Der Baum strahlt mystisch in der Dunkelheit, seine leuchtenden Adern schlängeln sich 40 Meter in die Höhe, begleitet von sanften Klängen: Der Gasometer Oberhausen lädt zum „Mythos Wald“. Und es dürfte kaum übertrieben sein, wenn man behauptet, dass die graue Riesentonne am Rhein-Herne-Kanal die weltweit größte Indoor-Lichtskulptur beherbergt. Eine Skulptur, die die Lebensadern jener wunderbaren Lebewesen sichtbar macht, die wir Bäume nennen. Die uns so vertraut sind und zugleich doch so fremd.

Im Prinzip klingt es paradox, dass man sich ins düstere Innere eines Industriedenkmals begeben soll, um die Schönheit der Wälder besser zu verstehen. Aber wie so oft ist es eine Frage der Perspektive: „,Mythos Wald‘ beschäftigt sich mit der Schönheit und Vielfalt dieses Lebensraums und der Bedeutung für die menschliche Existenz“, bringt es Jeanette Schmitz, Gasometer-Chefin und Mit-Kuratorin, auf den Punkt.
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„Mythos Wald“ ist der letzte Teil der extrem erfolgreichen Trilogie von Naturausstellungen im Gasometer, die mit „Das zerbrechliche Paradies“ begann und sich mit „Planet Ozean“ fortsetzte. Der Abschluss steht den beiden Vorgängern in nichts nach.

Und es sind nicht nur die oftmals spektakulären Naturfotos und -filme, die den Reiz dieser Ausstellung ausmachen. Man betritt den Raum und steht dem gewaltigen Skelett eines Riesenhirschs gegenüber, der in Europa vor etwa 7000 Jahren ausgestorben ist. Viele der Tiere, die zu sehen sind, der Wolf, der Fuchs oder der Braunbär, wirken so lebendig, als könnten sie in den nächsten Sekunden aus ihren Glaskästen ausbrechen.
Gasometer-Schau blickt auch unter den Waldboden
Auf der unteren Ebene widmet sich die Schau dem deutschen Wald und seinen europäischen Nachbarn, wobei es nicht nur um die Schönheit von Baumwipfeln und Waldbewohnern wie Wildschwein, Hirsch und Luchs geht. Es geht auch unter die Oberfläche, denn der Waldboden ist natürlich voller Leben. Und erhabene Formen gibt es oft dort zu entdecken, wo man es am wenigsten vermutet: „Wer hätte gedacht, dass Schleimpilze, so ihr Name, wunderschön sein können?“, fragt Jeanette Schmitz und gibt sich überrascht.
Erhellend wird die Ausstellung auch dort, wo Kleines ganz groß gemacht wird, etwa bei einer Aufnahme von Waldameisen, die voller Hingabe einen Dunkelblauen Laufkäfer zerlegen.

Umgekehrt funktioniert der Perspektivwechsel ebenso: Wenn man sich aus großer Entfernung den Lebensraum anschaut. Aus diesem Grund hat die Firma Esri ihre Aufnahmen beigesteuert. Sie beobachtet mit Drohnen- und Satellitenaufnahmen unsere Wälder. Was ein wenig nach Überwachung klingt, hat große Vorteile für die Natur, denn so lässt sich etwa die illegale Abholzung im Regenwald rechtzeitig entdecken und eindämmen. Oder die Ausbreitung des Borkenkäfers im Harz.
Mythos Wald – Katalog & Infos
Der Katalog zur Ausstellung „Mythos Wald“ ist im Klartext-Verlag erschienen (22 €) und zeigt auf 176 Seiten nahezu alle Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. Dazu bietet er alle Hintergründe, so dass man die Eindrücke aus der Ausstellung perfekt vertiefen kann – wie ein Waldspaziergang zwischen den Seiten.
„Mythos Wald“ bleibt voraussichtlich bis zum 30. Dezember 2026 im GasometerOberhausen (Arenastraße 11). Die Ausstellung gibt Dienstag bis Sonntag, auch an Feiertagen, von 10 bis 18 Uhr Einblicke in das Ökosystem Wald. Die Kasse schließt um 17.30 Uhr. Ab 17.45 Uhr räumt der Gasometer das Panoramadach. In den Ferien in NRW öffnet „Mythos Wald“ auch montags. Eintrittspreise: Erwachsene 14 €, ermäßigt (Kinder 6-17 Jahre, Senioren über 65 Jahre) 11 €, Kinder bis 5 Jahre frei. Infotelefon: 0208/21295.
Auf der nächsten Ausstellungsetage widmet sich die Schau den tropischen Regenwäldern, die entscheidend sind für die Stabilität des globalen Klimas, und ihren Einwohnern. Es gibt Bilder von Riesenmammutbäumen und Luftaufnahmen von den schlängelnden Flussarmen im Amazonasbecken. Man sieht Bilder vom Einklang mit der Natur, etwa von indigenen Menschen in Brasilien, die mit Schildkröten baden. Aber auch von jenen, die brutal Affen oder Tiger ins Feuer werfen.

Auch in den Regenwäldern hat Hightech Einzug gehalten, etwa in Form von solarbetriebenen Überwachungsmikrofonen, die ihre Aufzeichnungen an eine KI weiterfunken. Sobald Motorengeräusche oder Kettensägen zu hören sind, wird Alarm ausgelöst.
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Das Innenleben eines Baums durch die Jahrezeiten
Auf der Plattform der dritten Ausstellungsebene schließlich kann man sich von der Lichtskulptur des gewaltigen Baums in den Bann ziehen lassen, die Wasseraufnahme und Blühen, aber auch die Herbst- und Winterzeit eines Baums auf eine Weise sichtbar macht, wie man sie höchstens aus animierten Filmen kennt. Die Betrachter fläzen sich am Fuß des Baums auf Sitzkissen und richten ihre Blicke (und Handys) in die Höhe.
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Eines der künstlerischen Highlights: Es gibt Bilder des weltberühmten Fotografen Sebastião Salgado von den indigenen Gemeinschaften, die im Amazonasgebiet leben.
Die Ausstellung „Mythos Wald“ überschreitet diesmal auch die Grenzen des Gebäudes: Auf dem Gelände ist ein „Zukunftswald“ entstanden, in Kooperation mit der Internationalen Gartenausstellung Ruhrgebiet 2027. Und vor dem Gasometer hat der Regionalverband Ruhr einen Pavillon aufgebaut, in dem Schülerinnen und Schüler mehr über die heimischen Wälder erfahren können.









