Ähnlich wie Luxus-Uhren von Rolex oder Patek Philippe oder hochwertiger Schmuck bieten Designerhandtaschen Sammlern und Investoren die Möglichkeit, in Vermögenswerte zu investieren, die sich durch Greifbarkeit, Exklusivität, Qualität und zeitloses Design auszeichnen. Handtaschen, vor allem die begehrten und ikonischen Modelle aus den Häusern Chanel, Hermès oder Louis Vuitton, sind mittlerweile mehr als nur ein modisches Statement.

Einige Modelle sind durch ihren Kultstatus zu Wertanlagen und Sammelobjekten geworden – wenn man sie richtig auswählt und pflegt, steigen sie enorm im Wert. Nimmt man sie als Investitionsobjekte ernst, bedarf es aber einer ähnlichen Beharrlichkeit, Ausdauer und Fachwissen wie bei anderen Anlageformen.

Luxus-Handtaschen als Wertanlage

Es ist insgesamt beliebter geworden, in alternative Vermögenswerte zu investieren – und dies schließt auch den Kauf von Luxus-Handtaschen mit ein. Hinzukommen ein wachsender Nachhaltigkeitsgedanke und der Wunsch, „bewusst“ zu konsumieren, was Second-Hand-Käufe begünstigt. Professionelle „Baghunter“, also Taschenjäger, halten nach den begehrten Modellen Ausschau, um sie weiterverkaufen zu können.

Designerhandtaschen gehören zu den wenigen Luxusgütern, deren Wert nicht nur stabil bleibt, sondern oftmals steigt. Besonders Marken wie Hermès und Chanel haben in den letzten Jahren massive Wertsteigerungen erzielt, teilweise mit Renditen, deren Entwicklung laut Wall Street Journal besser ist als die des MSCI World ETFs (Investmentfonds, der – wie eine Aktie – an Börsen gehandelt wird), der von Februar 2019 bis Februar 2022 um etwa 52 Prozent stieg. Im Lauf der Zeit legen manche Modelle um 2000 bis 3000 Euro im Vergleich zum Originalpreis zu. Seltene Farben und limitierte Kollektionen können kurzfristig sogar noch höher klettern.

Der Grund dafür ist, dass sie nicht nur handwerkliche Kunstwerke sind, sondern auch zu begehrten Sammlerstücken mit limitierten Produktionszahlen und ikonischem Status geworden sind – befeuert durch ihre Präsentationen auf Social Media und in der Popkultur. Hinzu kommen kontinuierliche Preissteigerungen der Luxusmarken selbst (häufig mehrmals im Jahr), was den Wiederverkaufswert weiter fördert. Die „Speedy“ von Louis Vuitton etwa, die 1980 für umgerechnet rund 130 Euro auf den Markt kam, kostet heute bis zu 900 Euro – eine Preissteigerung von 660 Prozent. Noch stärker ist die Chanel „Medium Classic Flap“ im Wert gestiegen: Bei ihrer Markteinführung 1955 kostete sie 180 Euro, heute bekommt man sie für 6500 Euro, das bedeutet eine Preissteigerung von 3400 Prozent, wie unter www.diamondsfactory.de anschaulich gezeigt wird.

Besonders spektakulär ist die „Birkin Bag“ von Hermès, die als die begehrteste Handtasche zählt und 2017 den Rekord als teuerste jemals verkaufte Tasche gebrochen hat: Sie wurde für 350.000 Euro bei Christie’s versteigert. Besonders macht sie, dass sie aus Krokodilleder gefertigt und mit Diamanten und Weißgold besetzt ist. Den Tierschutzgedanken lässt man also wegen der verwendeten Lederarten besser außer Acht.

Erschwinglicher sind Fendi, Prada, Saint Laurent oder Gucci, wobei deren Modelle häufig eher wertstabil und nicht wertsteigernd sind. Nicht jede Handtasche wird zum Investment-Case und man sollte auf einige Punkte achten, bevor man losshoppt.

Welche Tasche sollte man kaufen?

Der erste Punkt, den man beachten sollte, ist die Auswahl der Marke, des Modells und der Taschengröße, denn es gibt einige zeitlose Klassiker, die kontinuierlich im Preis steigen. Darunter die Modelle „Birkin Bag“ und „Kelly Bag“ von Hermès, die an die monegassische Fürstin Grace Kelly und die Schauspielerin und Modestar Jane Birkin erinnern. Große Namen wie Victoria Beckham oder Lady Gaga sind bekennende Fans der „Birkin Bag“. Gerade Hermès zählt zu den Favoriten in der Wertsteigerung, da es einige Hürden gibt, um dort überhaupt Kunde werden zu können.

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Welche Farbe? Welche Form? Wer in Luxus-Handtaschen investieren möchte, muss den eigenen Geschmack außen vor lassen.© Getty Images/iStockphoto | MoustacheGirl

Klassiker aus dem Haus Chanel sind die „Classic Flap Bag“ oder die „2.55“ (vor allem die limitierten Editionen), deren Design noch von Gabrielle „Coco“ Chanel 1955 festgelegt wurde und das Chanel-typische Muster aus Steppnähten hat. Bei Louis Vuitton gilt die „Neverfull“ als beliebte Erstanschaffung, daneben sind die „Speedy“ und Gucci Vintage-Taschen limitierter Kollektionen gute Wertanlagen, wie die Vogue bestätigt.

