Wohlbefinden

Mehr Licht! Die richtige Wellenlänge für den Menschen

Sonnenlicht am Vormittag kann glücklich machen und hält in Schwung.

Sonnenlicht am Vormittag kann glücklich machen und hält in Schwung.

Foto: istock

Essen.   Ob Sonne, Lampe oder Smartphone-Display: Licht hat einen enormen Einfluss auf Wahrnehmung und Gesundheit. Was Helligkeit mit dem Menschen macht.

Die ganze Welt dreht sich um das Licht. Wortwörtlich. Umkreiste die Erde nicht den riesigen Stern, den wir Sonne nennen, gäbe es kein Leben auf dem Planeten. In absoluter Dunkelheit und Kälte könnten Menschen, Tiere und Pflanzen nicht existieren.

Seit Beginn der Menschheit wird dementsprechend das Licht als etwas Göttliches verehrt und mystifiziert. In den frühen Hochkulturen hielt man zu Ehren des Auf- und Untergehens der Sonne kultische Rituale ab, schuf Legenden rund um Sonnengötter und ihre tägliche Reise über den Horizont. Die Gestalt des Prometheus gilt in der griechischen Mythologie als ein Urheber der Zivilisation, weil er den Göttern das Feuer stahl und es den Menschen brachte. Und als viele Jahrhunderte später Mythen und Glaube mehr und mehr durch Vernunft, Wissenschaft und technischen Fortschritt ersetzt wurden und die Ratio zum Leitmotiv der westlichen Welt avancierte, sprach man vom Zeitalter der Aufklärung. Davon, dass das Licht der Erkenntnis ein Ende der dunklen Zeiten brachte.

Ganz abgesehen von seiner Bedeutung als metaphorisches Element in der Kultur- und Menschheitsgeschichte, hat das Licht auch sehr konkrete Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Auf Körper, Gemüt und Gesundheit.

Licht prägt unsere inneren Uhren

„Licht und Dunkelheit sind des Menschen wichtigste Zeitgeber“, sagt Dieter Kunz. Er erforscht als Chefarzt der landesweit einzigen Klinik für Schlaf- und Chronomedizin im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin den biologischen Rhythmus des Menschen. Die Chronobiologie beruht auf der Erkenntnis, dass im Körper ein komplexes System aus verschiedenen inneren Uhren ineinandergreift, deren Rhythmus vom Licht oder dessen Abwesenheit geprägt ist. „Wenn diese durcheinanderkommen, spüren wir das. In schwacher Form etwa, wenn wir reisen und einen Jetlag haben. Bei konstanter Störung kommt es zum sogenannten Schichtarbeitersyndrom, das Schlafstörungen hervorruft und zu vielen ernsthaften Erkrankungen wie Herzinfarkt, Depressionen oder Alzheimer führen kann.“

Aufgenommen wird sichtbares Licht – grob gesagt: das Spektrum im Bereich zwischen Infrarot und Ultraviolett – ebenso wie nicht visuelles Licht über das Auge: „Das Auge kommuniziert als einzige Außenstelle direkt mit dem Gehirn. Dabei kommt es nicht nur auf die Stärke der Beleuchtung an, der wir ausgesetzt sind, auch die spektrale Verteilung des Lichts spielt eine Rolle, wenn es darum geht, der inneren Uhr mitzuteilen, wie spät es ist und ob wir Sommer oder Winter haben“, sagt Kunz.

Schummriges Licht in der Bar

Für das moderne Leben ist die Orientierung am Sonnenlicht freilich längst zweitrangig geworden. Spätestens seit ein gewisser Thomas Edison im Jahr 1879 sein Patent mit der Nr. 223.898, genannt „Electric Lamp“, anmeldete, bewegen wir uns zunehmend in Räumen, die von künstlichem Licht erhellt werden. Das erleichtert vieles, hat aber laut dem Chronomediziner auch Schattenseiten: „Die künstliche Beleuchtung, die wir in den vergangenen 130 Jahren erfahren haben, hat mit der spektralen Verteilung, die wir im Tageslicht finden, und mit der Dynamik von morgens bis abends nichts zu tun. Selbst die moderne LED-Beleuchtung, mit der es technisch möglich wäre, Tageslicht nachzustellen, ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Forschung darüber, wie Tageslicht eigentlich wirklich funktioniert und welche Mechanismen wie auf uns wirken, ist noch am Anfang.“ So lassen sich mit unterschiedlichem Kunstlicht – von der gnadenlos grellen Lampe in der Umkleidekabine bis zur schummrigen Barbeleuchtung – zwar Situationen und Stimmungen beeinflussen, die Sonne können wir aber (noch) nicht kopieren.

Kaum noch Dunkelheit vorhanden

Was man bisher aber weiß: Dasselbe Licht, kann je nach Uhrzeit positiv oder negativ auf uns wirken. Vormittags ist ein kaltweißes Licht, das den blauen Himmel nachbildet, gut, weil es aufweckt. Strahlt es abends vor dem Einschlafen aus dem Smartphone oder Tablet, stört es, weil es uns wach hält. Generell gilt zur nächtlichen Stunde die Devise: Je dunkler, desto besser. Dieter Kunz: „Wir sind für die komplette Dunkelheit gebaut. Schon ein bisschen Beleuchtung in der Nacht hat negativen Einfluss auf uns, das zeigen Experimente mit Mäusen.“ Ganz dunkel wird es aber auf der aufgeklärten und gut ausgeleuchteten Erde kaum noch. Experten sprechen deshalb auch, vor allem rund um große Städte, gerne von der zunehmenden Lichtverschmutzung.

Immer schön im Rhythmus bleiben

Entkommen kann man den Tücken des Kunstlichts nur mit Goethe. „Mehr Licht!“ verlangte der ja angeblich noch auf dem Sterbebett mit seinem letzten Atem. Und auch der Chronobiologe rät dazu, möglichst viel Tageslicht zu tanken. Das reiche, damit die innere Uhr trotz elektrischer Beleuchtung in ihrem Rhythmus bleibt.

Sind mehr Sonnenstunden in länger und heißer werdenden Sommern dann nicht eigentlich ein Grund zur Freude? „Mehr Helligkeit führt auf Dauer zu mehr Gesundheit und Leistungsfähigkeit“, sagt Dieter Kunz. „Aber nur, wenn man draußen ist. Aufgrund der großen Hitze verkriechen sich aber schließlich doch wieder alle in Räumen mit Kunstlicht. Dem Klimawandel ist also auch da nichts Positives abzugewinnen.“

>>>Rekorde rund ums Licht

Die älteste immer noch brennende Glühbirne der Welt leuchtet in einer Feuerwehrstation in dem US-amerikanischen Ort Livermore – seit dem 8. Juni 1901.

Das größte Lichterherz der Welt – mit fast 12.500 brennenden Teelichtern – wurde 2013 in Halle an der Saale angezündet.

Die Familie Richards aus dem australischen Canberra hält seit sechs Jahren mit 502.165 Lichtern den Weihnachtsbeleuchtungsweltrekord.

Die größte Taschenlampe der Welt ist vier Meter lang und hat einen Durchmesser von 96 Zentimetern.

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