Was für eine Stimmung in der Oberhausener Rudolf-Weber-Arena: 13.000 Fans feierten am Samstagabend in der Rudolf-Weber-Arena. „Wir haben ein Statement gesetzt! Das deutsche Boxen lebt“, rief Agit Kabayel der ausrastenden Menge entgegen. Seine ersten Worte als Sieger über Damian Knyba - der Pole hatte ihm zwar einen Cut am Auge verpasst, war aber chancenlos.. Der lang herbeigesehnte Kampf war nach nicht einmal drei Runden zu Ende, technischer K.o. Der Fokus ging vom Sportlichen schnell auf die Stimmung - und auf die Zukunft.
„Uuuuuusyk“ forderten die Fans so laut als Gegner, dass Kabayels Antwort auf die Frage nach der Zukunft in der Halle kaum zu verstehen war. Dass Kabayel wirklich bald um einen WM-Titel gegen den ukrainischen Mehrfach-Weltmeister kämpfen darf, ist aber eher unwahrscheinlich. Kabayel wurde auch nach dem Kampf mehrfach auf Usyk angesprochen - er will auf jeden Fall das Duell.
Usyk ist als nächster Kabayel-Gegner eher unwahrscheinlich
Er sagte aber auch, dass es nicht an ihm liege. „Dieser Mann ist der beste Boxer der Welt“, huldigte Kabayel den Ukrainer. „Habe ich den Kampf gegen Usyk verdient? Ich denke schon, dass ich den Kampf verdient habe. Ja, ich bin ready“, sagte der 33-Jährige in den Katakomben der Arena. „Er ist ungeschlagen, ich bin ungeschlagen. Warum nicht? Let‘s go.“
Kabayel soll bald wieder in Deutschland boxen
Das Duell ist dennoch aber eher unwahrscheinlich. Die Gegnersuche für das nächste Event dürfte also wieder mal spannend werden. Der nächste Deutschland-Kampf von Kabayel soll nämlich nicht lange hin sein - das machten die Manager Spencer Brown und George Warren noch im Ring deutlich.
„Das war die beste Atmosphäre, die ich je beim Boxen erlebt habe“, schwärmte Warren über das Gebrüll der Fans. „Das ist der Plan“, antwortete Brown auf die Frage, ob Kabayel nochmal in Deutschland kämpfen solle - „wir kommen im Sommer wieder, und dann in einem Stadion“. - „Warum nicht? Schaut euch die Fans hier an“, war Kabayels einfache Antwort auf die Frage, ob er so einen Abend nochmal erleben wolle. Seit dem Kampf Klitschko gegen Fury vor über zehn Jahren gab es in Deutschland kein Box-Event mehr mit so vielen Zuschauern.

Schon Stunden vor dem Kampf gab es für die Fans in der Arena nur einen: „Agit! Agit!“ schrien sie, wenn der Bochumer nur auf der Leinwand eingeblendet wurde. Damian Knyba wurde dann ausgepfiffen, als er mit Engelsflügen einmarschierte, begleitet von Rittern und getragener Musik. Kabayel machte mit Einlaufmusik von KC Rebell weniger Show - dann ging es los.
Die erste Runde ging recht deutlich an den Polen - nicht das erste Mal, dass Kabayel nicht gut beginnt. „Da habe ich nicht auf meinen Trainer gehört“, räumte er nachher ein. Ab Runde zwei trieb er Knyba dann aber teilweise vor sich her. Gegen Ende der dritten Runde konnte Knyba sich kaum auf den Beinen halten. Er schleppte sich Richtung Runden-Ende - bevor der Gong ertönte, brach der Ringrichter ab. Zu früh, fand Knybas Lager - aber das ging im Siegestaumel unter.

