Kolumne

Jasis Woche: Gezielt gekauft ist schnell erledigt

Lesedauer: 3 Minuten
Jacqueline Siepmann schreibt Jasis Woche.

Jacqueline Siepmann schreibt Jasis Woche.

Foto: Foto:_NRZ / Funkegrafik

Essen.  Ich gehe bummeln, mein Mann arbeitet Listen ab – so funktioniert in unserer Familie das Einkaufen. Sogar im Gartencenter.

Im Zeitalter der (längst überfälligen) Gendergerechtigkeit ist es ein bisschen verpönt, sich über das andere Geschlecht lustig zu machen. Das ist schön. Sowas würde mir außerdem sowieso nie einfallen, lästerliche Gedanken liegen mir seit jeher fern.

Trotzdem muss ich an dieser Stelle bekennen: Ich finde Männer in Gartencentern störend. Oder: Nee, doch nicht, man soll ja nicht grob und womöglich völlig unzulässig verallgemeinern, deswegen muss ich präzisieren: Ich finde MEINEN Mann in Gartencentern störend, insbesondere, wenn er mich begleitet.

Gartencenter sind für mich so etwas wie Kleiderläden in floral. Ich stöbere dort gerne endlos herum, schaue mal hier und mal dort, lasse mich inspirieren und kaufe am Ende tolle, aber oft auch ein bisschen unvernünftige Sachen. Mein Mann steht allein durch seine Anwesenheit einem solchen Shoppingkonzept diametral entgegen, er arbeitet grundsätzlich zielgerichtet Listen ab, die er in den Tagen zuvor angefertigt hat. In der vergangenen Woche kam es wieder zum Ernstfall. Ich wollte mich zwischen dem Staudensortiment verlustieren, mein Mann bot an mitzukommen. Einerseits ja schön, dass er bereit ist, solidarisch meine Interessen zu teilen und auch toll, dass man mal gemeinsam etwas unternimmt und wenn es nur einkaufen ist. Andererseits...

Die Beet sind längst vollgepflanzt

„Ich lass dich dann mal in Ruhe schauen“, sagte mein Mann erfreulicherweise, als wir den Laden betraten. Ich sah, wie er in den hinteren Teil des Geländes eilte. Nach einer Viertelstunde, ich war über den Eingangsbereich mit den Dekorationen gerade hinausgelangt, kam er zurück, schaute auf die Uhr und verkündete, sein Part sei nun erledigt. Nun ja, in Coronazeiten ist man ja gehalten, etwas flotter einzukaufen, aber so minimal hatte ich mir das Zeitfenster dann doch nicht vorgestellt. Ich griff zu einer Pflanze, mit der ich liebäugelte. „Hast du schon“ kommentierte er. Ich wunderte mich, dass er sich so gut auskannte und anhand der winzigen Blättchen die Sorte erkannte, aber er meinte gar nicht das Gewächs im Speziellen, sondern im Allgemeinen, er ist nämlich der Ansicht, unsere Beete seien voll. „Der Preis. Wahnsinn!“, kommentierte er, als ich ihm das nächste zarte Grün entgegenhielt.

Mein Mann ist ein personifiziertes Kaufhindernis. Eigentlich müsste man ihn der Firmenleitung melden, drohte ich, so ein Verhalten sei doch geschäftsschädigend. Ich schaffte es mit Mühe und Not, noch etwas Zeit zu schinden und versuchte, meine Pflänzchen möglichst unauffällig im Einkaufswagen zu verteilen – der war allerdings bereits voll, mit einem grün-glänzenden Ungetüm: einer Vogeltränke überdimensionalen Ausmaßes. Die habe schon lange auf seiner Liste gestanden, schwärmte mein Mann. Sie war das teuerste Teil, das wir je in einem Gartencenter gekauft haben.

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