Zusammenfassung

  • Handball wurde früher auf großen Feldern draußen gespielt, bevor sich das Hallenspiel in den 1960er-Jahren durchsetzte.
  • Alfons Plenge, eine zentrale Figur der Bottroper Handball-Geschichte, erinnert sich an die Anfänge und die Entwicklung des Sports in der Stadt.
  • Traditionsturniere wie das Silberschildturnier knüpfen heute noch an diese bewegte Vergangenheit an.

Silberschildturnier oder Adler-Cup. In Bottrop knüpfen jährliche Traditionsturniere noch an den Ursprung des Handballs an und eröffnen jungen Spielerinnen und Spielern eine ganz neue alte Perspektive auf ihren Sport. Denn der wurde früher nicht in Hallen ausgeübt, sondern draußen bei Wind und Wetter auf dem Feld.

So auch schon vor über 100 Jahren in Bottrop. Darauf weist zumindest ein altes Programmheft des damaligen „Stadtverbandes für Leibesübung“ hin, in dem für den 2. Juli 1922 ein Spiel zwischen dem VfB Bottrop und dem Turnerbund Bottrop angekündigt wird. Das Zeitdokument kramte Alfons Plenge vor ein paar Jahren aus seinem Archiv.

Bottroper Handball-Urgestein Alfons Plenge erinnert sich an alte Zeiten

Plenge, mittlerweile stolze 90 Jahre alt, verkörpert die Geschichte des Bottroper Handballs wie kaum ein anderer. Er stand seit seiner Jugend viele Jahrzehnte lang selber als Spieler auf dem Feld (später auch auf der „Platte“ in der Halle), war bei seinem Verein, dem Turnerbund Bottrop, erst Handballobmann und von 1970 bis 1998 1. Vorsitzender.

Bottrop Feldhandball Geschichte: Das Programmheft des damaligen „Stadtverbandes für Leibesübung“ macht auf ein Duell zwischen dem VfB Bottrop und dem Turnerbund Bottrop aufmerksam, das am 2. Juli 1922 stattfand. Wahrscheinlich eines der ersten Handballspiele in der Stadt.
Das Programmheft des damaligen Stadtverbandes für Leibesübung macht auf ein Duell zwischen dem VfB Bottrop und dem Turnerbund Bottrop aufmerksam, das am 2. Juli 1922 stattfand. Wahrscheinlich eines der ersten Handballspiele in der Stadt. © Archiv Alfons Plenge | Fremdbild

Als junger Handballer fing Plenge auf dem Großfeld an, also auf einem Platz von fast fußballerischen Ausmaßen, mit elf Spielern pro Mannschaft. Das Spiel war, im Gegenteil zum Hallenhandball, breiter, laufintensiver und naturgemäß von äußeren Bedingungen abhängig – oder wie er sagt: „Es war etwas langwieriger, aber härter. Anders als heute standen wir nicht sofort am Kreis, sondern mussten konzentriert in Bewegung bleiben.“

Feldhandball Bottrop Geschichte: Die 1. Handballmannschaft des Turnerbund Bottrop stieg 1947 in die Gauliga, damals die zweithöchste Liga des Verbandes, auf.
Die 1. Handballmannschaft des Turnerbund Bottrop stieg 1947 in die Gauliga, damals die zweithöchste Liga des Verbandes, auf.© Archiv Alfons Plenge | Fremdbild

Nach einer Regeländerung Mitte der 1950er war das Spielfeld dreigeteilt: In jedem Drittel durften sich pro Mannschaft nur sechs Spieler aufhalten. Das entzerrte das Gedränge vor dem Wurfkreis und stellte andere Anforderungen an den Handball als das Hallenspiel von heute. Übersicht und Kondition waren gefragt. „Ich persönlich habe gerne auf dem Feld gespielt“, so Plenge. „Das hat auch besser zu meiner sportlichen Veranlagung gepasst, ich war eher der Ausdauersportler.“

