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Nadja Tiller und Walter Giller: "Die Götter meinten es gut"

Foto: BR/Petro Domenigg

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Essen. Das Schauspielerpaar Nadja Tiller und Walter Giller, die in der Filmkomödie "Und ewig schweigen die Männer" endlich einmal wieder gemeinsam vor der Kamera zu sehen sind, im Partner-Interview über ihre Ehe, ihre Arbeit und das Älterwerden.

Vor mehr als 50 Jahren glänzte Nadja Tiller (80) in Charakterrollen wie „Lulu” und als „Das Mädchen Rosemarie”. Walter Giller (81) dagegen war in „Schloss Gripsholm” und „Skandal im Mädchenpensionat” zu sehen. Trotz der Tatsache, dass sie stets die Grande Dame und er der ewige Spaßvogel war, haben die gebürtige Wienerin und der gebürtige Recklinghausener sich durch den Beruf kennengelernt. Sehr zum Wohlgefallen des TV-Publikums sind Nadja Tiller und Walter Giller jetzt wieder öfter zusammen in einem Film vertreten, was beide früher strikt vermieden haben.

Am Samstag wird das Schauspiel-Paar in „höchstpersönlich” (15.03 Uhr) in der ARD porträtiert. In Kürze sind beide in der bitterbösen Filmkomödie „Und ewig schweigen die Männer” (20. Mai, ARD) ebenfalls als Ehepaar zu sehen.

Im Partner-Interview in der Bibliothek ihrer Hamburger Senioren-Residenz Augustinum an der Elbe verraten Nadja Tiller und Walter Giller, deren Kinder Natascha (49) und Jean-Claudius (44) in Griechenland und in der Schweiz leben, was das Rezept für ein solches Eheglück ist und welche Bedeutung das Alter für sie hat.

Sie sind beide seit Jahrzehnten im Schauspielberuf. Mit welchen Gefühlen sehen Sie ältere Filme mit sich? Schauen Sie da gar nicht zu oder nostalgisch?

Nadja Tiller: Sehr wenig! Manchmal sage ich mir, dass ich mir so einen Film mal anschauen müsste, aber in Wirklichkeit dann lieber doch nicht.

Und Sie?

Walter Giller: Ehrlich gesagt, das sagt mir nicht viel. Aber um Gottes Willen nicht nostalgisch. Das war eine tolle Zeit und die Götter haben es mit mir und meiner Frau gut gemeint, sehr gut sogar. Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt und kann sehr dankbar über mein Leben sein und wie ich auch aus Situationen herausgekommen bin. Ich bin richtig zufrieden und das ist toll, weil man sich das Alter ja doch anders vorgestellt hat, aber es geht mir gut und ich bin zufrieden.

Haben Sie schon mal an Rente gedacht?

Nadja Tiller: Nein, in Bezug auf meinen Beruf gibt es für mich kein Rentenalter. Ich habe mir aber vor ein paar Jahren eine Art Leibrente gekauft und im Grunde genommen ist es das, wovon wir heute mehr oder weniger leben. Dazu kommt noch die staatliche Rente, die bei mir, glaube ich, 250 Euro beträgt und dann habe ich 200 Euro Rente von Österreich.

Wie haben Sie sich persönlich Ihr Alter vorgestellt?

Walter Giller: Man kann sich das Alter meiner Meinung nach nicht vorstellen. Wenn man die älteren Leute so sieht, dann denken die wenigsten Menschen daran, so werde ich auch mal, aber es ist so. Solange es sich um Wehwehchen handelt und die mit Ersatzteilen zu erledigen sind, ist es ja noch ganz gut. Das fängt oben an, die Haare sind weg, für die Augen hat man eine Brille, für die Zähne ein Gebiss, fürs Herz hat man einen Schrittmacher, für die Hüfte nimmt man immer mal eine Pille, für die Knie auch - na ja und so geht das halt hin, aber sonst ist alles in Ordnung.

Sie hatten vor ein paar Jahren Goldene Hochzeit und Ihre Ehe gilt als prima. Wie hat sich das entwickelt?

Nadja Tiller: Unsere Ehe hat sich im Laufe der Jahre ergeben. Es gab keine bestimmten Grundvoraussetzungen, wie zum Beispiel eine lange Leine lassen. Ich finde, dass heute die jungen Eheleute, und noch mehr die Frauen als die Männer, keine Geduld mehr haben. Sie wollen heiraten und sie wollen auch ein Kind, aber erst wollen sie doch noch im Beruf Karriere machen. Dann wollen sie, dass die Ehe funktioniert, das Kind soll funktionieren, der Mann soll funktionieren, kochen und einkaufen sollen sie aber auch. Und dann wächst ihnen das Ganze übern Kopf. Dann schmeißen sie es hin, weil sie vielleicht auch nicht die Kraft haben, das durchzustehen, und vielleicht auch nicht bereit sind zu tolerieren.

Das ist Ihr Rezept?

Nadja Tiller: Ich persönlich glaube, dass es wahnsinnig wichtig ist, dass man den anderen so lässt, wie er ist. Es ist eine falsche Idee, die man als junger Mensch hat, dass man den Partner ändern kann. Es ändert sich kein Mensch, jeder bleibt so, wie er ist, und man muss selber lernen, den Partner zu akzeptieren.

Glauben Sie, dass 50 Jahre Ehe mit Ihrem Beruf noch mal schwieriger zu erreichen sind?

Nadja Tiller: Ich kann nicht sagen, dass wir beide das als besonders schwierig empfunden haben, obwohl man das oft hört. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir erst mal nicht viel zusammen gearbeitet haben. Es hat aber auch damit zu tun, dass wir verschiedene Fächer sind oder waren. Ich war mehr die Grande Dame und der Vamp und Walter war der heitere, junge Mann. Dadurch sind wir uns beruflich sowieso nie in die Quere gekommen. Und es hat sich auch nur selten ergeben, dass wir gemeinsam gearbeitet haben.

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