Im Mittelpunkt der Runde von Markus Lanz am Dienstagabend standen die verheerenden russischen Großangriffe auf die Ukraine, das Zaudern Europas und die weiterhin unberechenbare US-Außenpolitik.
Angriffe in Kiew: Journalistin spricht von „besorgniserregender Nacht“
Nach einem schwierigen Winter mit Temperaturen von bis zu minus 24 Grad ohne Strom und Wasser habe der Großangriff zu einer „wirklich besonders beängstigenden Nacht“ geführt, schildert die ARD-Journalistin Susanne Petersohn, die aus Kiew zugeschaltet ist. Zum ersten Mal sei sie in eine U-Bahn-Station gerannt, eine Angriffswelle folgte auf die nächste.
Am Morgen war das ARD-Studio völlig zerstört; das Team muss derzeit aus dem Hotel arbeiten. Der Großangriff mit 90 Raketen und 600 Drohnen sei ein klares Zeichen Richtung Westen und Nato gewesen.
Das Wort „Resilienz“ wollen die Menschen vor Ort laut Petersohn nicht mehr hören: „Sie sagen: ,Wir sind nicht resilient, wir haben keine andere Wahl.‘“ Die Erschöpfung der Bevölkerung sei riesig. „Man merkt diese Müdigkeit“, so Petersohn. „Ukrainer:innen sagen: ,Wir wollten diesen Krieg nie, wir können nicht mehr.‘“
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
„Markus Lanz“ im ZDF: Gabriel schließt nicht aus, dass Putin Atomwaffen einsetzt
Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, Putin versuche zu zeigen, dass er nach wie vor Herr der Lage sei. Deshalb halte er den Einsatz von Nuklearwaffen „nicht für ausgeschlossen, wenn Russland wirklich mit dem Rücken zur Wand steht“.
Und der Politologe Peter Neumann (CDU) wies auf die psychologische Kriegsführung Moskaus hin. Denn die beim jüngsten Angriff erneut eingesetzte Mittelstreckenrakete Oreschnik sei aufgrund ihrer Geschwindigkeit von rund 10.000 km/h „faktisch nicht abzufangen“, erklärt er. Durch diese Waffenwahl würden die Russen quasi auch die europäischen Unterstützerstaaten bedrohen: „Wenn ihr unser Hinterland angreift, greifen wir euer Hinterland an“.
Mit Blick auf die atomare Bedrohung erklärt die Journalistin Kristina Dunz („Redaktionsnetzwerks Deutschland“): „Eine mit atomaren Sprengköpfen reicht. Und niemand schließt mehr aus, dass Putin gesichtswahrend aus der Geschichte kommt. Das macht die Lage im Moment so gefährlich.“
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Gabriel bei „Lanz“: „Ukraine hätte auch ohne Korruption keine Chance auf EU-Beitritt“
Gleichzeitig rückt der einst für die Ukraine in Aussicht gestellte EU-Beitritt in weite Ferne. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach jüngst nur noch von einem möglichen Sonderstatus. Dazu findet Sigmar Gabriel an diesem Abend deutliche Worte: Selbst wenn die Ukraine keine Korruption hätte, hätte sie keine Chance. Man müsse sich „ehrlich machen“ und zugeben, dass das Land die Kriterien zur Aufnahme nicht erfüllen könne. Stattdessen plädiert er an diesem Abend wiederholt für eine Alternative zwischen Vollmitgliedschaft und Nicht-Mitgliedschaft – auch im Sinne anderer Staaten.
Neumann sieht das genauso und warnt gleichzeitig vor den Folgen des langen Wartens für die Westbalkanstaaten: „Wir dürfen nicht überrascht sein, wenn wir sie noch 20 Jahre warten lassen und sie sich dann nach Russland oder China wenden.“ Dunz bilanziert bitter: „Als Westen geben wir ein katastrophales Bild ab. Für Putin kann ja nichts Besseres passieren, als dass die EU sich schwach und zerrüttet zeigt.“
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Iran-Talk bei „Lanz“: Für Iran hat sich der Krieg gelohnt
Und dann lenkt die Runde den Blick noch auf den Iran. „Wir hatten das noch nie, dass die Verhandlung über das Ende eines Krieges live auf Social Media kommentiert wurde und das auch noch von einem Präsidenten“, urteilt Peter Neumann. Das ungelöste Atomprogramm bleibe das Kernproblem, weshalb es bislang keine Ergebnisse gebe.
Denn Trump brauche einen Deal, der besser als der von Obama sei. Aus dessen Abkommen war Trump einseitig ausgestiegen und nun könne er deshalb kein ähnliches Ergebnis präsentieren. Für Iran habe sich der Krieg am Ende deshalb wahrscheinlich am meisten gelohnt. Denn die Forderungen sind klar: Alle Sanktionen sollen gestrichen und alle eingefrorenen Vermögen freigegeben werden – und das sei mehr als vor dem Krieg.









