Eigentlich ist ja alles nur Kohlenstoff. Genauer: die kristalline Modifikation des Elements, bei dem jedes Atom in einer regelmäßigen Tetraederstruktur (dreiseitige Pyramide) mit seinen Nachbarn verbunden ist. Dieses Diamantgitter sorgt dafür, dass die Steine extrem hart sind und bestimmt die Richtung, in der sie geschliffen werden können.
Doch die Faszination der Edelsteine geht von ganz anderen Dingen aus. Da ist ihre Seltenheit: Nach Angaben des belgischen Diamantenhändlers BNT findet man in 60 Tonnen Gestein nur ein Karat Diamanten – das sind 0,2 Gramm. Da ist ihr Preis: Je nach Qualität kostet ein einziges Karat zwischen 5.000 und 20.000 Euro. Und da ist ihr einzigartiges Feuer und dieses unvergleichliche Funkeln. All das macht sie einem absoluten Luxusgut.
Der größte: Cullinan
Laut Guinness World Records ist er der größte jemals gefundene Rohdiamant: Der Cullinan, benannt nach dem Bergwerksbesitzer, in dessen Mine im südafrikanischen Pretoria der 3106,75 Karat schwere Rohedelstein am 26. Januar 1905 entdeckt wurde. Erstaunlich: Wo sonst oft Hunderte von Metern in die Tiefe gebuddelt wird, lag der Cullinan gerade mal neun Meter tief. Als Gegenleistung dafür, dass der König der britischen Kolonie Transvaal die Eigenständigkeit garantierte, machte man Edward VII. den riesigen Stein im November 1907 zum Geschenk.
Der Cullinan wurde in 106 (andere Quellen sagen: 105) einzelne Steine gespalten und geschliffen. Die neun größten – allein der Cullinan I wiegt über 530 Karat (also gut 106 Gramm) – liegen heute als Teil der britischen Kronjuwelen unter strengster Bewachung im Tower of London. Der Wert lässt sich allenfalls schätzen: Der „große Stern von Afrika“, wie das größte Exemplar auch genannt wird, könnte allein bis zu 400 Millionen Euro einbringen.
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Eine ganz eigene Geschichte ist der Transport des legendären Steins nach England. Laut dem „Book of Diamonds“ von Joan Younger Dickinson wurden Gerüchte gestreut, dass der vermeintliche Super-Diamant unter strengster Bewachung auf einem Dampfschiff der Royal Navy ins Königreich transportiert werde. In Wahrheit aber war die Überführung nur ein Fake und der vermeintliche Super-Diamant eine Kopie. Das Original soll per Post nach England gegangen sein – als gewöhnliches Einschreiben in einem unscheinbaren Karton.

Der sagenumwobene: Koh-i-Noor
Der Name stammt aus dem Persischen und bedeutet: Berg des Lichts. Schon die Götter der Hindus sollen sich um den Brillanten gestritten haben, der erstmals 1304 in den Quellen erwähnt wird: Der indische Sultan Ala du-Din Khalji soll ihn dem Khan von Malwa (Nordindien) gestohlen haben. Immer wieder fand der Stein, der zwischenzeitlich das Auge des Pfaus im legendären Pfauenthron von Delhi geziert haben soll, unter abenteuerlichen Umständen neue Besitzer: Einmal soll ihn ein indischer Mogul im Turban vor dem Eroberer Nadir, dem damaligen Schah von Persien versteckt haben. Eine Haremsdame steckte das dem Schah, worauf dieser einen Turban-Tausch vorschlug – ein Zeichen der innigen Brüderlichkeit, das der Inder keinesfalls ablehnen konnte. Dumm gelaufen ...
Im 19. Jahrhundert ging der Koh-i-Noor in den Besitz der neuen Besatzer über: Die britische Ostindien-Kompanie überreichte das Kleinod 1850 Queen Victoria. Weil die Königin mit dem Feuer des Diamanten nicht einverstanden war, ließ sie ihn neu schleifen – und sein Gewicht schrumpfte von 186 auf knapp 109 Karat. Zur Krönung von Queen Mary 1911 wurde der Stein als zentraler Bestandteil der Krone verwendet und 1937 in die Krone von Königin Elizabeth eingearbeitet – der späteren „Queen Mum“ von Elizabeth II. (1926 – 2022), die ihn ebenfalls trug. Der heutige König Charles III. dagegen verzichtet bewusst auf den Koh-i-Noor, wohl um Diskussionen über koloniale Raubkunst aus dem Weg zu gehen. Oder ist es doch der Fluch des Diamanten, der ihn davon abhält? Angeblich dürfen ihn nur Götter und Frauen ungestraft tragen.

