Fernsehen

Per Quiz zurück in die gute alte Zeit der TV-Unterhaltung

Unschlagbares Kripo-Team: Derrick (Horst Tappert, l.) und Harry Klein (Fritz Wepper) waren Stars auf der ganzen Welt.

Unschlagbares Kripo-Team: Derrick (Horst Tappert, l.) und Harry Klein (Fritz Wepper) waren Stars auf der ganzen Welt.

Foto: dpa

Essen.   Zwei Quiz-Bücher bringen die Fernsehzeit der 50er- bis 70er-Jahre zurück, von Robert Lembkes Schweinderln zu Heinz Schenks blauen Böcken.

Was waren das für Zeiten, in denen noch nicht jeder einen Klotz namens Fernsehapparat in seiner guten Stube stehen hatte, in denen die Bilder noch grobkörnig-schlierig in Schwarzweiß über den Bildschirm flimmerten und immer nur wenige Stunden gesendet wurde? Als man sich noch beim Nachbarn oder in der nächstgelegenen, gutausgestatteten Kneipe versammelte, um die Fritz-Walter-Elf beim Wunder von Bern anzufeuern. Aus heutiger Sicht erscheinen die 50er- und 60er-Jahre ein wenig wie die mediale Steinzeit, aber damals waren Fernsehsendungen noch echte Ereignisse im reizarmen Nachkriegsalltag. Immerhin brauchte man zunächst keine Fernbedienung, weil es eh keine Programme gab, zwischen denen man hätte hin- und her zappen können. Und später dann, in den 70ern mit seinen drei Programmen und Farbe (!), gab es erst nachts den Sendeschluss, auf den das grellbunte Testbild folgte…

„Welches Schweinderl hätten’s gern?“

Wenn Sie nun gerade selig geseufzt haben sollten, die Gedanken zurückwanderten zu durchgefieberten Krimiabenden aus der Feder von Francis Durbridge, zurück zu großer Fernsehunterhaltung mit Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld, zu bissigen Meckereien mit Ekel Alfred und den klug-dreisten Anmerkungen eines Adolf Tegtmeier, dann können sie nun ihren heimeligen Erinnerungen auf die Sprünge helfen. Im Klartext-Verlag sind gerade zwei nostalgische Quiz-Büchlein erschienen, die genau diese Ära der Fernsehunterhaltung zurückholen. Mit „Welches Schweinderl hätten’s gern?“, diesem legendären Zitat von Robert Lembke, ist das „Quiz zur Fernsehgeschichte der ­50er und 60er Jahre“ überschrieben. Und mit dem vermeintlichen Derrick-Zitat „Harry, hol schon mal den Wagen!“ taucht man per Ratespiel in die TV-Seligkeit der 70er-Jahre ein. 444 Fragen liefert jeder dieser Bände – und sie bleiben keine Antworten schuldig.

Wie hieß die Schimpansin bei Daktari?

Aufgeteilt in Themengebiete wie „Kultfiguren“ („Wie hieß die Schimpansin bei Daktari?“), „Polizei und Detektive“ („Auf wie viele Folgen brachte es Erik Ode als Der Kommissar?“) oder „Western und Science Fiction“ („An welchen Ort grenzte Unsere kleine Farm?“, „Wie viele Personen gehörten zur Besatzung des Raumschiffs Enterprise, als es in die unendlichen Weiten aufbrach?“). Selbst um Nachrichten geht es („Wer war ,Mister Tagesschau‘?“). Und sogar das weite Feld „Bildung und Kultur“ wird abgedeckt, obwohl man vor der Erfindung von „arte“ oder „3sat“ dem Fernsehen hier stets besondere Lücken unterstellte.

Als es noch echte Straßenfeger gab

Wer ein wenig eintaucht und sich selbst für halbwegs bewandert hielt, wird schnell die eigenen Wissenslücken entdecken. Wer kann sich etwa noch daran erinnern, dass der „Kli-Kla-Klawitter“-Bus nicht identisch war mit dem „feuerroten Spielmobil“? Man war ja noch ganz klein damals, da kann schon mal etwas durcheinander kommen.

Dass sich zu den großen Ereignissen oder den „Straßenfegern“ die ganze Familie rund um den Fernseher versammelte, praktisch als Lagerfeuer-Ersatz, war damals ganz selbstverständlich. Und das Gemeinschaftserlebnis weitete sich bis auf den nächsten Tag aus, wenn man auf dem Schulhof oder am Arbeitsplatz mit den anderen anschließend darüber reden konnte, was man am Vorabend gesehen hatte – die Auswahl war ja nicht so groß. So stiftete die eine leuchtende Mattscheibe der halben Nation ein bisschen an Identität.

Jetzt kommt der Hustinettenbär

Dass übrigens die Fernsehwerbung durch ständige Wiederholung verheerende Auswirkungen auf die Hirne ihrer Betrachter hatte, nimmt man vielleicht heute nicht mehr bewusst wahr. Aber blättern Sie mal durchs Kapitel „Unvergessliche Werbung“, dann fängt das Ohrwurm-Zentrum im Kopf plötzlich zu klingeln an. „Shaaaamtuu Shampoo bringt Spannkraft ins Haar“, „Nehmt den Husten nicht so schwer, jetzt kommt der Hustinettenbär“ und „Komm, Brüderchen, trink…“, das alles löst eine Menge verschüttetes Erinnerungsgeröll. Allein dieses Gebiet ist, wenn man’s so sagen darf, „schon einen Asbach Uralt wert.“

Zwischen Rockford und Petrocelli

Beide Bändchen eignen sich ganz hervorragend für launige Quizabende daheim, und ganz ohne Zuhilfenahme von Google und Wikipedia klimbimt da auf einmal so einiges im Hinterkopf, das ist kein „Nonstop Nonsens“.

Und auch der Fernseher kann an einem solchen Abend getrost mal ausgeschaltet bleiben, denn wer braucht schon die Flimmerkiste, wenn schon die Erwähnung der guten, alten Fernsehzeit so hübsche, nostalgische Bilder im Kopf erzeugt… Oder aber: Man beginnt, die Mediatheken zu durchstöbern und nach „Rockford“, „Petrocelli“ oder der „Raumpatrouille“ als Konserven zu fahnden.

  • Ulrich Homann/Achim Nöllenheidt: „Welches Schweinderl hätten’s denn gern?“ und „Harry, hol schon mal den Wagen!“ Klartext-Verlag, je 176 Seiten, 16,96€, klartext-verlag.de

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