Die „ARD“-Talkshow „Maischberger“ stellt an diesem Abend die Frage nach Europas Rolle unter Donald Trump – und danach, wie Deutschland im Superwahljahr reagieren sollte. Im Mittelpunkt: ein aufgezeichnetes Interview mit der ehemaligen US-Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sowie ein Studiogespräch mit Bundespräsident a.D. Joachim Gauck.

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Hillary Clinton über Trump-Regierung: „Die Kluft ist ziemlich tief“

Die Kluft zwischen Europa und den USA sei „im Moment ziemlich tief“, sagt Clinton, weil die Trump-Regierung europäische Staaten „schikaniere und beleidige“. Zugleich habe sie in München bei der diesjährigen Sicherheitskonferenz wahrgenommen, dass die Europäer „die Realität erkennen“ und enger zusammenrücken.

Europa müsse sich „in die Gespräche mit Trump einmischen“, fordert sie. Dessen Politik habe weltweite Auswirkungen. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine warnt Clinton vor einem „unsicheren Ende“. Wer eine „gerechte, dauerhafte Lösung“ wolle, müsse die Ukraine militärisch unterstützen. Dass Trump Unterstützung zurückziehe, sei „kontraproduktiv“. Die „NATO“ bezeichnet sie als „das wichtigste Militärbündnis in der Geschichte der Menschheit“.

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„Epstein-Files“: Clinton unterstellt Trump-Regierung politisches Ablenkmanöver

Auch auf die Epstein-Akten geht Clinton ein. „Ich habe ihn nie getroffen“, sagt sie über den verstorbenen US-Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Möglich sei allenfalls, dass sie ihm bei einem Empfang die Hand geschüttelt habe, „daran kann ich mich nicht erinnern“. Die Kontakte ihres Mannes Bill Clinton erklärt sie damit, dass Epstein ein Flugzeug für Wohltätigkeitsreisen im Zusammenhang mit HIV/AIDS zur Verfügung gestellt habe – „Jahre bevor er verurteilt wurde“.

Gleichzeitig richtet sie einen Vorwurf an die amtierende US-Regierung. Die Debatte um die Akten sei „ein bewusster Versuch“, von Donald Trump abzulenken. „Sie haben etwas zu verbergen: Ich weiß nicht, was es ist.“ Sollte sie nicht öffentlich aussagen dürfen, werde sie privat aussagen – „Es wird ihnen nicht gefallen, was ich zu sagen habe.“

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Joachim Gauck nennt Rubios München-Rede „Trump-Rede im besseren Format“

Im Studio greift Joachim Gauck die internationale Lage auf und verknüpft sie mit der deutschen Verantwortung. Auch der Bundespräsident a.D. spricht von einer „Kluft“ zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Die USA hätten nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend zur Freiheit im Westen beigetragen, sagt er – umso schwerer wiege für ihn die aktuelle Entwicklung. Dass ein „Leuchtturm der Freiheit“ selbst zur „Bedrohung der Freiheit aus der Freiheit heraus“ werde, „das macht mich kaputt“.

Die Rede von US-Außenminister Marco Rubio in München bewertet Gauck als „Trump-Rede in einem besseren Format“. Rubios Verweis auf christliche Werte weist der studierte Theologe zurück. Das Christentum stehe für Nächstenliebe und Solidarität; diese Grundhaltung erkenne er in der Politik Trumps nicht wieder. „Das kann er sich mal wirklich sonst wohin stecken.“

Taurus-Lieferung an Ukraine: Gauck nennt deutsche Zurückhaltung „Fehler“

Mit Blick auf die Ukraine wird Gauck konkret. Dass Deutschland den Marschflugkörper Taurus bislang nicht liefert, hält er „für einen Fehler“. „Wir sehen den Aggressor mit allen seinen Waffenmöglichkeiten, und das angegriffene Opfer wird von uns so behandelt, als wäre eher das Opfer der Gefährder des Friedens. Das geht nicht!“, sagt er.

„Putin kalkuliert unsere Ängste ein.“ Wer aus Sorge vor Eskalation zögere, sende das falsche Signal. Man müsse verhandlungsbereit sein, zugleich aber Stärke zeigen. Man müsse ausstrahlen: „Wenn du übermütig wirst, wird es sehr teuer für dich.“

Gauck beschreibt die Debatte in Deutschland als Abwägung zwischen Angst und Entschlossenheit. Angst sei menschlich, sagt er, „aber sie zu überwinden auch“. Deutschland sei nach der „Zeitenwende“ aufgewacht, nun müsse man handeln. Eine „hoffnungsgestützte Ohnmacht“ führe nicht weiter.

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„Sie müssen den Unterschied machen“ – Robin Alexander widerspricht Aurel Mertz

Im Kommentarblock der Sendung verschiebt sich der Fokus auf das Superwahljahr und die AfD. Ausgangspunkt ist die Frage, ob sich Entwicklungen in Deutschland mit dem Kulturkampf in den USA vergleichen lassen. Comedian Aurel Mertz wirft Bundeskanzler Friedrich Merz vor, einen Kulturkampf zu befeuern. 

Der Journalist und „Welt“-Kolumnist Robin Alexander widerspricht deutlich. „Sie müssen kein Fan von Friedrich Merz sein, aber Sie müssen den Unterschied machen“, sagt er. In den USA werde geltendes Recht infrage gestellt, in Deutschland gehe es um politische Angebote innerhalb einer demokratischen Ordnung.

Als Alexander Mertz nahelegt, im Fernsehen eine bestimmte Linie zu wählen und klarer zwischen rechts und rechtsaußen zu differenzieren, mischt sich die Chefredakteurin Digital der Funke Zentralredaktion, Melanie Amann, ein. „Ich finde, wir sollten voneinander nicht sagen, was wir im Fernsehen sagen dürfen und was nicht.“ Sie übernimmt kurz die Rolle der Vermittlerin zwischen den beiden. Die Diskussion dreht sich um Ton, Verantwortung und Abgrenzung – und darum, ob Begriffe wie „Kulturkampf“ zur Beschreibung der Lage in Deutschland taugen.

AfD-Programm in Sachsen-Anhalt und Debatte um „Remigration“

Klarer wird es beim Blick in Wahlprogramme. Alexander spricht vom AfD-Programm in Sachsen-Anhalt als „doppelt so lang wie sonst“ und verweist auf Forderungen, die weit über migrationspolitische Verschärfungen hinausgehen. Es gehe um ein umfassendes Weltbild. Amann plädiert dafür, solche Texte genau zu lesen: „Eigentlich müsste man es zur Pflichtlektüre machen – mit der gebotenen Einordnung.“ 

Joachim Gauck greift diesen Punkt noch einmal auf. Mit Blick auf Forderungen nach „Remigration“ fragt er: „Wo wären wir denn ohne die zugereisten Menschen?“ Die Debatte betreffe nicht nur Wahlkampfstrategien, sondern die Grundlagen des Zusammenlebens.