Mahlzeit

Kleine Happen, große Wirkung – China-Lokal JIA in Dortmund

Für diese asiatischen Teigtäschchen lasse ich die meisten Maultaschen liegen.

Für diese asiatischen Teigtäschchen lasse ich die meisten Maultaschen liegen.

Foto: Maren Schürmann

Dortmund.   Welches Werkzeug eignet sich am besten, um Saure Gurken aus dem Glas zu fischen? „Stäbchen.“ Das sagt zumindest der Besitzer von JIA in Dortmund.

Er ermuntert die Gäste, mal nicht mit Messer und Gabel zu essen. Der deutsche Craft-Bier-Experte hat mehrere Jahre lang in Asien gelebt und nun mit seiner Frau aus der Mongolei ein Lokal in Dortmund eröffnet. Auf der Karte sucht man Sushi oder Peking-Ente vergebens. Nicht mal Reis(wein) ist dabei. Dafür gibt es viele Biere aus kleinen Brauereien in Europa oder den USA – und Jiaozi.

Das sind gefüllte Teigtaschen. Bei JIA, das „Zuhause“ bedeutet, werden sie wie in der Heimat in Asien per Hand geformt, dann gedämpft, gekocht oder gebraten (+ 1 €). Ich nehme Rindfleisch mit Karotte (15 Stück: 8,90 €, 30: 17 €) – würzig, leicht süß. Ähnlich wie beim Sushi mixt man selbst die Soße dazu in einem Schälchen: aus Sojasoße, Essig und Chiliöl. So bekommen die Täschchen, die an frische Nudeln erinnern, ihren letzten pikanten Schliff.

Knackiger Rettich, süß-sauer-scharf

Unser Favorit ist die Variante mit Lammfleisch und Rotkohl (9,90/19 €). Wir nehmen sie gebraten und mit schwarzem Sesam bestreut. Mmmh, das sind Aroma-Päckchen! Auch die Täschchen mit Lamm und Gemüse gefallen (9,90/19 €). Allerdings sind sie gedämpft – wir mögen sie lieber gebraten. Dazu passt knackiger Rettich, der süß-sauer-scharf eingelegt ist (4,50 €). Der lässt sich gut mit Stäbchen essen. Doch bei Baozi (2,50 €) frage ich dann doch nach einer Gabel: Die gedämpfte Hefeteigtasche, gefüllt mit Gemüse, Ei und dem chinesischen Pilz Mu-Err ist Brötchen-groß.

Der Jiaozi-Nudelteig gefällt mir etwas besser. Eine Teigtasche ist übrig. Da die gedämpften Nudeln nur schwer zu fassen sind, möchte ich mit den Stäbchen hineinpiksen. Doch der Besitzer warnt, so gehe das Beste verloren: der Saft. Also balanciere ich das Täschchen ins Schälchen. Geschafft! Die Soße macht aber ein beherztes Zugreifen nahezu unmöglich. Der Besitzer sieht meine Gabel und grinst: „Jetzt bin ich persönlich beleidigt.“

Schweineohrstreifen mit Chili und Knobi

Ich komme wieder – um zu üben. Aber vor allem: um noch mehr Jiaozi zu probieren, für die ich die meisten Maultaschen stehen lasse. Vielleicht sind die Schweineohrstreifen mit Chili und Knobi (5,90 €), die ebenfalls auf der Karte stehen, leichter zu greifen? Aber bei der Speise endet meine Experimentierfreude. Dann lieber: Saure Gurken mit Stäbchen.

JIA, Am Bruchheck 29, 44263 Dortmund, 0231/18 72 04 34 kein Ruhetag, facebook.com/jiadortmund

Küche: Nichts für Menschen, die Nudeln nur mit Bolognese-Soße mögen. Alle anderen freuen sich über ein Essen, das sie nicht an jeder Ecke genießen können.

Ambiente: Dezent dekoriert, ohne Kitsch: An den Wänden hängen Bilder mit chinesischen Schriftzeichen. Dunkle Tische, einfach, aber hübsch eingedeckt.

Service: Hier fühlt man sich wie ein willkommener Gast. Gute Beratung. Speisekarte auf Deutsch, Chinesisch, Englisch. Keine Kartenzahlung, nur PayPal.

Preise: Günstig. Lieber kleinere Portionen bestellen und dafür mehr probieren. Der Teig sättigt. Biere sind besonders, dafür teurer: 0,33 l ab 4,50 €.

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