Frauen an der Uni

Mädchen-Projekt an der Uni: Die Forscherinnen von morgen

Was ist ein Vakuum? Amira Aburayyan entzieht der Schüssel Luft und lässt so Schokoküsse wachsen. Die Schülerinnen Lena Mreyen (l.) und Emily Demberg (3.v.r.) staunen. Ihre Mentorinnen: Fiona Dimas Zekri (2.v.l.) und Linda Wentzel (M.). Jill Timmreck (2.v.r.) betreut das Projekt, Sylvia Rückheim leitet das Schülerlabor.

Was ist ein Vakuum? Amira Aburayyan entzieht der Schüssel Luft und lässt so Schokoküsse wachsen. Die Schülerinnen Lena Mreyen (l.) und Emily Demberg (3.v.r.) staunen. Ihre Mentorinnen: Fiona Dimas Zekri (2.v.l.) und Linda Wentzel (M.). Jill Timmreck (2.v.r.) betreut das Projekt, Sylvia Rückheim leitet das Schülerlabor.

Foto: Fabian Strauch

Dortmund.   Zum Tag der Frauen in der Wissenschaft: Mädchen studieren selten Technik-Fächer. Das MinTU-Projekt in Dortmund für Schülerinnen soll das ändern.

Lena Mreyen hat eine gelbe Nase. Jedenfalls sieht sie so auf dem Display der Wärmebildkamera aus, die auf das Mädchen gerichtet ist. „Etwa 22 Grad“, sagt Wissenschaftlerin Sylvia Rückheim schmunzelnd. „Also wenn du ein Hund wärst, wäre das gut.“

Lena Mreyen lacht. Die 14-Jährige mit der kalten Nase schnuppert zusammen mit anderen Schülerinnen Uni-Luft. Sie nehmen an dem Projekt „MinTU“ teil. Damit möchte das Gleichstellungsbüro der Technischen Uni (TU) in Dortmund bei Mädchen das Interesse für Fächer wecken, in denen sonst eher Jungen ihre Zukunft sehen. Und das nicht nur am Tag der Mädchen und Frauen in der Wissenschaft (11. Februar).

Schokoküsse wachsen in der Plastikbox

Sylvia Rückheim, die Leiterin des DLR-School-Lab, also des Schülerlabors an der TU, erklärt ihnen, wie die Kamera die Wärme in der Umgebung anzeigt. Sie teilt alles in Farbflächen auf: weiß ist warm, blau ist kalt. Die Temperatur kann man nicht nur bei Nasen feststellen, sondern auch in schlecht isolierten Häusern, die bessere Wärmetechnik benötigen. So erfahren die Mädchen, dass Wissenschaft nicht nur ernst, sondern überraschend und manchmal lustig ist. Etwa, wenn die Mädchen Schokoküsse in einer Plastikbox wachsen lassen, während sie der Schüssel mit einer Pumpe die Luft entziehen.

Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – die Anfangsbuchstaben ergeben das Wort MINT. Aber zu den MINT-Fächern wird mehr gezählt: Physik, Bio, Chemie, Ingenieurwesen, Elektro- und Informationstechnik, Maschinenbau. Alles Fächer, bei denen der Anteil der Frauen an den Studierenden etwa ein Drittel ausmacht – oder weniger.

Lena Mreyens Mutter ist Biologin, ihr Vater ist Chemiker. „Als ich klein war, habe ich mit meinem Vater Kristalle gezüchtet.“ Aber nicht jedes Mädchen hat den Vorteil, Eltern oder Geschwister zu haben, die sich für Naturwissenschaften interessieren. Ihnen sollen beim MinTU-Projekt Mentorinnen Mut machen.

Mathe und Informatik hatte sie bereits ins Auge gefasst

Fiona Dimas Zekri ist eine dieser jungen Frauen, die als studentische Hilfskraft arbeiten, die sich regelmäßig mit ein paar Schülerinnen trifft, von der Uni erzählt, sie zu Workshops begleitet. Die 23-Jährige studiert Maschinenbau. Für die 12-jährige Schülerin Emily Demberg ist die Mentorin ein Glücksfall, denn Mathe oder Informatik hatte sie auf dem Schirm. Aber Maschinenbau?

Die Reaktionen auf das Studienfach sind Fiona Dimas Zekri unangenehm. Die einen gucken sie erstaunt an: Du bist eine Frau und studierst Maschinenbau? Die anderen heben sie auf ein Podest. „Warum?“, fragt sich die Studentin. Warum sollte sie nicht genauso talentiert sein wie ihre Kommilitonen?

Mädchen schätzen sich selbst schlechter ein

So selbstbewusst sind nicht alle Mädchen. Wenn ein Schüler in Physik die Note 2 hat und in Latein eine 3, dann wird er vielleicht Physik weiter verfolgen. Doch wenn ein Mädchen auch eine 2 in Physik hat und in Kunst aber eine 1, würde es schnell sagen: „Ich kann Physik nicht so gut“, erklärt Jill Timmreck vom Gleichstellungsbüro.

„Studien belegen, dass Mädchen sich ab 13 Jahren von MINT abwenden, weil sie sich schlecht einschätzen“, so die 32-Jährige, die das Projekt mit jährlich 48 Schülerinnen organisiert. „Wir setzen daher früh an.“ Die jüngsten Teilnehmerinnen sind 12 Jahre alt, wie Amira Aburrayyan: „Ich mag eigentlich alle Fächer.“

Klischees über Jungen und Mädchen

Noch immer entsprechen die Bilder in den Köpfen, was Mädchen können und was Jungen, oft dem Klischee. Daher staunen auch manche bei der Mentorin Linda Wentzel. Ihr Freund wird Grundschullehrer, sie hat die Fächer Mathe und Technik belegt. Die 26-Jährige ist bereits Physiklaborantin – wie ihr Vater. Aber der Ausbilder habe es ihr schwer gemacht. „Ich habe kopiert und meine Mit-Azubis durften anderes machen.“ Nun möchte sie selbst unterrichten: „Ich möchte ein Vorbild sein für Mädchen. Und das kann man am besten als Lehrerin.“ Auch Jill Timmreck sagt: „Ich glaube, es müsste mehr Lehrerinnen in diesen Fächern geben. Und motivierende Worte: ,Merke selber, was dir gefällt, was dir liegt. Du schaffst das!’“

Das MenTU-Projekt an der TU Dortmund im Netz: gleichstellung.tu-dortmund.de

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