Warum Bottrop ein guter Standort für Feldhandball war

Mit Spielern wie Plenge und vielen anderen entwickelte sich Bottrop nach dem Krieg, aber auch schon davor, zu einem großen Handball-Standort. „Das hatte mehrere Gründe“, erklärt das Urgestein. „Die Stadt verfügte früh über eine starke Vereinskultur. Neben dem Turnerbund prägten auch Adler 07, der VfB Bottrop, später der SV 1911 oder die EK Sportfreunde das Handball-Leben.“

Hinzu kamen Sportplätze in den nötigen Größen und die zentrale Lage im Ruhrgebiet, die den Gegnern die Anreise erleichterte. „Wir gehörten ja zum Sportkreis Oberhausen-Bottrop, hatten aber so viele Aktive, dass wir zwischenzeitlich darüber nachgedacht haben, einen eigenen Kreis zu gründen“, schwärmt Alfons Plenge noch heute lachend.

Feldhandball Bottrop Geschichte - 1970 gelang der 1. Mannschaft vom Turnerbund Bottrop der Aufstieg in die Bezirksliga. Die Zeiten des Feldhandballs gingen da aber schon zu Ende. Stehend ganz rechts: Alfons Plenge.
1970 gelang der 1. Mannschaft vom Turnerbund Bottrop der Aufstieg in die Bezirksliga. Die Zeiten des Feldhandballs gingen da aber schon zu Ende. Stehend ganz rechts: Alfons Plenge.© Archiv Alfons Plenge | Fremdbild

Doch ebenfalls bereits in den 1950er-Jahren begann sich der Sport radikaler zu verändern, wenn das auch zunächst schleichend. Kleinfeldturniere – wie die heute noch übriggebliebenen Feldturniere – wurden zwar noch draußen gespielt, aber schon auf Spielfeldgrößen und Strukturen wie sie den heutigen in der Halle entsprechen.

Wie der Handball in die Halle wanderte

Mit dem Bau und der besseren Verfügbarkeit von Sporthallen in den 1960ern setzte sich diese Entwicklung endgültig durch. Denn die Halle bot klare Vorteile: Das Spiel war wetterunabhängig, leichter zu organisieren und für Spieler wie Zuschauer kompakter und attraktiver. Das Großfeld dagegen verlangte viel Platz, viel Personal und hohen organisatorischen Aufwand. „Die Spielbetriebe von Feld- und Hallenhandball liefen übergangsweise ja zunächst auch noch parallel“, merkt Plenge zudem an. „Sowohl für die Spieler als auch für die Verantwortlichen war das sehr schwierig.“

Alfons Plenge aus Bottrop spricht am Donnerstag, 14. Juni 2018, mit WAZ-Redakteur Kai Süselbeck über den Bergbau in Bottrop.
Neben dem Handball seine eigentliche Berufung: Alfons Plenge, hier 2018 vor der Zeche Prosper II, arbeitete sich im Bergbau zum Ingenieur hoch und machte sich in der Branche im Ruhrgebiet und darüber hinaus einen Namen.© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Terminprobleme, Urlaubszeiten und personelle Engpässe taten ihr Übriges, so dass Mitte der 1970er-Jahre auch in Bottrop klar war, dass der Feldhandball ein Auslaufmodell ist. Meisterschaftsrunden auf dem großen Feld wurden nach und nach eingestellt. Geblieben ist die Erinnerung an eine in Teilen andere Sportart und, wie Plenge findet, auch Zeiten, in denen der Handball in Bottrop größer und beliebter war.

Verklären will er die alten Tage aber ebenso wenig: „Ich habe, wie gesagt, sehr gerne auf dem Feld gespielt. Es war aber auch sehr oft sehr hart. Man kann sich ja vorstellen, wie im Winter der Ball zu einem Eisklumpen werden konnte. Da sind einem die Hände schon mal eingefroren.“