Der Sommer naht. Damit einher geht für viele Menschen wahrscheinlich die Sorge vor Unwettern. An kaum einem heißen Sommertag fehlt es an einem Gewitter, das nicht in Erinnerung bleibt. Mit Platzregen, der Keller volllaufen lässt. Mit Hagel, der Autos demoliert. Irgendwo kracht es immer – so hat es sich in den vergangenen Jahren zumindest angefühlt.

Tatsächlich haben Extremwetterereignisse bei uns in Deutschland zugenommen und nach Annahmen des Weltklimarates (IPCC) werden sie in Zukunft noch häufiger. Der Klimawandel ist spürbar und verstärkt so noch einmal das Bewusstsein der Menschen für einen achtsameren Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Keine Frage: Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit haben es in die Mitte der Gesellschaft geschafft. Vielen Menschen reicht es da nicht aus, Politik und Wirtschaft die Entscheidungen für mehr Klimaschutz zu überlassen. Sie wollen selbst ihren Beitrag leisten – zum Beispiel bei der Geldanlage.

Eine angemessene Rendite möchte man immer erwirtschaftet wissen, doch immer mehr Menschen wollen mit ihrem Geld auch Klima- und Umweltschutz oder ethische bzw. soziale Belange unterstützen und positiv beeinflussen. Ein Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zeigt: In Deutschland gibt es einen starken Anstieg bei nachhaltigen Geldanlagen im Privatkunden-Bereich.

Bedürfnisse in der Gegenwart – Chancen in der Zukunft

Aber was ist Nachhaltigkeit eigentlich genau? Es geht darum, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden. Wie genau das funktionieren kann, welche Wege zu beschreiten sind oder welche konkreten Ziele darauf einzahlen, dazu gibt es allerdings ganz unterschiedliche Vorstellungen und Ideen. Und dies hat natürlich auch Einfluss auf die Geldanlage.

Anleger sollten zunächst einmal die Frage für sich beantworten, was sie selbst unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ genau verstehen, rät die Verbraucherzentrale NRW. Um dann in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob ein konkretes Anlageprodukt diesen Erwartungen gerecht werden kann.

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Im Dschungel der Finanzprodukte und Anlageklassen kann man schnell den Überblick verlieren. Eine gute Beratung ist daher unverzichtbar.© Getty Images | Galeanu Mihai

In allen Anlageklassen, von Sparprodukten über Investmentfonds, Aktien, Anleihen bis hin zu risikoreichen Direktinvestments, gibt es mittlerweile nachhaltige Produktvarianten. Allerdings kann jeder Anbieter etwas anderes unter nachhaltigen bzw. ethisch-ökologischen Finanzprodukten verstehen. Das unterstreicht die Notwendigkeit von Standards und Labels wie EU-Taxonomie. Sie ist bereits in Kraft getreten und wird schrittweise angewendet. Teile davon sind für Finanzmarktteilnehmer und große Unternehmen für ihre Berichterstattung bereits verpflichtend, weitere Spezifikationen (beispielsweise für weitere Wirtschaftssektoren) werden noch entwickelt. Die EU-Regelungen haben das Ziel, einheitliche Kriterien für die Nachhaltigkeit von Geldanlagen festzulegen und somit Transparenz und Verlässlichkeit für Investoren zu schaffen, berichten die Verbraucherschützer.

Vier verschiedene Anlageansätze

Was sie eint: Sie wenden sogenannte ESG-Kriterien an. Dieses englische Kürzel steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (enviromental, social, governance). Es gibt unterschiedliche Anlageansätze, vier seien an dieser Stelle vorgestellt. Erstens: Es kann ein „vermeidender“ sein, das Geld einer Anlageform wird dann beispielsweise nicht in die Branchen Erdöl, Kohle oder Waffen und dieser Branche zugehörige Unternehmen gesteckt. Zweitens: Die Anlageform hat einen „fördernden“ Ansatz, dann wird gezielt in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und Branchen investiert. Ein Beispiel: erneuerbare Energien.

Eine dritte Möglichkeit: „Best-in-Class“. Hier wird keine Branche (also eben auch nicht Wirtschaftszweige wie Erdöl oder Rüstung) ausgeschlossen. Gesucht werden Unternehmen, die in ihrer Branche Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit sind – ausgeschlossen wird aber kein Wirtschaftszweig, also eben auch nicht Erdöl oder Rüstung. Das mag verwundern – verbunden ist damit aber die Hoffnung, alle Unternehmen in diesem Bereich zu motivieren, nachhaltiger zu werden. Befürworter dieses Ansatzes hofften, dass so die gesamte Branche nachhaltiger wird.

Und ein vierter Aspekt: Engagement. Banken, Versicherungen und Fonds haben als institutionelle Anleger mit großen Aktienpaketen durchaus die Macht etwas zu bewegen. Wer diese nutzt, um Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, darf sich dies auch auf die Fahnen schreiben.

Alle Herangehensweisen haben naturgemäß Stärken und Schwächen. Und so ist eine gute Beratung wichtig. Das ist sie natürlich immer – doch im Dickicht grüner Finanzprodukte umso mehr.