Glückliche Menschen gibt‘s hier überproportional viele. Und das hat seinen guten Grund. Denn die Küste Nordirlands ist so atemberaubend spektakulär und hinreißend schön wie nur wenige vergleichbare Regionen der Welt. Kein Wunder also, dass die 193 Kilometer lange Causeway Coastal Route zwischen Belfast und Derry zu den aufregendsten Autostraßen der Welt zählt. Ein epischer Weg geradezu, auf dem Urgewalt und Gestaltungskraft der Natur auf praktisch jedem Meter spür- und erlebbar ist.
20 Meilen hinter Belfast gleich der erste Paukenschlag: „The Gobbins“ ist ein Klippenpfad mit Hunderten in den Fels gehauenen Stufen, über die es gut drei Kilometer treppauf und treppab geht, immer hautnah an der Felskante lang und nur ein paar Meter über Meer. Der Weg, der nur in geführten Gruppen begangen werden kann, windet sich zudem über Brücken und Treppen sowie durch einen 22 Meter langen Felsentunnel. Wo spätestens dann auch jeder weiß, warum der Helm obligatorisch ist. Ebenso wie die rustikalen Spezialtreter – beides gibt´s vor der Tour im Besucherzentrum.
60 Jahre im Dornröschenschlaf
Je nach Fitnessniveau der Gruppe ist man zweieinhalb bis drei Stunden unterwegs und wird von den Guides mit Fakten und Stories gefüttert. Zum Beispiel zur Gobbins-Historie. Bereits vor über 100 Jahren nämlich wurde der Klippenpfad konstruiert, schon damals war er eine Sensation. 1954 aus Mangel an Baumaterial geschlossen und 60 Jahre im Dornröschenschlaf, begann zwischen 2011 und seine 2015 seine Wiedergeburt. Dabei bauten die Architekten Attraktionen ein wie die ikonische Tubular Bridge. Ein Fünf-Tonnen-Stahlkoloss in Form einer Röhre, die zehn Meter überm Meer zwischen den Felsen hängt. Das Aquarium wiederum wird zum Meerwasser-Pool durch eine gebogene Brücke. Vier der 15 neuen Brücken sind über 30 Meter lang, und eine frei tragende Plattform liefert exzellente Ausblicke auf Pfad und Küste.

Die nächste Etappe: In Ballycastle steigen wir um vom Auto aufs Boot. Die Küste ist der Hammer und lässt die Fantasie fliegen. Sieht der Felsen von Kinbane nicht aus wie ein Tomahawk? Ist diese Felsnadel ein Seepferdchen oder ein Löwe vor dem Sprung? Thront da eine Sphinx im Wasser oder vielleicht ein Elefant? Liegt dort ein Krokodil auf der Lauer und kriecht hier Godzilla aus der Steilwand? Mehrstöckige Amphitheater und Orgelpfeifen stecken in den Wänden, Höhlen leuchten giftgrün und violett. Das alles spielt sich ab auf wenigen Kilometern, bis Skipper Ben Griffin bei Carrick-a-Rede etwas länger vor Anker geht.
Artistische Kunststücke
Nur 20 Meter vom Festland entfernt, erhebt sich hier eine karge Felsinsel aus flachem Wasser in Karibik-Türkis. Weil vor ihr seit jeher Lachse vorbei ziehen, bauten Fischer schon vor 300 Jahren eine Hängebrücke, um schneller und besser an ihr täglich Brot zu kommen. Ben hat Familienfotos dabei, auf denen ein kühner Vorfahre in den 1930er Jahren allerlei artistische Kunststücke auf der wackligen Seilkonstruktion vollführt. „Dabei ging ihm bei einem Handstand mal die Brieftasche flöten“, lacht er, „und obwohl das Wasser unten nur anderthalb Meter tief ist, hatte er bei der Strömung keine Chance. Die Kohle war weg.“
Heutzutage schaukelt ein modernisiertes und gut gesichertes Pendant 25 Meter über dem manchmal auch brüllenden Atlantik. Wenn dazu der Wind kräftig bläst, zittern manch einem die Knie, bubbert das Herz deutlich schneller. Heute allerdings nicht. Bei Schmeichelwetter wird der schwankende Balance-Akt zum entspannten Spaziergang. Und zur Belohnung gibt´s auf der anderen Seite fabelhafte Klippen- und Küstenpanoramen, und mit etwas Glück manchmal sogar Papageientaucher.

