Nun, Mittelgebirge punkten mit dem Umstand, dass sie nicht so hoch hinauswollen wie ihre großen Verwandten, die Hochgebirge. Mit ihren Gipfeln bieten sie aber trotzdem sportliche Herausforderungen in vielfältigen Landschaften und damit ideale Bedingungen für Aktivitäten wie Wandern oder eben – und darum soll es ja gehen – E-Bike-Touren. All das findet statt in beeindruckender Natur mit wunderbaren Aussichten, als extra gibt es spannende Kultur ganz unterschiedlicher Ausprägung. Wir waren unterwegs.
Über die Gipfel des Schwarzwalds
Allein in Deutschlands wohl bekanntestem Mittelgebirge gibt es über 8.500 Kilometer Wegstrecke, die E-Biker erkunden können. Der Schwarzwald ist das größte deutsche Mittelgebirge und bietet neben den bekannten Bollenhüten der „Schwarzwaldmädel“ und deftiger Kulinarik völlig unterschiedliche Naturlandschaften: von gemütlichen Ebenen und Flusstälern bis hin zu Erhebungen wie dem Feldberg im südlichen, auf dem man bei gutem Wetter den einen oder anderen Ausblick auf die Alpen erhaschen kann. Sowohl Einsteiger als auch Profis werden auf ihre Kosten kommen und können zwischen mehrtägigen Trails und kürzeren Halbtagestouren bequem wählen.

Die bekannteste mehrtägige Route ist der „Gipfeltrail“, der von Neustadt aus auf rund 140 Kilometern und über insgesamt 3.844 Höhenmeter zu den Highlights des Schwarzwalds führt. Erfahrene E-Biker können ihn an einem Tag „bezwingen“, es bietet sich aber an, sich ein paar Tage und Etappen Zeit zu nehmen, um die Aussichten und Landschaften wirklich genießen zu können. Einkehrmöglichkeiten gibt es an der Strecke und wer kein eigenes E-Bike hat oder mitbringen möchte, findet zahlreiche Verleihstationen – wie an den meisten ausgewiesenen Fahrradrouten. Vom Bahnhof in Neustadt aus geht es am Titisee vorbei zum Notschrei. Nach Bernau führt die Route danach durch Hochweiden und Wälder. Im Sommer laden Bademöglichkeiten im Schluchsee und Schlüchtsee ein, bei schlechterem Wetter bietet eine Besichtigung der Badischen Staatsbrauerei Rothaus eine Auszeit. Von hier aus geht es auf der Zielgeraden über Lenzkirch zurück nach Neustadt. Auf diesem letzten Abschnitt findet man auch den Hochfirstturm in Titisee-Neustadt, von dem aus man das Feldbergmassiv, den Titisee und bis zu den Alpen sehen kann.
Als kleinere Einsteigerrunde bietet sich die beliebte „Ettlinger-Runde“ mit 20 Kilometern an, rund um den Kreuzelberg und Wattkopf. Rasant wird es hier bei der Abfahrt den kurvenreichen Heuweg ins Albtal hinunter. Wer es gemütlicher mag, genießt auf der „Ettenheimer Panorama-Tour“ (20 Kilometer, Startpunkt: Parkplatz „Auf den Espen“ in Ettenheim) die Aussicht auf die Vogesen, den Kaiserstuhl und die Rheinebene.
Mitten in Deutschlands grünes Herz: der Harz-Rundweg
Das nördlichste Mittelgebirge ist der Harz, der sich über Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dichten Wäldern und imposanten Berghängen erstreckt. Er ist das höchste der deutschen Mittelgebirge, mit dem Brocken mit stolzen 1.142 Metern, berühmt auch für Schmalspurbahn und Hexentanz. Aber nicht nur Natur gibt es zu entdecken, sondern auch UNESCO-Stätten wie prägende Spuren des Bergbaus, die malerische Altstadt von Goslar und familienfreundlichen Abenteuerurlaub. Rund 2.300 Kilometer ausgeschilderte Strecken gibt es für E-Biker zu erkunden: Allein 74 offizielle Mountainbike-Runden sind es in der Volksbank Arena Harz, über 90 Prozent aller Wege dort sind für Radler freigegeben.

