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Wie Norbert Zajac zum größten Zoofachhändler der Welt wurde

Der größte Zootierfachhändler der Welt: Norbert Zajac in seinem Geschäft in Duisburg-Neumühl.

Der größte Zootierfachhändler der Welt: Norbert Zajac in seinem Geschäft in Duisburg-Neumühl.

Foto: Kathrin Hänig

Duisburg.  Vom Wellensittich bis zum Wal: Wie Norbert Zajac zum größten Zoofachhändler der Welt wurde – und zum YouTube-Star.

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Er hat eigene Autogrammkarten, Kunden bitten um Selfies mit ihm und jetzt ist sein Leben sogar ein Buch. Ziemlich ungewöhnlich für einen Ladenbesitzer. Aber es illustriert die Erfolgsgeschichte des „Unternehmers des Jahres 2010“, der schon als Kind seinen Traum vom eigenen Tierreich lebte.

Wie Norbert Zajac (65) zu dem 12.000-Quadratmeter-Imperium kam, dem größten Zoofachhandel der Erde, erzählt der Duisburger auf 222 Seiten in „Geschichten aus Norberts Welt“.

Wie alles begann

Schon sein Vater brachte Norbert und seinem Bruder Wolfgang bei, wie man sich um Lebewesen kümmert. Der Vater liebte Pflanzen, säte und pflegte sie im heimischen Garten. Die Jungen hielten Wellensittiche, Meerschweinchen, Schildkröten und sogar Blindschleichen. Zajac erzählt: „Mein Bruder und ich fingen auch mal Eidechsen und fütterten die dann.“ Vater Zajac hatte ein Credo: „Ihr dürft alles halten, was ihr wollt, aber wenn auch nur ein einziges Tier wegen eurer Vernachlässigung stirbt, dann schaffe ich alle komplett ab.“ Das beherzigte Norbert Zajac. „Unsere Zöglinge waren unser Heiligtum.“

In einem Teich im Wald fingen die Zajac-Brüder Molche und nahmen sie mit in den heimischen Teich, um sie dort zu züchten. So kam Bruder Wolfgang Zajac zu seinem Spitznamen „Lurchi“. Noch heute hält er über 30 verschiedene Arten zuhause.

Norbert selbst machte sich schon mit 13 Jahren und 200 Wellensittichen einen Namen als anerkannter Sittich- und Papageienzüchter – offiziell ist ab 14 erlaubt. Doch vom Amtsveterinär gab es die Sondergenehmigung, weil der Junge bei den Prüfungen ein enormes Fachwissen vorweisen konnte.

Geschäftssinn früh ausgeprägt

Der Geschäftssinn war nicht minder ausgeprägt: Ein Wellensittich kostete damals vier Mark. Doch Zajac züchtete die Vögel in ausgefallenen Farben und begann mit einer versetzen Brutsaison. Denn eigentlich brüten Wellensittiche im Frühjahr und Sommer, so dass es im Winter keine Jungtiere gab. Genau dann stieg stets die Nachfrage. Also nahm Zajac seinen Vögeln die Nistkästen im Sommer weg, baute sie in der dunklen Jahreszeit wieder auf – und bot die Wintersittiche für zehn Mark an...

Schließlich kamen irgendwann zwei Kaimane bei den Zajacs ins Haus, weil eine Zoohandlung aus Essen die verkaufte und Norbert Zajac unbedingt zwei haben wollte. Einer lebte mit einer Schildkröte lange in der Familie und durfte immer wieder in der Badewanne seine Runden drehen. Vögel und Krokos sind noch heute die Stars in Norberts Zoo.

