Der Iran-Krieg, das Vorgehen der USA und die Rolle Deutschlands stehen im Zentrum dieser Ausgabe von „Markus Lanz“. Es geht um militärische Eskalation, um diplomatische Optionen – und um die Frage, wie weit deutsche Verantwortung reicht. 

Schon zu Beginn beschreibt Jürgen Hardt (CDU), außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, die Lage so: „Es ist alles sehr unübersichtlich.“ Lanz hakt nach: „Blicken Sie da noch durch?“ Die Runde tastet sich im weiteren Verlauf an Antworten heran – einheitlich fallen sie nicht aus.

„Markus Lanz“ – Straße von Hormus: Wie sich der Konflikt auf uns auswirkt

Ein konkreter Punkt ist die Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports läuft. Hardt sagt dazu: „Der Iran hat seine Joker-Karte, nämlich die Straße von Hormus, ausgespielt.“ Die Folgen sind auch in Deutschland Thema. Lanz fragt nach der Versorgung mit Kerosin. 

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Hardt gibt zwar Entwarnung für Deutschland, schränkt aber ein, dass Fernreisen eher zum Problem werden könnten. Gleichzeitig benennt er das eigentliche Dilemma: Militärisch sei die Lage eskaliert, politisch bleibe am Ende „eigentlich nur eine Verhandlungslösung“. Das ist keine originelle Erkenntnis, aber eine, die in dieser Runde immerhin nicht mehr bestritten wird.

Neben der Strategie steht auch der Entscheidungsprozess in Washington in der Kritik. Hardt berichtet aus Gesprächen in den USA: „Der Kreis derer, die die Entscheidung getroffen haben, war wohl sehr eng. Man spricht von sechs Personen.“

„Sehr viel Wunschdenken“: Kritik an der US-Strategie

Militärhistoriker Matthias Strohn kritisiert die Ausgangsannahmen deutlich: „Wir haben hier falsche Analysen zu Beginn gesehen und sehr viel Wunschdenken.“ Er beschreibt, dass man in Washington offenbar davon ausgegangen sei, es könne schnell zu einem politischen Umbruch kommen. 

Auch Hardt bestätigt das: „Man hat auf das Glück gehofft, dass es zu einem Regimechange kommt und dann eine andere iranische Regierung als Gesprächspartner zur Verfügung steht.“ Strohn ordnet das historisch ein und warnt vor verkürzten Perspektiven. „Dies ist eine Gesellschaft, die denkt in Jahrtausenden. Das muss man verstehen, wenn man solche Konflikte bewertet.“

Trump, Netanjahu – und verlorenes Vertrauen in Verhandlungen

Politologin Cathryn Clüver Ashbrook beschreibt, wie das Vorgehen der USA wahrgenommen wird. „Trump hat die naiven Realitäten eines Benjamin Netanjahu geglaubt und hat die USA jetzt nicht nur in diese außenpolitischen Verwerfungen gezogen, sondern auch in große innenpolitische Verwerfungen.“ 

Dabei kritisiert sie vorwiegend die Entscheidungsprozesse: „Die tiefe Expertise ist auf die Straße gesetzt worden. Was wir hier sehen, sind Fehler, die Autokratien oft machen, wenn sie sich nur noch mit Loyalisten und Ja-Sagern umgeben.“ Ihr Fazit ist deutlich: „Das Vertrauen in einen haltbaren Verhandlungsrahmen ist inzwischen absolut zerrüttet.“ Gleichzeitig verweist sie auf mögliche nächste Eskalationsstufen – etwa Cyberangriffe, bei denen der Iran „über die Jahre sehr große Kapazitäten aufgebaut“ habe.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Deutschlands Rolle im Nahostkonflikt wird zum Streitpunkt

Am deutlichsten gehen die Positionen der Gäste auseinander, als es um deutsche Waffenlieferungen an Israel geht. „Dieser Krieg ist im deutschen Interesse?“, fragt Lanz. Hardt antwortet: „Im deutschen Interesse ist die Verhinderung, dass der Iran sich atomar bewaffnet. Und jede einzelne Waffenlieferung wird in Deutschland sorgfältig geprüft.“ 

Nahost‑Expertin Kristin Helberg widerspricht ausführlich: „Panzerteile, die aus Deutschland kommen, werden verbaut in Israel und rollen durch Gaza. Deutschland ist damit aktiv beteiligt an Vorwürfen wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen. Und Sie sprechen immer noch davon, dass das alles im deutschen Interesse ist. Das finde ich richtig erschreckend. Das ist entweder Realitätsverweigerung oder Orientierungslosigkeit.“ 

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Welche Verantwortung trägt Deutschland im Iran-Krieg?

Hardt weist das zurück, man habe alles sorgfältig geprüft. „Wir haben sehr lange an einer diplomatischen, an einer vertraglichen Lösung gearbeitet, um die atomare Bewaffnung des Iran zu verhindern.“ Zudem unterstreicht er: „Der Vorwurf, wir würden hier auf kriegerische Methoden setzen – im Gegenteil.“

Insgesamt ist die Runde sich darüber einig, dass die Lage „sehr unübersichtlich“ sei und die Erwartungen an einen schnellen politischen Umbruch zu optimistisch. Gleichzeitig wird deutlich, wie unterschiedlich die Schlussfolgerungen ausfallen. Während Hardt an sicherheitspolitischen Zielen und diplomatischen Bemühungen festhält, stellt Helberg die deutsche Rolle grundsätzlich infrage. 

Ashbrook beschreibt ein beschädigtes Vertrauen in Verhandlungen, Strohn verweist auf strukturelle Fehleinschätzungen. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen militärischer Eskalation, diplomatischer Notwendigkeit und der offenen Frage, welche Verantwortung Deutschland in diesem Konflikt trägt.