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Kulturgut mit Krümeln: So gelingt guter Streuselkuchen

Ob mit, ob ohne Beeren: Streuselkuchen schmeckt auf verschiedenste Arten.

Ob mit, ob ohne Beeren: Streuselkuchen schmeckt auf verschiedenste Arten.

Foto: istock/A_Lein

Berlin/Essen.   Knusprige Streusel treffen auf frisches Obst und saftigen Teig. Streuselkuchen lieben alle – gerade jetzt im Sommer.

„Heute ist das Kirchweihfest ..., es gab daher einen großen Sträußelkuchen zum Frühstück“, notierte der Dichter Joseph von Eichendorff bereits im Jahre 1857. Ob der Streuselkuchen seinen Siegeszug zunächst in Eichendorffs schlesischer Heimat oder sogar schon viel früher im mittelalterlichen Sachsen antrat, ist bis heute umstritten. Nur eines ist gewiss: Der Blechkuchen schreibt seit Jahrhunderten eine Erfolgsstory. Beliebt ist nach wie vor die klassische Variante, also buttrige Krümel auf einer Lage Obst oder Pudding und einem Hefeteig-Boden. Aber wer einen Blick in die sozialen Medien wirft, merkt schnell, dass auch moderne Interpretationen möglich sind, etwa mit Dinkelmehl und Kokosöl oder als Muffin-Gebäck.

Schmückt jede Kuchentafel

Im Ruhrgebiet, dem Rheinland und Westfalen gehört er längst zum kulinarischen Kulturgut. Aber war da nicht auch einmal die Rede vom „Beerdigungskuchen“? „Sicher, den Spruch gibt es, aber ein gut gemachter Streuselkuchen, der kann so lecker sein, der schmückt auch jede Kaffeetafel!“, entgegnet Thomas Schlotz. Der Bäckermeister und Konditor führt seit 1993 die Bäckerei und Konditorei Wulf in Dortmund-Huckarde. Der Kuchenklassiker gehört aber schon viel länger zum Repertoire des Familienunternehmens. „Als mein Schwiegervater den Betrieb vor mehr als 50 Jahren gründete, hatte er selbstverständlich vom ersten Tag an Streuselkuchen im Angebot.“ Auch er selbst sei ein Fan des einfachen Genusses, gesteht der gebürtige Schwabe, den die Liebe ins Ruhrgebiet verschlug: „Ich esse jeden Tag ein Stück Streuselkuchen oder ein Streuselplätzchen als Nachtisch. Natürlich nach eigener Rezeptur gebacken.“

Dass mit einem Streuselkuchen viel mehr Genuss verbunden sein kann als gemeinhin erwartet, bestätigt auch Susanne Kötter. Im Café Kötter in Essen-Rüttenscheid, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Jubiläum feiert, bestimmt Raffinesse das Angebot. „Wir verpacken die Idee deshalb etwas charmanter“, so die Chefin. Ob als Käse-Aprikosen-Streuselkuchen, mit Äpfeln gedeckt oder jetzt zur Pflaumenzeit mit frischen Pflaumen: Das Grundrezept des Klassikers lässt sich fantasievoll neu interpretieren. Und auch die Form darf edler ausfallen. „So wie auch unsere Torten backen wir die Streuselkuchen-Varianten rund.“ Manchmal kommt sogar ein anderer Bodenteig zum Einsatz.

Mehl, Fett und Zucker

Aber bei dem, was einen Streuselkuchen letztlich auszeichnet, bleibt man auch hier der Tradition treu. Die Streusel bestehen aus einem Teil Fett, einem Teil Zucker und zwei Teilen Mehl. Da braucht es keine Konservierungsstoffe oder Geschmacksverstärker. Wie viel Vanille, Salz oder Zitrone das Aroma verfeinern, ist in der Konditorei ein streng gehütetes Geheimnis. So wie auch bei jedem Familienrezept für hausgemachten Streuselkuchen.

>>> BACKTIPPS:

Klassische Streusel bestehen aus einem Teil Butter, einem Teil Zucker und zwei Teilen Mehl. Man kann den Streuselteig aber auch verfeinern oder aufpeppen, etwa mit Kakao, Marzipan, Zimt oder Vanille.

Für grobe Streusel die Butter kalt und in Stücken zu dem Mehl und der Zuckermischung geben und mit dem Knethaken (oder den Händen) grob verarbeiten.

Wer seinen Streuselkuchen lieber mit feinen Streuseln bestreut, schmilzt die Butter vorher im Topf und mixt den Teig mit dem Handrührgerät. Egal, ob grob oder fein, der Teig sollte nicht zu lange verrührt werden.

Wer auf der Suche nach einer veganen Variante ist, ersetzt Butter mit Margarine oder mischt Mehl, gemahlene Mandeln, Kokosöl und etwas Sojamilch.

Extra knusprig werden die Streusel, wenn man gehackte Nüsse oder Haferflocken untermischt oder sie kurz vor Ende der Backzeit mit eiskaltem Wasser. besprüht.

Streusel haften besser, wenn sich unter ihnen schön viel saftiges Obst oder Pudding befindet, mit dem sie sich verbinden können. Tipp: Nie fest andrücken, sondern nur lose über den Belag verteilen.

>>> INFO: Internationale Streusel-Spezialitäten

Die Shoofly Pie ist ein amerikanischer Kuchen. Genauer gesagt stammt er aus Pennsylvania, einem Staat an der nördlichen Ostküste der USA. Erfunden haben ihn um 1900, wie könnte es auch anders sein, die sogenannten Pennsilfaani Deitschen – die Nachkommen von Einwanderern aus der Pfalz. Der Name stammt von dem Ausdruck „to shoo flies“, Fliegen verscheuchen. Wahrscheinlich, weil nicht nur die Menschen auf den Kuchen fliegen, sondern auch die lästigen Insekten.


Ursprünglich stammt der Crumble, dessen Name übersetzt so viel bedeutet wie „Krümel“, aus England. Entstanden ist er auf der Insel während des Zweiten Weltkriegs. Zu dieser Zeit waren Mehl, Zucker und Fett Mangelware. Deshalb verzichteten sparsame Hausfrauen kurzerhand auf den Kuchenboden und bedeckten das Obst nur mit Streuseln. Zum Crumble passt so gut wie jede Obstsorte – von Äpfeln über Erdbeeren bis zu Quitten.


In Aachen sind sie eine Berühmtheit. Über die Stadtgrenzen hinaus kennt das Streuselbrötchen allerdings kaum jemand. Die weichen Hefebrötchen mit den knusprigen, süßen Streuselkrümeln sind eine Spezialität. Das Erfolgsrezept: Beim Streuselbrötchen darf nicht an den Streuseln gespart werden. Die großen Krümel sollten die Oberseite des Brötchen völlig bedecken und im besten Fall noch über den Rand des Naschwerks hängen.

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