Für E-Biker bietet es sich beispielsweise an, einmal rund um den Naturpark zu fahren: auf dem Harz-Rundweg, der über 311 Kilometer Ausblicke auf die Natur des Harzes bietet, ohne etwa den touristischen Rummel auf dem Brocken miterleben zu müssen. Dafür erkundet man wunderschöne Städte wie Wernigerode oder Goslar.
Sauerland und Rothaargebirge
Rund um den Kahlen Asten bei Winterberg im Sauerland warten wunderschöne Ausblicke darauf, entdeckt zu werden. Die „Kahler-Asten-Tour“ startet in Winterberg, das nicht nur das Zentrum der Wintersport-Arena Sauerland ist, sondern als Mittelpunkt des Sauerlandes auch ein guter Ausgangspunkt für E-Bike-Touren. Auch der Radwanderweg „Ruhrtalradweg“ hat in Winterberg sein Ende bzw. seinen Anfang, Mountainbiker können sich im „Trailpark Winterberg“ auf anspruchsvollen Strecken austoben. Die Tour rund um den bekanntesten Berg des Rothaargebirges dauert circa vier Stunden ab der Tourist-Information in Winterberg, gleichzeitig auch das Ziel. Es wartet ein durchaus knackiges Anforderungsprofil auf einer Länge von rund 36 Kilometern. Highlights sind das Bundesgolddorf Westfeld, ein bekanntes Skilanglaufzentrum und Standort des Westdeutschen Wintersport-Museums, und das malerische Höhendorf Hoheleye. Unberührte Natur abseits des Ski- und Partyzirkus und Panoramablicke auf die Umgebung aus rund 965 Metern über dem Meeresspiegel und ein Teilstück des Lenneradwegs an den Ufern der Lenne, die prägend für die ganze Region ist, sind Teile dieser Runde. Berührungspunkte gibt es mit dem bekannten Wanderweg Rothaarsteig, dem „Weg der Sinne“.
Wer sich einen längeren E-Bike-Urlaub im Sauerland gönnen und die Gegend erkunden möchte, kann dies auf der Rothaarumrundung tun. Deren 286 Kilometer führen durch Nordrhein-Westfalen und Hessen (Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land) und man kann die Fachwerkromantik und die Natur des Sauerlands und des Rothaargebirges erleben.
Zwischen Maaren und Mosel
Wer an die Eifel denkt, hat meistens die Gewässer der Maare und erloschene Vulkane im Kopf. Aber dieses deutsche Mittelgebirge hat mehr zu bieten: Schluchten und sanfte Wiesen, Wald- und Heidelandschaften im Naturpark auf 5.300 Quadratkilometern. E-Biker erwartet dort ein gut ausgestaltetes Netz mit Themenwegen. Ein Tipp für Freizeitradler und Familien ist der „Maare-Mosel-Radweg“ von der Vulkaneifel bis an die Mosel mit rund 55 Kilometern Länge. Ihn kann man in rund fünf Stunden im Sattel erradeln. Der Weg folgt einer ehemaligen Bahntrasse durch den Naturpark und UNESCO Global Geopark Vulkaneifel bis zu den steilen Weinbergen am Ufer der Mosel. Und obwohl der Weg in einem Mittelgebirge verläuft, gibt es auf der durchgängig asphaltierten Strecke keine Steigungen, dafür aber Einkehrmöglichkeiten und viel Sehenswertes auf ehemaligen Eisenbahnbrücken, es geht durch Tunnel und die wilde Landschaft mit den bekannten Maaren. Am Weg findet man unter anderem das Eifel-Vulkanmuseum Daun und die Stadt Bernkastel-Kues – ein Zentrum für Liebhaber der Mosel-Weine und ein beliebter Ausflugstipp. Vom Weg abschweifen kann man z. B. zu den mittelalterlichen Burgen in Manderscheid oder zur Strohner Lavabombe.



