Beispiel sei von Anfang an offen gewesen. „Das war nie ein Problem. Und er hat alle immer sofort mit eingeplant.“ So wie zur Geburtstagsfeier. Da gehen die Prochnows auch in Mannschaftsstärke hin. „Die Menschen sind oft ungläubig, fragen, stimmt das wirklich? So war es auch bei mir auf der Arbeit“, sagt Elfriede. „Und dann kommt immer die Frage, ob meine Eltern keine Hobbys haben – aber das ist nur Spaß.“ Papa Frank lacht schon. „Da steht man drüber.“ Kann man auch. Denn was die Prochnows hier leben, ist außergewöhnlich, das wissen sie, und wertvoll. „Wenn Not am Mann ist, können wir uns auf alle Kinder hundertprozentig verlassen. Das gibt es nicht in jeder Familie.“

>>>Großfamilien – bei den Deutschen eine Seltenheit

Lediglich zwei Prozent aller Familien in Deutschland ohne Migrationshintergrund haben vier oder mehr minderjährige Kinder. Bei Familien mit Migrationshintergrund sind es vier Prozent (Mikrozensus-Ergebnis).

Der älteste Spross der Prochnows ist der 24-jährige Jonathan. Dann folgen Elfriede (21), Lotte (20), Pauline (18), Ulrike (15), Moritz (13) und Heidi (6).

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