Die Ruhrfestspiele ohne ihr Zuhause? Einst wurde das wuchtige Rechteck im Stadtgarten verspottet als „Grabmal des unbekannten Intendanten“, aber brauchen tut man es doch. Und nun macht ausgerechnet im 80. Jahr der ältesten deutschen Theaterfestspiele eine Baustelle die Bühne des großen Hauses zum Sperrgebiet.

Womit wir bei einer der größten Attraktionen des Jahrgangs 2026 sein dürften. Es heißt das „neue große Festspielzelt“ und wird im Park hinterm Ruhrfestspielhaus pro Aufführung 500 Gäste fassen. Merke: Auch Notlösungen können ein Ereignis sein, heuer übrigens unter dem Motto „Erschrecken und Erstaunen“, große Gefühle vom 1. Mai bis zum 13. Juni.

Ruhrfestspiele 2025
Dicht für den großen Andrang: Wegen einer Bausteller ist der große Saal des Ruhrfestspielhauses 2026 keine Spielstätte der Ruhrfestspiele. © Ruhrfestspiele | Maria Koltschin Nina Wichard

Intendant Olaf Kröck erklärt das Wort-Gespann: „Angesichts sich überlagernder Krisen, Kriege, politischer Verwerfungen, gesellschaftlicher Spannungen, wirtschaftlicher Umbrüche und der spürbaren Folgen des Klimawandels scheint das Erschrecken oft das Erstaunen zu verdrängen. Zugleich gerät die Fähigkeit zur Empathie unter Druck.“

Seine Gäste aus aller Welt, sie kommen etwa aus Asien und dem Nahen Osten, sollen diesen Druck nehmen, Empathie fördern und die Gegenwart wach und kritisch aufnehmen. Dass die Eröffnung (3. Mai) ein Abend wird, in dem der taiwanesische Tänzer und Choreograf Huang Yi in einen „poetischen Dialog“ mit einem Industrieroboter kommen will, fühlt dieser Gegenwart den Puls.

Schicksale von Flucht und Migration sind auf dem Grünen Hügel schon lange ein Leitmotiv geladener Inszenierungen. 2026 wird die iranische Produktion „Das Kind“ (4.-6.5) die „Verantwortung und Menschlichkeit an den Grenzen Europas“ in den Blick nehmen. Uraufführungen und Deutschlandpremieren prägen den Schauspiel-Spielplan: In „Maus, Geld, Gespenst“ (ab 7.5), ausgezeichnet mit dem neuen „Volksbühnenpreis für Theaterliteratur“, thematisiert Sunan Gu die Erfahrungen asiatischer Einwanderer. Fragen nach der Lebensqualität der Frauen über 70 im Ruhrgebiet, aber auch nach ihren Lebensleistungen stellt der Abend „Catladies“ (ab 14. Mai). Wie „Polaris“ mit Publikumsliebling Wolfram Koch (ab 16.5) ist auch er eine Uraufführung.

HUANG YI & KUKA
Mensch und Maschine „HUANG YI & KUKA“ eröffnen als Tanzprojekt die Ruhrfestspiele 2026.© Ruhrfestspiele Recklinghausen | Summer Yen

Olaf Kröck hat sich von Beginn an klar von den Glamour-Gastspielen seines Vorgängers abgesetzt. Aber große Namen finden sich natürlich trotzdem im Programm. Katja Riemann ist ab 24. Mai in Sibylle Bergs „Ein wenig Licht. Und diese Ruhe“ zu sehen. Barrie Kosky bringt seinen Kafka-Abend „K“ (ab 9. Juni) vom Berliner Ensemble nach Recklinghausen. Fritzi Haberlandt spielt in der Roman-Adaption „Auf allen Vieren“ (ab 20.5).

Und nicht zu vergessen, die noble Stimmenriege, die Jahr für Jahr die erzbeliebten Lesungen bestückt. Heuer zählen Bjarne Mädel dazu, Joachim Król und Bibiana Beglau. Man wird sich sehr sputen müssen für Katharina Thalbachs literarische Führung durch „Kästners Berlin“ noch eine Karte ergattern zu können.

Bjarne Mädel
Bjarne Mädel liest bei den Ruhrfestspielen 2026 aus dem Werk von Ingrid Lausund.© Ruhrfestspiele Recklinghausen | Jürgen Bauer

Große Tanzproduktionen („Gala“ von Jerome Bel, „La Lange de Molière“ von La Fleur), mehr als ein halbes Dutzend Gäste aus der Sparte Neuer Zirkus, Kabarett mit Katrin Bauerfeind, Wladimir Kaminer und Frank Goosen, Kindgerechtes vom Krabbelkonzert bis zu „Heroes“...: Kröck und die Seinen lassen wenig Bedarfslücken im Programm. Die Kunsthalle begrüßt zur großen Ruhrfestspiel-Ausstellung den Isländer Ragnar Kjartansson.

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220 Veranstaltungen soll es geben, 80 Produktionen reisen an. Das Theater Marl wird als Ausweichspielstätte häufiger zu Ehren kommen, auch das „kleine Haus“ im Festspielhaus ist keine Baustelle. Das Bürgerhaus Süd in Recklinghausen und die etablierte Spielstätte auf König Ludwig sind weitere Theaterräume. Die Spiele können beginnen.

Der Kartenvorverkauf für alle und alles beginnt am 7. März um 9h.
Online-Ticketing über ruhrfestspiele.de; kartenstelle@ruhrfestspiele.de, Ticket-Hotline 02361 92180.