- Spektakulärer Fund in Borken: Archäologen legen im historischen Stadtkern massive Fundamentreste der mittelalterlichen Klosterkirche Marienbrink aus dem 15. Jahrhundert frei.
- Neben der Kirche treten zudem ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg sowie mittelalterliche Siedlungsspuren zutage.
- Die Entdeckungen sind das Resultat archäologischer Pflichtuntersuchungen im Vorfeld des geplanten Neubaus eines Gesundheitszentrums.
Im historischen Stadtkern von Borken haben archäologische Untersuchungen bemerkenswerte Funde zutage gebracht: Im Bereich des geplanten Quartiers „Brinkerhof“, wo ein neues Gesundheitszentrum sowie ein Neubau für den Caritasverband Borken entstehen sollen, stießen Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und eine archäologische Fachfirma auf vielschichtige Überreste aus mehreren Jahrhunderten – darunter massive Fundamentreste der ehemaligen Kirche des Klosters Marienbrink aus dem 15. Jahrhundert. Das gab der Verband in einer Mitteilung bekannt.

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Bereits im Jahr 2024 führten Experten der LWL-Archäologie für Westfalen südlich der Caritas-Gebäude erste Sondierungen und geophysikalische Messungen durch. „Hierbei stießen wir zum ersten Mal auf Überreste der ehemaligen Klosterkirche, die im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt“, erklärt Dr. Andreas Wunschel von der LWL-Archäologie für Westfalen. Teile der West- und Südwand wurden dokumentiert und vermessen.

Ausgrabungen in NRW: Fundament der Kirche gut erhalten
Ende 2025 lieferten weitere Grabungsarbeiten der beteiligten Fachfirma zusätzliche Erkenntnisse. „Die Fundamente der Kirche sind in Teilen außergewöhnlich gut erhalten. Wir konnten eine bis zu 1,25 Meter breite Außenmauer mit einer Fundamenthöhe von rund 1,60 Metern nachweisen“, erläutert Grabungsleiter Dr. Ulrich Holtfester. Die Mauern bestehen aus rotem Backstein mit Kalkmörtel und lagen teils unter mächtigen Schuttschichten verborgen.
Neben den mittelalterlichen Funden wurde südwestlich der Klosterkirche bereits 2024 ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Nach ersten Einschätzungen nimmt dieser ein größeres Areal ein.
Funde in Borken: Was sie bedeuten
Auch im Bereich einer geplanten Tiefgaragenzufahrt wurden zwischen Oktober und November 2025 in zwei Schnitten die Gartenflächen untersucht. Die Archäologen dokumentierten verfüllte Keller der Altbebauung, eine Tierkadavergrube sowie Gruben und Pfostenlöcher aus der frühen Neuzeit. Das geborgene Keramikmaterial reicht vom ausgehenden Hochmittelalter bis in die Neuzeit.
„Im historischen Stadtkern von Borken ist grundsätzlich von einer hervorragenden und tiefreichenden Befunderhaltung mit komplexer Stratigraphie auszugehen“, betont LWL-Archäologe Wunschel. Die Befunde belegen eine kontinuierliche, dichte Besiedlung dieses Bereichs über viele Jahrhunderte.

Kloster Marienbrink, Synagoge und jüdisches Erbe
Dem ehemaligen Kloster Marienbrink kommt eine besondere historische Bedeutung zu. Seine Ursprünge reichen bis in das Spätmittelalter zurück. Nach der Aufhebung des Klosters im frühen 19. Jahrhundert wurde die Kirche abgebrochen. Ab 1818 befand sich an diesem Ort eine Synagoge mit angeschlossener Schule und Mikwe – einem jüdischen Tauchbad. Teile der früheren Klosteranlage wurden dafür nachgenutzt. Während der Novemberpogrome 1938 kam es zu schweren Zerstörungen, 1939 wurde die Synagoge abgerissen.
Im Zuge der aktuellen archäologischen Arbeiten konnten jedoch keine Befunde aufgedeckt werden, die eindeutig mit der Synagoge oder der Mikwe in Verbindung zu bringen wären. In und um die ehemalige Klosterkirche rechnen die Fachleute zudem mit Grablegen im Untergrund – ein weiterer Grund für die sorgfältige archäologische Begleitung des Bauprojekts.
Ausgrabungen in Borken/NRW: Die wichtigsten Informationen im Überblick:
- Fundort: Quartier „Brinkerhof“ im historischen Stadtkern von Borken (NRW)
- Hauptfund: Fundamentreste der Klosterkirche des Klosters Marienbrink aus dem 15. Jahrhundert und Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg südwestlich der Kirche
- Anlass: Geplanter Neubau eines Gesundheitszentrums und Caritasverbands-Neubau