Kabayel: „Worte können nicht beschreiben, was mir das bedeutet hat. Die Energie und die Liebe in der Arena, aber auch von zu Hause in den vergangenen Wochen, waren unglaublich.“ Er könne kaum erwarten, weiterzumachen.
Eine große Partynacht kündigte er aber nicht an: Nach wochenlanger Vorbereitung und Abschottung freue er sich vor allem darauf, nach Hause zu kommen und Zeit mit seiner Familie zu verbringen - als Belohnung für den Sieg gab es aber noch einen Burger.
Hier können Sie unseren Live-Blog vom Kampfabend noch einmal nach erleben.
In diesem Artikel gibt es die wichtigsten Infos und Hintergründe zur großen Kabayel-Heimkehr – und auch, welche Fragen noch offen sind.
Agit Kabayel gegen Knyba: So läuft der Kampfabend ab
Bereits um 16 Uhr finden die ersten Kämpfe in der Oberhausener Rudolf-Weber ab - die sogenannte „Undercard“ beschreibt im Boxen das Vorprogramm vor dem Hauptkampf. Dabei geht es durchaus auch um Titel. Der Hauptkampf steigt erst später am Abend, Agit Kabayel kämpft voraussichtlich etwa gegen 22 Uhr.
Bereits um 16.05 Uhr beginnt die Übertragung der „Early Undercard“, unter anderem mit dem Bochumer Kevin Sazik im Auftaktkampf. Die ersten vier Kämpfe sind auch kostenlos zu sehen, zum Beispiel auf dem DAZN-Youtube-Kanal. Der offizielle Beginn der Übertragung ist 18.45 Uhr: Laura Wontorra moderiert die Übertragung aus Oberhausen, als Expertin ist Regina Halmich dabei. Kommentator Uli Hebel und die Experten Bernd Bönte (ehemaliger Manager der Klitschko-Brüder) und Andreas Selak werden die Kämpfe begleiten
Die Kämpfe im Überblick:
- Agit Kabayel vs. Damian Knyba (Schwergewicht)
- Granit Shala vs. Peter Milas (Schwergewicht)
- Jadier Herrera vs. Ricardo Nunez (Leichtgewicht)
- Nelvie Tiafack vs. Piotr Cwik (Schwergewicht)
- David Adeleye vs. Osasu Otoba (Schwergewicht)
- Oronzo Birardi vs. Milosav Savic (Cruisergewicht)
- Roman Fury vs. Steffan Hughes (Schwergewicht)
- Daniel Dietz vs. Seun Salami (Schwergewicht)
- Gleb Bakshi vs. Juan Duran (Mittelgewicht)
- Kevin Sazik vs. Patrick Schäfer (Schwergewicht)
Agit Kabayel boxt in Oberhausen - wer ist sein Gegner?
Damian Knyba will seine große Chance nutzen und Kabayel besiegen. Zuvor hatte es viele Spekulationen um den Gegner gegeben. Zuletzt sorgte Ex-Weltmeister Daniel Dubois für Aufsehen, als er Agit Kabayel herausforderte. Auch der ehemalige Olympiasieger Tony Yoka brachte sich selbst ins Gespräch und verkündete, er habe einen Vertrag unterschrieben, gegen Kabayel zu kämpfen. Vor allem Dubois ist auch in Zukunft ein möglicher Gegner, erstmal geht es aber gegen Knyba.

Der 29 Jahre alte Knyba hat bislang alle seine 17 Profi-Kämpfe gewonnen, elf davon durch K.O. Der Kabayel-Fight wird sein erster Kampf, der nicht in den USA oder in Polen stattfindet. Trotz seiner makellosen Bilanz gilt Knyba nicht als Weltklasse-Boxer und ist klarer Außenseiter gegen Kabayel, der für sich beansprucht, der beste der Welt zu sein. Knyba ist Kabayel allerdings körperlich überlegen, fast zehn Zentimeter größer - genau wie der letzte Kabayel-Gegner Zhilei Zhang, der Kabayel zumindest kurzzeitig vor Probleme stellte.
Tickets sind ausverkauft: Wo wird der Kabayel-Kampf übertragen?
„Bitte fallt nicht auf falsche Profile oder angebliche Angebote rein“, schrieb Kabayel schon vor Wochen, als es noch gar keine Tickets gab - da zeichnete sich die hohe Nachfrage schon ab. Das gilt jetzt umso mehr, da die Tickets vergriffen sind.
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Am 5. November 2025 begann ein exklusiver Vorverkauf, ab 7. November 2025 war der Ticketverkauf frei - und viele Kategorien schon nach wenigen Tagen ausverkauft, insbesondere die besten Plätze waren schnell weg. „90 Prozent ausverkauft“ hieß es aus Kabayels Lager Anfang November 2025. Wenige Tage später meldeten die Veranstalter dann, dass alle Tickets weg seien. Mehr als 12.000 Karten habe man verkauft, damit sei die Halle voll.
Damit erfüllt sich Kabayels Hoffnung, dass die Halle „ratzfatz“ ausverkauft sei, wie er sagte, auch um ein Zeichen zu setzen, dass in Deutschland eine große Box-Begeisterung herrscht. Immerhin will er im nächsten Sommer im besten Fall ein Stadion füllen.

