Ganz gegen den Bundestrend konnte die SPD den Wahlkreis Oberhausen-Dinslaken (Wesel III) für sich entscheiden. 260 von 270 Wahlbezirken sind ausgezählt - und mit einem hauchdünnen Vorsprung bei den Zweit- und rund 5 Prozent mehr bei den Erststimmen stand SPD-Kandidat Dirk Vöpel vor Simone Tatjana Stehr (CDU). Damit ist die SPD zwar wohl Sieger im Wahlkreis - muss aber gegenüber der Bundestagswahl 2021 erhebliche Verluste hinnehmen. Damals erreichten die Sozialdemokraten 38,8 Prozent der Erst- und 36,8 Prozent der Zweitstimmen. Auch in Dinslaken selbst haben die SPD und ihr Kandidat Dirk Vöpel knapp die Nase von - ließen allerdings auch Federn: 32,60 Prozent bei den Erst- und 26,74 Prozent bei den Zweitstimmen - 2021 waren es noch 38,42 beziehungsweise 37,04 Prozent.
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Sein Verbleib im Bundestag sei somit wohl gesichert, meinte Dirk Vöpel (SPD) erleichtert. Er hat die ersten Hochrechnungen bei der Wahlveranstaltung der SPD Dinslaken im Schlosscafé der AWO verfolgt. Das bundesweite Wahlergebnis drückte da mächtig auf die Stimmung: Die SPD habe die Erststimmen im Wahlkreis verteidigen können. Aber das Gesamtergebnis sei „desaströs für die Bundespartei“, so Vöpel. „Der Kanzler war zu lange zu leise“, so seine Analyse. Die SPD habe gute Politik gemacht - aber das nicht ausreichend kommuniziert.
In Feierlaune war dagegen Simone-Tatjana Stehr (CDU). Sie habe ein „tolles Ergebnis“ erreicht, sowohl bundesweit als auch im Wahlkreis, wo sie kräftig aufgeholt habe - „auch, wenn ich mir gewünscht hätte, dass es noch besser gewesen wäre. Mehr ist immer schön - aber so ist das im Leben“, sagt sie vergnügt. Im Bund sollte es am besten mit einer „überschaubaren“ Koalition weitergehen. Die Anzahl der Partner entscheide über den Erfolg einer Koalition.

Gefeiert wurde auch bei der Linken. Mehr als 8 Prozent bundesweit und im Wahlkreis Oberhausen-Dinslaken (Wesel III) - das ist „phänomenal“, sagt Sascha H. Wagner, Kreisvorsitzender der Linken aus Dinslaken - und wohl künftiger Bundestagsabgeordneter: „Morgen geht’s nach Berlin zur ersten Fraktionssitzung und dann geht die Arbeit los“, sagt Wagner, der auf Platz 1 der Landesliste der NRW-Linken steht. Die Linke sei bereits „totgesagt“ gewesen und starte nun durch – damit hätte er in dem Umfang nicht gerechnet: „Wir sind eigentlich der Gewinner des Abends“, so Wagner. Und Detlef Fuhg, Sprecher der Linken in Dinslaken ergänzt vergnügt: „Rotgesagte leben länger“.
Vor und im Parteibüro der Linken an der Friedrich-Ebert-Straße in Dinslaken stehen an diesem Abend zahlreiche junge Menschen in Partylaune. Die Partei habe in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt, sagt Wagner. 300 Mitglieder seien es aktuell im Kreis Wesel: „Das ist weit mehr als eine Verdoppelung“. Sehr viele junge Menschen seien eingetreten, um ein „Zeichen gegen den Rechtsruck der Gesellschaft zu setzen: „Von den hier Anwesenden kenne ich 80 Prozent gar nicht“, sagt Wagner. „Ich mache seit 20 Jahren Politik - ich habe so etwas nich nie erlebt.“

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Den Erfolg seiner Partei führt er auch auf die „gesellschaftliche Polarisierung nach dem Tabubruch von Friedrich Merz mit der AfD“ zurück. Und eben das ist auch die Kehrseite: „Es ist traurig, dass wir so viele Rechtswähler haben“, so Wagner. Sein Auftrag als Teil der Linken Fraktion im Bundestag sei auch, ein Gegengewicht zu bilden, „damit sich der gesellschaftliche Diskurs nicht noch weiter nach rechts verschiebt.“ Es „muss die Linke geben, damit die Debatte nicht nur noch eintönig verläuft“, so Wagner. Er selbst bleibe bis zur Kommunalwahl noch im Kreistag und werde auf jeden Fall in Dinslaken wohnen bleiben.

Franziska Krumwiede-Steiner, Bundestagsabgeordnete der Grünen im Wahlkreis Dinslaken-Oberhausen, wird wohl aus dem Bundestag ausscheiden. Aber sie bleibt kämpferisch: „Ich komme wieder!“ Die Grünen hätten „einen tollen Wahlkampf in Oberhausen und Dinslaken hingelegt“. Sie danke dem Dinslakener und Oberhausener Vorstand und „allen Mitgliedern, die sich bei Kälte engagiert haben, plakatiert, geflyert und alles gegeben haben. Wir haben als einzige in der Ampel nur 2,4 Prozent verloren, das macht Mut, uns zu sammeln und den Weg für Klimaschutz und eine solidarische Gesellschaft fortzusetzen.“
Der Wahlkreis Oberhausen-Dinslaken habe für die FDP immer „typische Abzüge“ im Vergleich zum Bundeswahlergebnis, so kommentiert FDP-Kandidat Roman Müller-Böhm sein Abschneiden vor Ort - gegen 20.25 Uhr lag er bei etwa 2,9 Prozent der Stimmen. Da habe ihn „nicht besonders überrascht“. Natürlich aber habe er sich „insgesamt ein deutlich besseres Ergebnis für die FDP erhofft.“ Dass die Liberalen rund 6 Prozent verlieren und um den Einzug in den Bundestag bangen müssen, führt er auf die Ampel-Koalition zurück: Diese habe „uns als Partei mehr als nur geschadet, das war alles in allem nicht gut“.