Das penetrante Geduze ist Norbert-hier-Norbert-da übrigens selbst etwas befremdlich. Aber durch die TV-Dokus wurde das zum Selbstläufer und den Rest erledigt das Internet: Mittlerweile ist der Mann auch ein YouTube-Star. „Norberts Welt“ folgen über 150.000 Menschen, seine Videos veröffentlicht er wöchentlich. „Das ist modernes Marketing!“

Die Handlung ist einfach: Den Praktikanten Jimmy, selbst schon kult, trifft er immer bei einem anderen Tier und erzählt dessen Geschichte. Mal geht es um das ausgebüchste Faultier Frieda, das hier schon zum Inventar gehört, mal um den Rotfeuerfisch, „weil das Gift von dem Fisch so brennt wie Feuer. Wegen dem bin ich in einer Nacht dreimal gestorben. Aber mich haben auch schon Krokodile und Giftschlangen gebissen und für jede Narbe kann ich eine Geschichte erzählen.“

In einer anderen Folge besuchen sie neue tödliche „Ware“: Vogelspinnen, die in ein Terrarium einziehen sollen... Zajac zum Praktikanten: „Langsam über die Hand reinlaufen lassen ins Becken, nicht so zappeln, und alles ist gut – zumindest für die Spinne!“ Die Ruhrpottschnauze des gebürtigen Gelsenkircheners allein ist Comedypreis-verdächtig. „Mit meinen Storys geh‘ ich demnächst auf die Bühne!“

Der Branchen-Dino ist im Rentenalter, denkst aber noch nicht ans Aussterben

Zajac ist mit seinen 65 Jahren im guten Rentenalter, doch ans Aussterben denkt der selbst ernannte Branchen-Dinosaurier noch lange nicht. „Warum sollte ich aufhören? Das ist ja hier auch mein Hobby. Solange ich gesund bin und kann, bin ich im Laden bei meinen Tieren.“

Außerdem hat er Pläne für die Zukunft, ist doch klar. Auf dem Außengelände soll ein großer überdachter Teich entstehen sowie eine begehbare große Voliere für 300 Großsittiche – so schließt sich der Kreis zu seinen Anfängen. Außerdem will er den Vortragsraum in der Aquaristik umbauen. „Heute geht jeder auf YouTube oder so ins Netz, wenn er sich informieren will. Vorträge sind out“, sagt Zajac. Deshalb soll in dem Raum ein ganz spezielles Becken entstehen. An der Decke schwebend. Mit 200 Kubikmetern Wasser. Und darin sollen Rochen schwimmen.

Klingt absurd? Ist es aber nicht: Norbert Zajac ist europaweit der einzige, der eine Lizenz hat, „mit der darf ich alle Tiere dieser Welt handeln“. Theoretisch sogar Wale. Für einen wie ihn, der nach der Giftfisch-Attacke das Sterbezimmer durch den Vordereingang verlassen hat, um schnurstracks zur Firmen-Weihnachtsfeier zu eilen („Da darf der Gastgeber doch nicht fehlen!“), sind das alles kleine Fische.

Grandiositäten-Kabinett

Cool wie Permafrost, siegessicher wie ein Krokodil in der Nilschwemme – so beschreibt sich Zajac selbst in den „Geschichten aus Norberts Welt“. Kein Wunder, wird er demnach doch „von Taiwan bis Thailand verehrt wie ein Heiliger“. Bruder Wolfgang nennt ihn den „Indianer Jones aus dem Ruhrpott“, seine Frau Jutta findet die Biografie ihres Mannes „eine Grand Tour durchs Grandiositäten-Kabinett“. Zajacs Dank gilt neben der Familie Co-Autorin Mirja Hiltrop, die gleichzeitig seine Ernährungsberaterin wurde. Auch seinen Fressfeinden, die ihn beispielsweise für den Verkauf von Hunde-Welpen kritisieren, schreibt er etwas ins Stammbuch: „Sie haben mich immer wieder angespornt, noch mehr Gas zu geben, und mein Durchhaltevermögen trainiert.“ Wer den launigen „Treffpunkt der Tierfreunde“ lesen will: 19,99 Euro im Geschäft oder zajac.de.

Dies ist ein Artikel aus der digitalen Sonntagszeitung.

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