Boomer, die versuchen zu sprechen, wie die Generation Z, sind nach deren Dafürhalten eigentlich „cringe“. Also peinlich. Christoph Segerath, Bezirksleiter der Bäckerei Schollin und mit 59 Jahren definitiv Teil der Baby-Boomer-Generation, aber ist „slay“. Also großartig. Oder „niiiiedlich“, oder „cute“, wie die Follower des Schollin-Tiktok-Accounts finden. Obwohl er Jugendsprache benutzt. Oder weil. Christoph Segerath ist der heimliche Star des Schollin-Tiktok-Kanals. Wenn er zu sehen ist, regnet es Herzchen. Der 59-Jährige ist so spaßig, dass Mitarbeiterin Jasmin Wardezki ihn beim Bossduell des Radio-Senders 1Live als lustigsten Chef vorgeschlagen hat.
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Jasmin Wardezki (23) ist Marketingreferentin bei Schollin. „Tiktok ist mein zuhause“, sagt sie. Sie wurde von Schollin direkt nach der Uni (sie hat Journalismus und PR in Gelsenkirchen studiert) engagiert. „Wir brauchen Tiktok“ soll Chef Thomas Schollin gesagt haben. Seit knapp einem Jahr ist sie für die Social Media-Kanäle des Unternehmens zuständig. Seitdem hat die Dinslakener Bäckerei einen Tiktok-Kanal. Und der ist ziemlich witzig – und beliebt. Knapp 240.000 Aufrufe hat der meistgesehene Beitrag: Klaus Becker, Geschäftsführer bei Schollin, wurde Schützenkönig beim BSV Mehr-Ork-Gest – und sein Team hat da am nächsten Tag etwas vorbereitet.
In anderen Beiträgen werden die Zuspätkommer der Zentrale vorgestellt – und dabei ganz charmant das ganze Team - oder die Videos zeigen die tanzenden Angestellten vor Dienstbeginn und nach Feierabend oder das Gesicht des Verkäufers, wenn der Kunde kurz vor Feierabend ein Zwiebelmettbrötchen bestellt – und nachdem es fertig ist, ein „ohne Zwiebeln“ hinterherschiebt.
Dinslakener Traditionsunternehmen
Die Bäckerei Schollin ist ein Dinslakener Traditionsunternehmen. Die erste Schollin-Bäckerei gründete der Bäckermeister Eduard Schollin 1853 mit seiner Frau Katharina am Altmarkt Dinslaken - in dem schnuckeligen Häuschen ist sie auch heute noch zu finden. Thomas Schollin führt das Unternehmen seit 2000 in fünfter Generation. Heute hat das Unternehmen 63 Filialen und 75 Schulbistros am ganzen Niederrhein sowie in Oberhausen und Duisburg - darunter auch am Otto-Hahn- und am Theodor-Heuss-Gymnasium sowie am Berufskolleg in Dinslaken - und mehr als 1000 Mitarbeiter.
Geköpfter Stutenkerl? „Gottlos“
Und es gibt die „Christoph-Momente“, wie Jasmin Wardezki sie nennt. Die Videos mit dem Bezirksleiter der 75 Schollin-Schulbistros. „Hi Besties, heute gibt es eine freshe Roomtour bei Schollin“, sagt er etwa artig in weißem Hemd und schwarzer Hose in die Kamera. Das Video, das sich laut Titel an die „GenZ“ richtet, zeigt das Großraumbüro von Schollin. Kommentar des 59-Jährigen dazu: „sus“ (supekt), weil es an diesem Tag recht leer ist. Und die Backstube – Erklärung: „Die craften hier Euer Food“. Die Kolleginnen sind „Queens“ und spätestens beim Kommentar zum geköpften Stutenkerl – „gottlos“ – hat Christoph Segerath alle Lacher auf seiner Seite. Der Aufforderung am Ende des Videos – „bewerbt Euch, Girliegirls“ – wollten den Kommentaren nach einige folgen und spontan ihre Jobs anderswo aufgeben.
