Manches Badezimmer gleicht einem Chemielabor. Unzählige Tiegel, Tuben, Fläschchen und Ampullen mit scheinbar hochwirksamen Substanzen nähren die Hoffnung auf ewige Jugend und sollen dem Alterungsprozess der Haut Einhalt gebieten. Morgens und abends wird Schicht um Schicht ab- und wieder aufgetragen. Schließlich soll viel auch viel helfen. Doch tun wir unserer Haut damit wirklich etwas Gutes? Die Verfechter des Skinimalism propagieren: weniger ist mehr!

Was ist Skinimalism?

Der Begriff „Skinimalism“ setzt sich aus den beiden englischen Wörtern für Haut („skin“) und Minimalismus („minimalism“) zusammen und beschreibt in der Kosmetik die Konzentration auf das drei Bereiche: Reinigung, Feuchtigkeit, Sonnenschutz. Anders als bei aufwendigen Pflegeroutinen geht es darum, die Hautpflege auf das Wesentliche zu reduzieren. Der Fokus liegt auf der natürlichen Hautgesundheit, anstatt die Haut mit vielen Produkten und schwerem Make-up zu überladen und zu reizen.

Dabei setzt dieser Trend auf die bewusste Auswahl der Pflegeprodukte nach dem Prinzip der „Clean Beauty“: Statt einer Vielzahl an Inhaltsstoffen setzt man auf wenige, aber essenzielle Wirkstoffe und verzichtet auf unnötige Zusatzstoffe, die die Haut reizen. Die Haut kann im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen, die Hautbarriere wird gestärkt, wodurch sich das Hautbild verbessert. Skinimalism fördert nicht nur die natürliche Hautgesundheit, sondern verursacht durch die Reduzierung auf wenige Produkte auch weniger Abfall und leistet somit einen Beitrag zum Umweltschutz. Zu den typischen Merkmalen reifer Haut zählen Falten, Elastizitätsverlust, ungleichmäßige Pigmentierung und langsamere Hautregeneration. Eine gute Hautpflege unterstützt die Haut dabei, gesund und elastisch zu bleiben und versorgt sie mit ausreichend Feuchtigkeit. Skinimalism reduziert die Hautpflege auf drei entscheidende Schritte: Reinigung, Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz.

Reinigung: sanft, aber gründlich

Eine sanfte, aber effektive Reinigung entfernt Schmutz, überschüssigen Talg, Make-up und Umweltverschmutzungen, die sich im Laufe des Tages in den Poren ansammeln, ohne die Haut zu reizen und sie auszutrocknen. Seifenfreie Reiniger basieren auf Tensiden und ermöglichen eine milde Reinigung, da sie einen niedrigeren pH-Wert zwischen 5,5 und 7 haben, der dem der Haut ähnlich ist. Bei Tensiden handelt es sich um Moleküle, die aus einem hydrophoben (wasserabweisenden) Teil und einem hydrophilen (wasserliebenden) Teil bestehen. Durch diese Struktur können Tenside Schmutzpartikel wie Öl, Talg oder Make-up einschließen und dann mit Wasser abgewaschen werden. Grundsätzlich sind Tenside nicht schlecht. Für eine sensible Haut können milde Tenside von Vorteil sein. Auch die Umwelt profitiert, wenn Tenside pflanzlich oder biologisch abbaubar sind.

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Feuchtigkeitspflege unterstützt die Haut aktiv dabei, ihre wichtige Schutzfunktion aufrechtzuerhalten und verbessert so das Hautbild.© Getty Images | svetikd

Feuchtigkeitspflege: Schutz und Regeneration für die Haut

Nach einer gründlichen Reinigung unterstützt eine Feuchtigkeitspflege die Haut aktiv dabei, ihre wichtige Schutzfunktion aufrechtzuerhalten, sorgt für eine glatte und weiche Haut und verbessert das Hautbild. Sie dient auch als Träger für Inhaltsstoffe wie Vitamine, pflanzliche Antioxidantien, Peptide und pflanzliche Entzündungshemmer. Eine gute Feuchtigkeitspflege stärkt die Hautschutzbarriere, speichert Feuchtigkeit in der Haut und schützt vor Austrocknung. Ist die Hautbarriere bereits geschädigt und äußert sich durch Anzeichen wie Trockenheit und Entzündungen, ist eine reine Feuchtigkeitspflege jedoch nicht ausreichend. In diesem Fall sollte man sich für eine reichhaltigere Textur entscheiden, die die Haut beruhigt, entzündungshemmend und regenerativ wirkt. Der Fokus liegt auf Inhaltsstoffen, die die natürlichen Bestandteile der Haut nachahmen oder ergänzen. Dazu gehören Ceramide, die für den Aufbau der Lipidmatrix sorgen, die Feuchtigkeit einschließt und vor externen Reizstoffen schützt. Hyaluronsäure ist ein starker Feuchtigkeitsbinder, der hilft, den Wassergehalt in der Epidermis zu erhöhen. Niacinamid kann die Ceramidproduktion in der Haut anregen und wirkt beruhigend. Fettsäuren und Cholesterin helfen, die Lipidstruktur zu ergänzen. Glycerin zieht Feuchtigkeit an und bindet sie.

Unverzichtbar: Sonnenschutz für gesunde Haut

Sonnenschutzmittel schützen vor UV-Strahlung, die maßgeblich zur Hautalterung beiträgt und das Risiko für Sonnenbrand und Hautkrebs erhöht. Sonnenschutz ist daher auch in der Skinimalism-Pflegeroutine essenziell. Enthält die Gesichtscreme keinen Lichtschutzfaktor (LSF), sollte ein separates Sonnenschutzprodukt aufgetragen werden. Der entsprechende Lichtschutzfaktor ist von der Jahreszeit, dem Hauttyp und der Dauer des Aufenthalts im Freien abhängig. Empfohlen wird ein LSF von mindestens 30.

Optionale Ergänzungen zu den drei Basics

Wer zu öliger Haut neigt, kann von Zeit zu Zeit ein mildes Peeling – zum Beispiel ein Enzympeeling ohne grobe Partikel – zur porentiefen Reinigung verwenden. Seren können eine minimalistische Hautpflegeroutine sinnvoll ergänzen. Sie liefern hochkonzentrierte Wirkstoffe wie Vitamine oder Hyaluronsäure, ohne die Haut mit überflüssigen pflegenden Inhaltsstoffen zu belasten. Nährstoffe wie die Vitamine A und E, Retinol und Zink spielen eine wichtige Rolle für eine gesunde Haut. Entscheidend ist, immer auf die Signale der Haut zu achten und die Pflegeprodukte auf die individuellen Bedürfnisse anzupassen.