Darüber hinaus freut sich der Sender DAZN - der wirtschaftliche Erfolg des Kampfes bemisst sich nämlich nicht nur am Ticketverkauf, sondern auch wie viele Menschen den Kampf im TV schauen. DAZN wird den Kampf auf der ganzen Welt übertragen - exklusiv und als Pay-per-view-Veranstaltung.
Der Kampf ist also nicht im „normalen“ DAZN-Abo enthalten, sondern muss zu einem bestehenden Abonnement zum Preis von mindestens 19,99 Euro zusätzlich hinzugebucht werden. Mit dem Preis für den Kampf überraschte der Streaming-Anbieter aber positiv: Mit nur 9,99 Euro kostet es vergleichsweise wenig, die Kabayel-Übertragung zu buchen. Der Preis soll die Tür zu einer neuen Ära des Boxens öffnen, erklärte der Sender in einer Pressemitteilung.
Worum geht es für Agit Kabayel in Oberhausen?
Das große Ziel und der Traum des Bochumers ist der Weltmeistertitel im Schwergewicht – nach Meinung vieler Experten ist das sportlich auch möglich. Da solche Titelkämpfe im Boxen aber komplizierter zustande kommen als zum Beispiel bei Fußball-Weltmeisterschaften, muss Kabayel warten, bis sich die Chance ergibt – dahinter stecken viel Geld und Politik.

Rein sportlich geht es für Kabayel also „nur“ darum, seine Position zu halten. Genauso wichtig ist aber ein anderer Aspekt: Kabayel will für Box-Begeisterung in Deutschland sorgen. Sein letzter Kampf in Deutschland fand vor drei Jahren im Bochumer Ruhrcongress statt, der Schritt in die Arena ist groß.
Was bedeutet das Event für Boxen in Deutschland?
Kabayels Kampf in Oberhausen hat eine große Bedeutung. „Das ist das größte Box-Event in Deutschland seit Klitschko gegen Fury 2015“, erklärt Kabayels Manager Lasse Krüger. Dieser Kampf damals fand im Düsseldorfer Stadion statt. So berühmt und bekannt zu werden, ist auch das Ziel von Kabayel und seinen Leuten.
„Boxen in Deutschland wieder groß machen“ und „Deutschland wieder auf die Karte bringen“, darum geht es Kabayel auch. „Wir wollen auch einen eigenen Markt aufbauen“, erklärt Lasse Krüger. Wenn die Premiere in Oberhausen gut geht, sind weitere große Kabayel-Kämpfe geplant. Ein Stadionkampf im nächsten Sommer ist realistisch. Je nach Bekanntheitsgrad des Gegners und sportlicher Bedeutung kommen die Schalker Veltins-Arena oder das Bochumer Ruhrstadion in Frage, Düsseldorf ist auch eine Option.
Wie viel Geld verdienen die Boxer mit dem Kampf?
„Genug“, sagt Kabayel-Manager Lasse Krüger auf die Frage nach der Kampfbörse. Kabayel wird auf jeden Fall einen Millionenbetrag mit dem Kampf verdienen. Wie das Geld unter den beiden Boxern aufgeteilt wird, wird individuell verhandelt. Auch die Frage, ob die beiden Lager sich finanziell einigen können, entscheidet, ob ein geplanter Kampf überhaupt zustande kommt. Manchmal ist das sogar wichtiger als die Frage, ob ein Kampf sportlich Sinn ergibt.
Lasse Krüger erklärt: „Mit Boxen kann man sehr, sehr gutes Geld verdienen im Vergleich dazu, was normale Menschen verdienen. Aber man muss auch betrachten, wie viele Jahre hat man da reingesteckt? Agit und Sükrü haben über zehn Jahre hier rein investiert und sich darauf vorbereitet. Und dadurch kommt auf jeden Fall Geld im siebenstelligen Bereich herum.“
Kabayel ist in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen, arbeitete auch als Türsteher - zehn Jahre später ist seine Karriere auf dem Höhepunkt. Er lebt auch heute weiter in Wattenscheid, nicht unbedingt so, wie man sich ein Millionärsleben vorstellt. Aber er ist stolz, die Geldsorgen hinter sich gelassen zu haben. Und stellte zuletzt schon klar, dass er sowieso nicht mehr für Geld kämpfen muss. Er habe ausgesorgt - für ihn gehe vor allem um den Traum vom WM-Titel.
- Datum: 10. Januar 2026
- Ort: Rudolf-Weber-Arena Oberhausen
- Motto: Homecoming
- TV/Stream: DAZN (Pay-per-view)