1Live hat die Dinslakener Bäckerei angesprochen

Offenbar ist auch 1Live auf den spaßigen Account der Dinslakener Bäckerei aufmerksam geworden. Als es darum ging, den lustigsten Chef im sogenannten „1Live-Sektor“ zu suchen, hat das Team bei Jasmin Wardezki nachgefragt, „ob wir nicht Lust hätten, mitzumachen.“ Natürlich war Christoph Segerath einverstanden. „Ich bin für solche Späße immer zu haben“, sagt er und lacht. Denn privat ist er auch kein Kind von Traurigkeit: Der 59-Jährige, der früher den Kirchenchor an St. Johannes geleitet hat, ist der Präsident des Karnevalsvereins KG Rot-Weiß Alt-Walsum.
Ich hab‘s bis heute nicht verstanden. Jasmin hat mir den Text vorgelegt
Christoph Segerath, heimlicher Tiktok-Star der Dinslakener Bärckerei Schollin zum Video in „Jugendsprache“
Die Einreichfrist für den 1Live-Wettbewerb endete schon am nächsten Tag. Trotzdem hatte Jasmin Wardezki leichtes Spiel. „Ich musste für die Teilnahme noch nicht mal ein eigenes Video drehen, sondern konnte die, die wir schon haben, zusammenschneiden.“ Weil es eben schon „genug Christoph-Momente“ gibt. Ein Tanzvideo von Weihnachten etwa (mit 17.000 Likes) – oder das „GenZ“-Video (21.200 Likes). Was er da sagt? „Ich hab‘s bis heute nicht verstanden“, bekennt Christoph Segerath und lacht: „Jasmin hat mir den Text vorgelegt.“ Auf jeden Fall habe das Ganze „viel Spaß gemacht“ und auch seine Nichten und Neffen finden „brillant, was der alte Onkel macht“.
Einen anderen Chef zu finden, der so locker und witzig drauf ist, wird ganz schön schwierig
Jasmin Wardezki über Bezirksleiter Christoph Segerath
„Ihm ist einfach nichts zu peinlich und er ist bei jedem Scheiß dabei. Einen anderen Chef zu finden, der so locker und witzig drauf ist, wird ganz schön schwierig“, so preist Jasmin Wardezki den Bezirksleiter im Video für 1Live an, während dieser in die Kamera lächelt und ein „Peace“-Zeichen macht. Wegen der „coolen Pose“ komme er „nochmal so gut an“, findet die Marketingreferentin. Und 2643 andere fanden das auch. So viele Likes bekam das Video auf der Instagram-Seite von 1Live beim Bossduell - das war der dritte Platz.
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Pietro Lombardis Manager wurde Erster
Auf Platz 1 landete mit 9622 Likes der Manager von Pietro Lombardi, Markus Krampe, der früher auch Michael Wendler gemaneged hat - mit prominenter Starthilfe: Denn Pietro Lombardi (zwei Millionen Follower) hat den Post kommentiert. Und auf den zweiten Platz kam mit 4876 Likes Philipp Hitschler, der nicht nur das gleichnamige Süßwarenunternehmen führt, sondern laut Jasmin Wardezki privat selbst eine Art „Influencer“ ist – mit 157.000 Followern. Das Schollin-Team ist stolz auf den Erfolg – immerhin habe man einen Riesen wie Urlaubs-Guru hinter sich gelassen. Eine „kleine Bäckerei aus Dinslaken“ hätte ihr auf Platz 1 zwar besser gefallen, sagt Jasmin Wardezki. Aber, an Christoph Segerath gewandt: „Für uns bist du die Nummer 1“.
Auf dem Tiktok-Kanal von Schollin gibt es übrigens schon einen neuen „Christoph-Moment“. Und die Generation Z ist hingerissen: „Liebs omg!“



