Geschenke

Geschenke zu Weihnachten: Jeder dritte Gutschein verfällt

So praktisch wie beliebt: Der Gutschein ist schon seit Jahren das Nummer-1-Geschenk der Deutschen. Doch nicht alle werden auch eingelöst.

So praktisch wie beliebt: Der Gutschein ist schon seit Jahren das Nummer-1-Geschenk der Deutschen. Doch nicht alle werden auch eingelöst.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christin Klose / picture alliance / dpa Themendie

Essen.  Das beliebteste Geschenk an Weihnachten ist der Gutschein. Viele Beschenkte sind so träge beim Einlösen, dass vor allem eine Seite profitiert.

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Es beginnt nun diese wunderbare, wohlige und heimelige Zeit des Jahres, in der die Lichter an den Tannen hell erstrahlen, der Glühwein süffig duftet und sich die Stirn in tiefe Grübelfalten legt: Was schenk’ ich nur, was schenk’ ich nur? Immer mehr Deutsche haben in den vergangenen Jahren zur einfachsten aller Lösungen gegriffen, dem Geschenkgutschein. Die Allzweckwaffe unter den guten Gaben gibt’s heute für fast alles: Klangschalen-Massage in Schmallenberg, Panzerfahren am Königsee, Apnoetauchen bei Harsewinkel.

Der Gutschein vereint ja auch das Beste von allem: Der Schenker muss nicht lange suchen, um ein passendes Geschenk zu finden, der Beschenkte hat die freie Wahl, wann und wie er das Geschenk einlöst.

Kaum verwunderlich, dass so ein praktischer Zettel mittlerweile Bücher, Spielzeug, Parfüms, ja sogar die gute, alte Motivsocke unterm Weihnachtsbaum überholt hat: 3 Milliarden Euro haben die Deutschen im Jahr 2018 für Gutscheine ausgegeben – und da sind die selbstgebastelten noch nicht eingerechnet –, über die Hälfte davon im Weihnachtsgeschäft, stellt der Handelsverband Deutschland im Konsumbarometer fest.

Und immer an den Jodelkurs denken

Das klingt traumhaft, hat für die Beschenkten allerdings einen Haken, den fast jeder kennt. Denn als Oma Hildegard ihre Scheinchen in das Training für den ersten Gleitschirmflug und Onkel Herbert in einen Jodelkurs für Fortgeschrittene investierte, rechnete keiner damit, dass die Erinnerung ein so verflixt flüchtiges Gespinst ist. Doch wird jeder, der mal mit einem Gutschein bedacht wurde, rasch gemerkt haben, dass manche Gabe in der Schublade vergammelt.

Ganz genau weiß man es nicht, aber Studien gehen davon aus, dass gut ein Drittel aller Gutscheine niemals benutzt werden. Der Handel kassiert vorab – profitiert davon, dass ein guter Teil der Gutscheine niemals eingelöst wird. So entsteht pro Jahr gut 1 Milliarde Umsatz ohne irgendeine Leistung, ein frohes Fest dank der Schlummermilliarde.

Kein Gutschein währt ewig

Selbst wer gar nicht vorhat, seinen Geschenkgutschein verfallen zu lassen: Die meisten der Bons sind befristet, die unbefristeten verjähren drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem der Gutschein ausgestellt wurde. Wer zum Fest 2019 einen in die Hände bekommt, muss ihn bis 31. Dezember 2022 eingelöst haben… Und manche Gutscheine können auch nach zwei oder nach nur einem Jahr verfallen, wenn es dafür nachvollziehbare Gründe gibt.

Eine Umfrage des Gutscheinspezialisten epay zeigte übrigens, dass 42 Prozent der Menschen, die schon einmal einen Gutschein verschenkt haben, es in diesem Jahr zu Weihnachten wieder tun möchten…

Aber es kommt noch besser: Die Gutscheinkarten von Händlern und Dienstleistern sorgen dafür, dass neue Kunden gewonnen werden, die sonst nie den richtigen Weg gefunden hätten. Und: Wer einen Wertgutschein hat, versteht ihn meist als Beitrag zu einem teureren Teil: „Die Mehrheit der Kunden überschreitet den Gutschein-Betrag und kauft viel mehr ein“, berichtet das Portal Business Netz. Das heißt: Wer sein Geschenk auch wirklich einlöst, hat weniger Probleme, noch aus eigener Tasche ein bisschen hinzuzulegen – es schmerzt ja nicht so stark im Geldbeutel. Hätte der Handel den Geschenkgutschein nicht schon längst gut etabliert, er müsste ihn erfinden.

Mit dem Videozocker zum Digital Detox

Wer sicher gehen will, dass er für einen selbst gemachten Gutschein nicht zur Kasse gebeten wird, muss nur ein paar kurze Schlussfolgerungen ziehen: Wird der gestresste Abteilungsleiter den Gutschein für den Meditationskurs im Schieferbergwerk annehmen? Wird der Sportmuffel sich je beim örtlichen Fitnessstudio anmelden? Wird der passionierte Konsolenzocker sich freiwillig zum Digital-Detox melden?

Ach, schenken kann ja so einfach sein, Hauptsache, es kommt von Herzen. Warum machen wir uns eigentlich sogar über Gutscheine immer so viele Gedanken?

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