Genau ein Jahr ist seit Donald Trumps erneuter Amtseinführung vergangen und die Welt ist in dieser Zeit eine andere geworden. Wie soll Europa auf die ständigen Drohungen des US-Präsidenten reagieren und was steckt eigentlich hinter seinem übersteigerten Interesse an Grönland? Nur wenige Stunden vor Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos versuchte Sandra Maischberger, Antworten zu finden.
Zu Gast im Studio war unter anderem der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Er sieht zwei zentrale Motive für Trumps Grönland-Fixierung. Zum einen spiele das „unfassbar narzisstische Ego des US-Präsidenten“ eine entscheidende Rolle, auf der anderen Seite würde Trump wie so oft wirtschaftliche Interessen verfolgen.
Das immer wieder vorgebrachte Sicherheitsargument wies Guttenberg entschieden zurück. Dieses sei eine „völlige Farce“, da die Amerikaner bereits mit den bestehenden Vereinbarungen die Möglichkeit hätten, jederzeit Tausende Soldaten in Grönland zu stationieren, um Sicherheitsinteressen zu wahren.
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Maischberger: Politikberater hält europäische Aufregung über Trump für übertrieben
Als Gegenpart zu Guttenberg war der konservative Politikberater Andrew Langer zugeschaltet. Er hält die europäische Aufregung über Trumps Grönland-Pläne für deutlich überzogen. Trump gehe es nicht um „imperialistische oder narzisstische Tendenzen”, sondern schlicht darum, einen Gegendruck auf Russland und China aufzubauen.
Dies mache er auf seine ganz eigene Art, denn Trump sei nun einmal ein „Disruptor, der die Dinge anders machen will”. Eine Eigenschaft, die für viele diplomatische Profis zwar extrem frustrierend sei, aber nicht automatisch bedeute, dass Trump das „schlimmstmögliche Verhalten an den Tag legen wird“.
Damit spielte Langer auf die Befürchtung an, die USA könnten Truppen nach Grönland entsenden. „Wir sollten diese Idee kategorisch ausschließen”, betonte der aus Virginia zugeschaltete Politikberater. Ein solcher Schritt wäre „eine Art Rubikon, der dann überschritten wäre“. Genauso wenig rechne man in den USA ernsthaft damit, dass Grönland zum 51. Bundesstaat werden könnte.
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Merz, Macron und Meloni würden „Good-Cop-Bad-Cop“-Strategie im Umgang mit Trump fahren
Eine Einschätzung, der Karl-Theodor zu Guttenberg entschieden widersprach. „Bei diesem Mann ist überhaupt nichts auszuschließen“, mahnte er mit Blick auf Trumps politische Unberechenbarkeit. „In dem Moment, wo man durchatmet bei Donald Trump, fliegt einem die nächste Faust ins Gesicht”, so der ehemalige Verteidigungsminister. Europa dürfe sich deshalb nicht zurücklehnen, sondern müsse „die richtige Sprache finden“.
Wie diese klingen könnte, darüber hatte wenige Minuten zuvor bereits die dreiköpfige Experten-Runde gerätselt. Besonders die Journalistin Jagoda Marinić sah Hoffnung im „raffinierten Zusammenspiel“ von Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Giorgia Meloni. Darin erkannte sie eine Art „Good-Cop-Bad-Cop“-Strategie: Während Macron mit verspiegelter Sonnenbrille fordert die „Bazooka” gegen Trump einzusetzen, wenn dieser nicht mit seinen Zolldrohungen aufhöre, würden Merz und Meloni versuchen, dem amerikanischen Präsidenten über ihren vergleichsweise guten Draht klarzumachen, dass Europa durchaus Mittel habe, um sich zu wehren.
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Guttenberg über Trump als „Bully“: „Er wird wieder zuschlagen“
Ob diese Strategie wirklich existiert, daran äußerte Karl-Theodor zu Guttenberg jedoch Zweifel. Er hoffe zwar auf ein abgestimmtes Vorgehen der europäischen Spitzenpolitiker, sicher sei er sich allerdings keineswegs. Sorge hat er insbesondere mit Blick auf die in den Raum gestellten Konsequenzen. „Alles, was man sagt, muss man am Ende auch liefern können“, mahnte der ehemalige Verteidigungsminister. Gelinge das nicht, reagiere ein „Bully wie ein Bully, dem man droht, aber am Ende nichts macht. Er wird wieder zuschlagen.“
Die Entsendung von 15 NATO-Soldaten nach Grönland löste in der Runde gemischte Reaktionen aus. Europa habe damit zumindest signalisiert, dass es weiterhin Interesse an Grönland zeige und dort „ein bisschen sein Handtuch hingelegt“, fand RTL-Politikchef Nikolas Blome.
Sein Kollege Theo Koll widersprach: Es sei eher „ein kleiner Waschlappen“ gewesen. Guttenberg wiederum konnte der Aktion wenig abgewinnen. „Große Leistung”, spottete der ehemalige Verteidigungsminister und verwies auf das „kommunikative Desaster”, das der Vorstoß seiner Ansicht nach ausgelöst habe. Man hätte viel deutlicher machen sollen, dass durch die Erkundungsmission „nur NATO-Pflichten erfüllt wurden”.