Der verkannte: Golden Jubileee
Auch Diamanten können Karriere machen: Schlicht „Unnamed Brown Diamond“ (namenloser Brauner) nannte man den Klunker, als er 1985 aus der Premier Mine in Cullinan ausgegraben wurde. (Ja, derselben Mine, aus der auch der berühmte Cullinan stammt). Wie das Portal Diamantagentur ausführt, galt der Stein trotz seiner exorbitanten Größe aufgrund von Rissen und Einschlüssen als minderwertig. Das sollte sich schlagartig ändern, als der berühmte Schleifer Gabriel Tolkowsky (1937-2023) ihm einen Kissenschliff mit 148 Facetten verpasste. Nach Kauf durch ein thailändisches Unternehmen und Segnung durch Papst Johannes Paul II. erhielt der thailändische König Bhumipol (1927–2016) aus Anlass seines 50. Thronjubiläums den Stein. Seither kennt ihn nicht mehr als namenlosen Braunen, sondern als Golden Jubilee – der lange Zeit zudem mit 545 Karat als größter geschliffener Diamant weltweit galt. Sein Schätzwert: bis zu 12 Millionen Euro.
Der verfluchte: Hope-Diamant
Farbige Diamanten sind selten – aber oft auch unattraktiv. Umso höher werden reine, farbintensive Diamanten gehandelt. Solche wie der berühmte blaue Hope-Diamant, der seinen Namen dem britischen Bankier Henry Philip Hope (1774-1839) verdankt. 1830 erwarb der Juwelensammler den blauen Diamanten, über dessen Herkunft es unterschiedliche Angaben gibt: Der französischer Kaufmann Jean-Baptiste Tavernier (1605-1689) soll ihn Mitte des 17. Jahrhunderts entweder in einem indischen Fluss gefunden oder ihn aus der Statue eines Hindu-Gottes gebrochen haben. Verkauft wurde er an König Ludwig XIV., der ihn von seinem Hofjuwelier zu einem 67 Karat schweren Stein schleifen ließ – dem „Bleu de France“.
Fest steht, dass er in den Wirren der Französischen Revolution verloren ging, ehe besagter Hope das außergewöhnliche Juwel in England kaufte. Nach dem Tod des Bankiers stritten dessen drei Neffen ums Erbe und den Stein, der in der Folge in den Besitz verschiedener Familienmitglieder überging, ehe er mehrfach weiterverkauft wurde – unter anderem 1911 an die Millionenerbin Evalyn Walsh McLean, Tochter eines Goldminen-Besitzers. Der Diamant soll ihr kein Glück gebracht haben: Der Fluch des Hope-Diamanten, den ein Artikel der Washington Post beschwor, soll ihr mehrere schwere Schicksalsschläge eingebracht haben – Krankheiten und Tod von Angehörigen (unter anderem ihres kleinen Sohnes), Unfälle, Finanzprobleme, Scheidung. Doch die vielen Mythen, die sich um das Juwel ranken, seien „größtenteils erfunden“ oder „lediglich anekdotisch“, berichtet das Aktionshaus Barnabys. Zum geschätzten Wert des Brillanten von bis zu 230 Millionen Euro hätten die Mythen aber sicher ihren Beitrag geleistet.
Der ultrareine: Star of Sierra Leone
Der Name verrät bereits die Herkunft: Am Valentinstag, im Februar 1972, wurde der „Stern“ in der Diminico Mine nahe der Stadt Koidu im westafrikanischen Sierra Leone gefunden. Er ist einer der vier größten jemals entdeckten Rohdiamanten – alle stammen aus Afrika. 986,9 Karat wog der Diamant, den der Juwelier Harry Winston für 2,5 Millionen US-Dollar kaufte und in 17 Steine aufteilte (der größte wiegt 143,2 Karat). Besonders ist der Edelstein aber nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen seiner Reinheit. Das Fachmagazin „Steine und Minerale“ erklärt, dass bei Diamanten insgesamt elf Reinheitsgrade unterschieden werden. 13 von 17 Einzeldiamanten des „Star of Sierra Leone“ weisen den höchsten Reinheitsgrad auf – das trifft nur auf ein Prozent aller Diamanten zu. Auch die Farbe ist die begehrteste aller Diamanten: „Hochfeines Weiß+“, ein klares Weiß mit einem Hauch ins Bläuliche.

Der Stein der Zarin: Orlow-Diamant
Ob Orloff oder Orlow mit „w“ hinten, gemeint ist einer der berühmtesten Diamanten der Welt. Allein schon seine blau-grüne Farbe und die Form des Schliffs in Form einer Rose (mache sprechen auch von einem halben Taubenei) machen ihn besonders. Ursprünglich stammt der gut 189 Karat schwere Edelstein aus Indien. Und wieder einmal soll er Teil der Skulptur eines Hindu-Gottes in einem geheimen Tempel gewesen sein. Ein Deserteur aus Frankreich soll das Prunkstück gestohlen und an einen britischen Seemann verhökert haben. Manche glauben, dass der Stein aus einem anderen berühmten Edelstein aus Indien geschliffen wurde: dem 1650 gefundenen und seit 1739 verschollenen „Großmogul“, der ebenfalls in Rosenform angefertigt worden sein soll.
Fest steht wohl, dass der hochdekorierte russische Offizier Grigori Orlow (1734-1783) den Diamanten 1776 in Amsterdam für 400.000 Rubel kaufte (damals eine enorme Summe) und seiner Liebsten, der Zarin Katharina der Großen (1729-1762), schenkte. Allerdings war der Fürst bei seiner Holden zuvor in Ungnade gefallen, woran auch die kostbare Spende nichts ändern sollte. Immerhin ließ Katharina den Diamanten in die Spitze ihres goldenen Zepters einbauen. Merke: Auch große Geschenke erhalten nicht immer die Freundschaft. Und merke ebenfalls: kaum ein Diamant ohne Fluch. Praktisch jedes Attentat auf einen Zaren und auch die Ermordung der Zarenfamilie des Hauses Romanow 1918 wurde auf den frevelhaften Raub des Diamanten vom Hindu-Gott zurückgeführt.


