Wenn es nach US-Präsident Donald Trump geht, ist der Krieg gegen den Iran „so gut wie beendet“. Die Marine versenkt, tausende Ziele zerstört, Drohnen und Raketen abgewehrt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein anderes Bild: Die Führungs- und Kommandostrukturen der Revolutionsgarde funktionieren weiterhin und der Iran greift seine Nachbarländer sowie US-Stützpunkte mit einer großen Zahl von Drohnen, Raketen und kleinen Booten an.

Auch interessant

Sicherheitsexperte Nico Lange sieht darin eine neue Art der Kriegsführung, in der militärische Übermacht plötzlich nicht mehr die entscheidende Komponente ist. „Da sehen Sie die neue Ökonomie des Krieges. Billig schlägt teuer“, bringt er es bei Markus Lanz auf den Punkt. Der Iran setzt bei seinen Angriffen auf große Schwärme vergleichsweise günstiger Drohnen in Kombination mit ballistischen Raketen und überlastet damit milliardenschwere Abwehrsysteme. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat das Pentagon bereits Abfangraketen im Wert von rund 5,7 Milliarden US-Dollar eingesetzt, um iranische Drohnen und Raketen abzufangen. 

Damit verfolgt der Iran eine klare Strategie, erklärt die Politologin Azadeh Zamirirad. Ziel sei es, den Krieg für die Gegner möglichst teuer zu machen und so insbesondere die Trump Administration unter Druck zu setzen. „Sie ist in erster Linie Adressat“, meint die Politologin, denn aus Sicht des Islamischen Regimes ist Washington die Seite, die am ehesten sagen wird: Dieser Krieg lohnt sich eigentlich nicht. 

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

„Teheran in Flammen“: Politologin über Angst und Zweifel nach Angriffen

Der viel zitierten Euphorie vieler Iranerinnen und Iraner nach den ersten Luftangriffen sowie der Bestätigung des Todes von Revolutionsführer Ali Chamenei steht sie skeptisch gegenüber. Aktuell beobachte sie vor allem Angst und Panik: „Teheran steht in Flammen“, betont Zamirirad. Die Bilder aus der Stadt hätten etwas „Apokalyptisches“. Sie bezweifelt, ob die Militärinvasion „wirklich der Weg ist, der den Iran in eine prosperierende, demokratische Zukunft führt“. 

Auch interessant

Dabei schwingt auch die Befürchtung mit, dass sich das Islamische Regime am Ende doch halten kann. Grund für diese Annahme liefern Zamirirad unter anderem die tief verwurzelten Machtstrukturen, die weit über die Revolutionsgarde hinausgehen und sich nicht so leicht angreifen lassen. „Der Iran bereitet sich seit mehr als 45 Jahren auf einen Regimewechsel vor. Das ist die Paranoia Nummer eins in diesem System, dass man das Gefühl hat, man ist eigentlich umzingelt von feindlich gesinnten Staaten (...) und dass man in einem Belagerungszustand ist“, erklärt sie. 

Aus dieser Wahrnehmung heraus und nach den Erfahrungen des 12-Tage-Krieges seien politische und militärische Kommandostrukturen dezentralisiert worden. Untere Ränge wurden ermächtigt, eigenständig Operationen durchzuführen, falls die oberen Kommandostrukturen kollabieren. „Das sollte sicherstellen, dass man, ganz gleich, was passiert, egal, was an der Spitze kollabiert, Vergeltung ausüben kann.“

238539_569_238539_cover.jpg
Raketen aus dem Libanon: Alltag im Norden Israels im Schatten des Iran-Kriegs
Im Krisenmodus
 

Die Sendung lebt von den ausführlichen Analysen von Nico Lange und Azadeh Zamirirad. Sie bringen die komplexe Lage klar auf den Punkt. Niemand (nicht einmal Lanz) unterbricht sie. Ein Ansatz, der der verzwickten Situation angemessen erscheint.

Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert

Wahlkampf in Baden-Württemberg: CDU kritisiert Grünen-„Schmutzkampagne“

Deutlich hitziger geht es im ersten Teil der Sendung zu. Thema ist die Wahl in Baden-Württemberg und die angebliche „Vergiftung“ des politischen Klimas durch die Grünen, wie es Thomas Strobl (CDU) formuliert. Wie auch Spahn echauffiert sich Strobl über die sogenannte „Schmutzkampagne” und meint damit das kurz vor der Wahl veröffentlichte Video von Manuel Hagel durch eine Bundestagsabgeordnete der Grünen.

In dem acht Jahre alten Clip berichtet Hagel von einem Schulbesuch. In der Klasse hätten 80 Prozent Mädchen gesessen. „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen“, grinst Hagel. Über eine Schülerin sagt er: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“

Das Video sei „unter Beihilfe zahlreicher Grünen“ im Netz gehyped worden, was zu „übelsten Kommentierungen“ geführt habe, echauffiert sich Strobl weiter. Da müsse „man doch mal schauen, was das mit einem Menschen, einer Familie macht“, betont er. 

Auch interessant

Streit um CDU-Video: Bröcker und Brantner weisen Kampagnenvorwurf zurück

Gegenwind bekommt Strobl nicht nur von Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner, sondern auch von Table. Media-Chefredakteur Michael Bröcker. „Schauen Sie sich an, was die CDU im Bundestagswahlkampf mit den Grünen gemacht hat“, erinnert er Strobl. Bröcker bezweifelt, dass die Veröffentlichung des Videos und die anschließende Debatte eine koordinierte Kampagne gewesen seien. Die Grünen hätten lediglich „ein Video öffentlich kommentiert, das ohnehin in der Südwest-CDU bekannt war. Man wusste, dass es dieses Video gibt“, stellt er fest.

Auch Brantner weist den Vorwurf einer Kampagne gegen Manuel Hagel entschieden zurück: „Es war nicht unsere Kampagne. Ich wusste davon nichts, und wenn mich jemand gefragt hat, habe ich gesagt: Teile es nicht.“ Während sich Strobl weiter über die Art und Weise ärgert, sorgt sich Brantner vor allem über die Verschiebung der Debatte. Eine junge Frau teilt etwas, das ohnehin schon öffentlich ist, und wird dafür angegriffen. „Und das ist immer der gleiche Reflex“, kritisiert Brantner. „Wenn Frauen diese Themen ansprechen, dann werden die Frauen diejenigen, die attackiert werden.“