Nach der Ankündigung des Films „House of Gucci“ (2021) mit den Stars Lady Gaga, Al Pacino und Salma Hayek steigerten sich die Suchanfragen bei Gucci-Handtaschen um über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – darum sollte man nicht nur auf Modetrends achten, sondern die Popkultur und Social Media im Auge behalten. Besonders gefragt sind Vintage-Modelle, also Designs, die älter als 25 Jahre sind. Wer es cruelty-free will und auf (Exoten-)Leder verzichten möchte, sollte bei Prada schauen. Bei der neuaufgelegten Nylon-Tasche im Design der 2000er-Jahre „Prada Re-Nylon“ wird nachhaltig produziertes Nylon verwendet. Da gerade diese Zeit derzeit wieder modisch angesagt ist, erleben die Handtaschenmodelle aus den frühen 2000ern ein Comeback. Ein Beispiel ist die vielseitig tragbare „Baguette“ von Fendi – die Lieblingstasche der New Yorker Stilikone Carry Bradshaw (Sarah Jessica Parker) aus der Serie „Sex in the City“.

Vom richtigen Zeitpunkt und der passenden Farbe

Vor einem Kauf als Wertanlage sollte man sich erkundigen, welche Marken und Modelle hoch gehandelt werden und den eigenen Modegeschmack zur Seite stellen. Vor allem zeitlose Farben wie Schwarz, Dunkelblau und Gold können wertstabiler als andere Farbgebungen sein, die schneller aus der Mode kommen – aber auch hier gibt es Ausnahmen, wenn es sich um limitierte Editionen oder Kollaborationen mit bekannten Künstlern handelt. Gerade bei solchen limitierten Editionen können der richtige Kauf- und Verkaufszeitpunkt entscheidend sein, denn besonders gefragt sind Handtaschen, kurz nachdem eine Kollektion ausverkauft ist oder ein Designerwechsel stattfindet. Bei manchen Modellen sollte man kaufen und schnell wieder verkaufen, um möglichst viel aus einem Investment zu ziehen. Was zählt sind die Marke, Qualität, Exklusivität und Seltenheit, das Design und den Einfluss der sozialen Medien und der Popkultur.

Neben diesen Kriterien ist zudem der Zustand der Tasche von Bedeutung: Möglichst neuwertig, ohne Fehler und Gebrauchsspuren sollte sie sein. Dazu gehören immer Originalverpackungen, der Staubschutzbeutel, Kaufbelege und ein Echtheitszertifikat. Wer sein Invest tragen möchte, sollte vorsichtig mit ihm umgehen. Aber Spaß sollte Mode auf jeden Fall machen.

Absicherung durch Authentizität

Vor allem wenn man gebraucht kauft, sollte man darauf achten, dass eine Echtheitsprüfung vorliegt, denn es werden unzählige Fälschungen angeboten. Wichtig ist es, bei einem autorisierten Händler zuzuschlagen oder Plattformen zu nutzen, die solche Echtheitsgarantien anbieten. Einfach in eine Hermès-Boutique zu gehen und eine der begehrten Taschen neu zu kaufen, wird dennoch nicht klappen: Zuerst muss man ein anerkannter Kunde werden, dort mehrmals teuer einkaufen, bevor man überhaupt auf die Warteliste für eine Tasche gesetzt wird. Ähnlich ist es auch bei den anderen großen Häusern. Will man eine Reihe an Taschen kaufen und verkaufen lohnt es sich, ein vertrauenswürdiges Netzwerk aufzubauen. Viele Verkäuferinnen wollen aus Angst vor Diebstählen ihre Privatsphäre schützen und geben ihre Taschen darum lieber an professionelle Händler und Baghunter, verkaufen seltener privat.

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Hier ist der Luxus zu Hause.© Getty Images/iStockphoto | helloabc

Den Wert langfristig sichern

Damit die Tasche über Jahre hinweg ihren Glanz und damit Wert behält, sind regelmäßige Pflege und die richtige Lagerung wichtig. Sie (und auch die Originalverpackung) sollte vor Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert und regelmäßig mit geeigneten Pflegeprodukten gereinigt werden. Im Schrank eher unten oder, wenn man eine Fußbodenheizung hat, mittig lagern. Für den Wiederverkauf ist eine detaillierte Auflistung der Kaufhistorie (einschließlich der Belege) entscheidend. 

Eine Investition mit Stil

Als Wertanlage eignen sich Taschen von Hermès, Chanel und Louis Vuitton, vor allem die Modelle „Birkin“ und „Kelly“ von Hermès, die „2.55“ und die „Flap Bag“ von Chanel und die „Speedy“ von Louis Vuitton. Dazu limitierte und gut erhaltene Vintage-Designertaschen, wenn man eine Wertsteigerung erzielen möchte. Gucci und Prada sind wertstabile und oftmals günstigere Anlageobjekte, Prada bietet eine tier- und umweltfreundliche Alternative mit der „(Re-)Nylon“.

Designerhandtaschen sind mehr als nur modische Begleiter. Sie verbinden Luxus, Stil und Wertstabilität. Aber wie bei allen Investments gilt: sich gut informieren und nichts überstürzen. Der wahre Luxus ist es, die richtige Wahl zu treffen.