Ja, das Blue Shell steht noch. Der Abriss allerdings war amtlich. An diesem lauen Mittwochabend, 16. September, stehen die Gäste um kurz vor 21 Uhr noch draußen vor der Tür, unterhalten sich, trinken ein Bier oder rauchen eine Zigarette. Die Stimmung ist entspannt – doch eine Stunde später tropft hier in der kleinen Location in der Luxemburger Straße der Schweiß von den Wänden.
GANS sind Euan Woodman (Gesang, Schlagzeug) und Thomas Rhodes (Gesang, Bass) – und ja, sie haben sich tatsächlich nach dem Federvieh benannt. Vor drei Jahren haben die beiden Studienkumpels aus Birmingham beschlossen, zusammen Musik zu machen, nachdem sie sich zuvor in verschiedenen anderen Projekten ausprobiert hatten. Schon mit ihrer ersten Single „What you mean“ sorgt das Duo mit ihrem Sound aus Gitarrennoise und harten Elektroattacken in der britischen Indieszene für Furore.
Mit den legendären Pixies unterwegs
Es dauert nicht lange, bis jemand von Strap Originals, dem Label eines gewissen Pete Doherty, in der Leitung ist. Spätestens mit „In Time“, einem treibenden Post-Punk-Stück, zeigen GANS, dass mit ihnen zu rechnen ist. Nach Auftritten im Vorprogramm der Libertines und The Vaccines sowie zuletzt sogar als Special Guest bei der 40-Jahre-Jubiläums-Tour der legendären Pixies sind GANS nun als Headliner in kleinen Clubs unterwegs.
Den Abend eröffnet Malta Mina! Dahinter steckt der Solokünstler Sebastian Witte, der nur mit Bass und Mischpult auf der Bühne steht und mit einem Sound wie French 79 die etwa 200 Gäste im vollen Blue Shell schön zum Grooven bringt. Als GANS um 22 Uhr dann zu dritt loslegen, live haben sie einen Kumpel dabei, der Saxofon und Querflöte in einer irren Version spielt, brechen alle Dämme.

Mit „Do You Glow“, „In Time“ und „It‘s Just Life“ ballern GANS direkt drei ihrer besten Nummern raus. Das Publikum ist sofort in Ekstase, schnell ziehen die Bandmitglieder blank, also Iggy-Pop-mäßig oberkörperfrei. Der Laden wird zur Sauna, und Euan Woodmann lässt es sich nicht nehmen, auf den Armen der Fans zu surfen. So muss es sein! Warum allerdings die zugebenermaßen großartigen Idles große Hallen ausverkaufen und GANS (vorerst) in kleinen Clubs wie dem Blue Shell zu sehen sind, ist schwer nachzuvollziehen.


