Wie bei „Caren Miosga“ üblich beginnt das Zwiegespräch zwischen Moderatorin und Gast freundlich, ja fast kuschelig. Es wird viel gelächelt, Miosga spielt SPD-Co-Chefin Bärbel Bas die Bälle zu, statt kritisch nachzufragen. Hier nur drei Beispiele: „Sie sind die Bärbel aus Duisburg geblieben, oder?“ „Wie oft schaffen sie es noch nach Duisburg?“, „Sehen sie sich in einer Außenseiterposition im klassischen Politikbetrieb?“
Bei all diesen Fragen fällt es Bas leicht, gefällig zu antworten. Dabei ist ihre Ausgangslage mehr als kritisch. Die SPD steht in Umfragen bei 12 Prozent. Weiterhin warten die Bürger auf eine Rentenreform – Bas‘ eigenem Zuständigkeitsbereich als Arbeits- und Sozialministerin.
Zusätzlich sorgt Bas’ Doppelrolle als Ministerin und Parteichefin zunehmend für Konflikte. Miosga benennt dieses Problem auch in der Sendung und nennt es einen „Spagat“.
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Miosga hätte durchaus fragen können, ob diese Doppelrolle überhaupt sinnvoll ist. Die Grünen zum Beispiel trennen diese Ämter auf Bundesebene. Doch stattdessen fragt Miosga zu Beginn naiv nach Bas Herkunft und Werdegang – Steilvorlagen für die Ministerin.
Bas ist als eines von sechs Kindern eines Busfahrers und einer Hausfrau aufgewachsen: „Sie haben Hauptabschluss gemacht, sich dann hochgearbeitet“, beschreibt Miosga Bas’ Anfänge und will wissen, ob Bas sich deshalb als Außenseiterin in der Politik fühle.
| Name | Bärbel Bas |
| Geburtsdatum | 3. Mai 1968 |
| Amt | Arbeitsministerin, Co-Parteivorsitzende |
| Partei | SPD (seit Oktober 1988) |
| Ausbildung | mehrere, u.a.: Sozialversicherungsfachangestellte |
| Familienstand | verwitwet, keine Kinder |
| Hobbys | Wandern, Natur, Fitness |
Doch Bas will Miosgas Beschreibung so nicht stehen lassen. Immer wieder werde sie „reduziert“ auf den Hauptschulabschluss: „Dass ich zwei Ausbildungen gemacht habe, das wird dann verschwiegen.“ Bas legt damit auch Miosgas eigene Neigung offen: Auch die Moderatorin hatte die zwei Ausbildungen nicht erwähnt. Sind diese in den von Akademikern dominierten Talkshows nicht erwähnenswert?
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Bärbel Bas: Nur Phrasen zur SPD-Krise
Als Miosga kritischer wird und Bas zur Krise der SPD befragt, hat diese erwartungsgemäß nur Phrasen zu liefern: Man müsse „wieder in den Dialog mit den Bürgern kommen“ und „klarmachen, wofür wir stehen“.Alles schon tausendmal gehört.
Spannender wird es, als nach der Hälfte der Sendung die Runde ergänzt wird. Der Leiter des „Tagesspiegel“-Hauptstadtbüros, Daniel Friedrich Sturm, und der Ökonom Moritz Schularick streiten mit Bas über die oft gestellte Frage: Arbeiten wir in Deutschland zu wenig?
Sturm eröffnet den Streit mit der Aussage: „Gesamtgesellschaftlich arbeiten die Deutschen zu wenig.“ Das erzeugt sofort Widerspruch bei Bas: „Das stimmt überhaupt nicht. Wie kommen sie darauf?“
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Bas: „Wir haben 1,2 Milliarden Überstunden“
„Vergleichen Sie es doch mit anderen Ländern“, argumentiert Sturm und nennt Griechenland und die Schweiz, die höhere Wochenarbeitszeiten hätten. Bas geht darauf nicht direkt ein: „Wir haben 1,2 Milliarden Überstunden – die Hälfte wird nicht bezahlt. Da können sie doch nicht behaupten, es wird zu wenig gearbeitet in diesem Land.“
Miosga schaltet den Ökonomen Moritz Schularick ein, um die Diskussion einzuordnen. Dieser taugt als Ökonom des marktliberalen Instituts für Weltwirtschaft Kiel zwar nicht als neutraler Schiedsrichter, aber er bringt einen wichtigen Begriff in die Debatte ein: das Arbeitsvolumen.
Damit ist nicht die Wochenarbeitszeit der Einzelnen gemeint, sondern die Arbeitszeit aller arbeitenden Menschen in Deutschland zusammen. Dieses Arbeitsvolumen sei rückläufig, erklärt Schularick. Das liege an den geburtenstarken Jahrgängen, die nun Jahr für Jahr in Rente gehen und dem Arbeitsmarkt fehlen. Das müsse kompensiert werden: „Wenn wir wachsen wollen, müssen wir da auch mehr Arbeit reinstecken.“ Er schiebt aber auch nach: Der größere Hebel sei es, die geleistete Arbeit „produktiver“ zu machen, zum Beispiel mit Hilfe von KI.
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Widerspruch zu Klingbeil? – Bas klärt auf
Miosga spielt nun einen Ausschnitt von Lars Klingbeil ein, in dem der andere SPD-Chef auch dafür plädiert, dass mehr gearbeitet werden müsse. Bas sieht darin keinen Widerspruch und zählt Wege auf, wie sich das Arbeitsvolumen erhöhen ließe.
Dabei nennt sie Frauen in Teilzeit, die an mehr Arbeit gehindert würden, sie nennt Migranten, die man besser qualifizieren und in Arbeit bringen könnte. Sie nennt Frauen in Teilzeit, die an mehr Arbeit gehindert würden, außerdem Migranten, die man besser qualifizieren und einsetzen könnte. Auch ältere Menschen und Behinderte würden auf dem Arbeitsmarkt oft diskriminiert. „Die müssen wir dazu bekommen, dass sie mehr arbeiten.“
Miosga will jetzt einen Widerspruch erkannt haben: Vor dem Einspieler hätte Bas noch gesagt, wir müssen nicht mehr arbeiten. Bas kann das aber ausräumen: „Die Wochenarbeitszeit ist doch etwas anderes“, erklärt sie daraufhin. Ihr gehe es um bestimmte Gruppen, bei denen das Potenzial nicht gehoben sei – genau wie Klingbeil auch. Die Zuschauer könnten bei dieser Sendung genau das gelernt haben: auf den Unterschied zwischen Wochenarbeitszeit und Arbeitsvolumen zu achten. Das würde unnötige Debatten darüber, ob wir „zu faul“ sind, in Zukunft im Keim ersticken.




![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)






