Kunstbegeisterte haben am kommenden Sonntag um 11 Uhr die Möglichkeit, dem Sound von Hamminkeln nachzuspüren. In einer Matinee werden die Kölner Klang- und Medienkünstlerin Therese Schuleit und die Künstlerinnengruppe „Loom of a 3“ ihre Arbeiten vorstellen. Sie hatten sich im vergangenen Jahr für das Ringenberg-Stipendium qualifiziert.

Schuleit wird in den Räumen des Schlosses und im Garten ihre sogenannten Stadtwaben aufstellen. Das sind kleine hölzerne Lautsprecherboxen, die wiedergeben sollen, was die Stipendiatin im vergangenen Jahr in den sieben Dörfern „aufgeschnappt“ hat – Klänge und Geräusche, aber auch Gespräche, die sie in den Ortsteilen geführt hat, um sich auf diese Weise der Stadt zu nähern.

Was kein leichtes Unterfangen war, wenn man sich vorher nicht kannte und sich in Pandemiezeiten nur auf 1,50 Meter annähern durfte. Und das auch nur mit Maske. Flüstern beispielsweise war da nicht möglich. Schuleit hat die Ergebnisse aufgezeichnet, gemischt und zu einer Soundcollage verwoben, die ab Sonntag eine Woche lang im Schloss zu hören sein wird. „Eine auditive topographische Landschaft der Ortschaft, geknüpft aus Geschichten ihrer Bewohner und Bewohnerinnen“, nennt sie das. Hamminkeln darf gespannt sein, ob es sich darin wiederfindet.

Der Sound von Setex in Dingden

Das Prozedere

Die Ergebnisse des Ringenberg-Stipendiums 2020 werden am Sonntag, den 22. August um 11 Uhr auf einer Matinee auf Schloß Ringenberg erstmals vorgestellt. Sie sind außerdem bis zum 29. August täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen, und abends auch nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung für die Matinee wird bis zum 20. August unter 02852/9229 oder info@meinschlossringenberg.de gebeten. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Teilnahme ist nur mit einem Nachweis über eines der drei G möglich – genesen, geimpft, getestet.

Während es Schuleit um den gesamten Ort ging, haben sich die drei Klangforscherinnen Echo Ho, Frauke Berg und Anja Lautermann vor allem mit der Textilfirma Setex in Dingden beschäftigt. Sie haben dort tagelang den Produktionsprozess begleitet und die Geräusche der Webstühle aufgenommen. Deren Klänge werden eine der Grundlagen einer gut halbstündigen Performance im Wappensaal bilden, die in der Matinee erstmals vorgestellt wird.

Eine weitere Basis der Arbeit wird – als Hommage an das Ringenberger Barock-Schloss - Barockmusik beispielsweise von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen sein, die jedoch sehr stark bearbeitet wurde und kaum noch zu erkennen ist. Das dritte Element ist die menschliche Stimme, ebenfalls mit dem Computer bearbeitet und auf Schallplatte gepresst. Die Klänge werden dann auf drei Plattenspielern gleichzeitig abgespielt.

Live-Performance unter Stoffbahnen

Die Stimmkünstlerin Bettina Wenzel wird sie durch menschliche Laute ergänzen. Stoffbahnen und Gestricktes aus dem Hause Setex werden dazu im Wappensaal drapiert und die Künstlerinnen wollen das Ganze mit einer Live-Performance vervollständigen, die sie im Laufe dieser Woche erarbeiten werden. Damit wollen sie auf parallele Wirklichkeiten hinweisen, die sonst nicht unbedingt bewusst werden, erläutert Anja Lautermann: „Dinge sind nicht so oder so, sondern so und so.“ Sie zeigen ihre Perspektive, und das Publikum bildet sich seine eigene, das wünschen sich zumindest die Künstlerinnen.