Von hier ist es nicht mehr weit bis zu Nordirlands Kronjuwel – dem Giant´s Causeway. Eine durch und durch verrückte Laune der Natur aus einer Zeit, da die Dinosaurier gerade mal von der Erde verschwunden waren. Vor 60 Millionen Jahren katapultierten vulkanische Eruptionen große Mengen flüssiger Lava durch Spalten und Schlote an die Oberfläche. Dort kühlte sie rasch aus und brach auf zu 37.000 symmetrisch polygonalen Basaltsäulen, die als stufenartige Strukturen aus dem Meer herauszuwachsen scheinen. Eine surreale Felsformation vor einem Ensemble sechs Kilometer langer und bis zu 90 Meter hoher Klippen, das seit 1986 zum UNESCO-Welterbe gehört.
Viel spannender freilich als die nüchterne Wissenschaft sind die Legenden zur Geburt dieses Achten Weltwunders, denn so ein Gebilde kann logisch nur Werk eines Supermannes sein. Die populärste Sage erzählt vom Riesen Finn MacCool, der sich mit dem schottischen Konkurrenten Benandonner anlegen wollte. Um über das Meer zu ihm zu kommen, baute er einen Damm und marschierte mit seinen Siebenmeilenstiefeln über die Irische See.
Das Herz in der Hose
Als er in Schottland sah, wie gewaltig der andere war, rutschte ihm das Herz in die Hose, und er gab Fersengeld. Seinerseits nun verfolgt vom Schotten, kam Finns kluger Frau die pfiffige Idee, ihren Hasenfuß-Gatten in Babykleider zu stecken, ihm einen Schnuller zu verpassen und in ein überdimensionales Kinderbett zu verfrachten. Als der Koloss aus Schottland nun dieses Riesenbaby sah und sich vorstellte, wie groß und stark da erst der Vater sein müsse, ergriff nun er die Flucht und schlug mit seiner Keule den Weg hinter sich kurz und klein, damit ihm ja keiner folgen konnte.
„Diese Geschichte beweist glasklar, dass Riesen ganz sicher nicht die hellsten Lichter auf der Torte sind“, schmunzelt Skipper Ben, „aber hübsch ist sie trotz alledem, und die Touristen lieben sie sehr.“ Sehen kann man sie übrigens auch – im modernen Besucherzentrum. Und natürlich auf einem Riesenbildschirm. Wie es sich hier eben gehört.
Info
Einreise:
Ab April 2025 braucht man für Reisen nach Nordirland eine elektronische Reisegenehmigung (ETA). Sie kostet 16 Britische Pfund pro Antragsteller und ist für mehrere Reisen innerhalb von zwei Jahren gültig. Die ETA wird elektronisch mit dem Reisepass verknüpft (UK ETA App)
Pauschal:
SKR Reisen (www.skr.de), das Original für Reisen in kleinen Gruppen, bietet fünf reine Irland-Rundreisen sowie die spezielle 12-tägige Reise „Irland & Nordirland: Die ausführliche Reise“ ab 3.699 Euro an (max. 16 Gäste und inkl. Flug, Übernachtung, Eintrittsgelder, Ausflüge, Transport & deutscher Reiseleitung), https://www.skr.de/IERAUS; Persönliche Beratung: 0221 93372-450 oder reisen@skr.de;
Informationen:
Tourism Ireland, www.ireland.com/de-de/
Northern Ireland, https://discovernorthernireland.com
Die Reise wurde freundlichst unterstützt von Tourism Ireland und Tourism Northern Ireland.


