Marlo Grosshardt sagt selbst, dass er Konflikten lieber aus dem Weg geht. Er hätte sich in seinem ganzen Leben noch nie geprügelt, sagte der Musiker am Freitagabend, 19. Juni, beim Auftritt beim Traumzeit-Festival im Landschaftspark Duisburg. Dennoch ist der 24-Jährige, der recht klein ist und wirklich unscheinbar rüberkommt, ein Mann für klare Botschaften.

Fahnenschau

„Geht durch die Straßen und guckt, welche Fahnen da hängen“, empfahl Marlo Grosshardt dem Publikum. Welche Flaggen er da meint, ist klar – nämlich solche aus der politisch rechten Ecke. Mit seinen gesellschaftlich-relevanten Songs tritt der Hamburger auch regelmäßig bei Protesten auf, so zum Beispiel im Jahr 2023 bei Fridays for Future in München oder 2025 bei „Hamburg steht zusammen für Demokratie und Vielfalt“, einer Kundgebung gegen eine AfD-Veranstaltung.

Die großartige Kulisse am Cowperplatz im Landschaftspark Duisburg.
Die großartige Kulisse am Cowperplatz im Landschaftspark Duisburg.© NRZ | Heiko Buschmann

„Nie wieder ist jetzt“, heißt eine Single von Marlo Grosshardt. Eine wichtige Message in Zeiten des aufkeimenden Nationalismus und rechter bis rechtsextremer Tendenzen in der Gesellschaft, und zwar nicht nur in Deutschland. Mit seiner überschaubaren Statur, seiner Brille und der ordentlichen Frisur sieht er nicht gerade wie ein Mann aus, der sich St.-Pauli-mäßig mit „Bullen“ anlegt, aber zumindest singt er fast schon wütend darüber. Meist sind seine Stücke aber gefälliger Pop, der beim Publikum vor der Traumzeit-Hauptbühne am ersten Abend des Festivals in Duisburg sehr gut ankommt.

Großer Onkel im Geiste

Thematisch ist er mit seiner Band so auch ein passender Warm-up für Kettcar, die am Freitagabend etwas später den Cowperplatz bespielen. Marcus Wiebusch, im Geiste so etwas wie ein großer Onkel von Marlo Grosshardt, legt mit deutschen Indierock-Klassikern wie „Landungsbrücken raus“ und „Deiche“ nach. Der erste Abend beim Dreitages-Happening am Hochofen in Meiderich ist gelungen.

Agassi waren eine der Überraschungen beim Traumzeit-Festival 2026 im Landschaftspark Duisburg.
Agassi waren eine der Überraschungen beim Traumzeit-Festival 2026 im Landschaftspark Duisburg.© NRZ | Heiko Buschmann

Am Samstag startet das Programm bereits am späten Mittag. Acts wie Vandalisbin, Grenzkontrolle, Overpass und Agassi unterstreichen den Status der Traumzeit als Ort für Entdecker. Selbst Musikfans, die sich in dem Bereich Indie ganz gut auskennen, lernen hier immer wieder neue, spannende Acts kennen. Die Engländer von Agassi haben sich erst vor ein paar Monaten formiert, doch sie sind auf jeden Fall jetzt schon tauglich für große Bühnen.

International bekannter Act bei der Traumzeit 2026 im Landschaftspark Duisburg: White Lies.
International bekannter Act bei der Traumzeit 2026 im Landschaftspark Duisburg: White Lies.© NRZ | Heiko Buschmann

Am Sonntag, 21. Juni, geht es mit unter anderem iedereen, Stina Holmquist Haus F, Betterov, Herrenmagazin und als Finisher Apparat weiter. Für Sonntag gibt es hier noch Tageskarten.