Die Kreispolizei Wesel hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag Diskotheken in Dinslaken, Moers und Kamp-Lintfort kontrolliert. Es ging um einen landesweiten Schwerpunkteinsatz zur Bekämpfung krimineller Strukturen im Zusammenhang mit der Türsteherszene und illegaler Beschäftigung im Gaststättengewerbe. Die hiesige Behörde unterstützte dabei das Hauptzollamt Duisburg, das Kreis Weseler Gewerbeamt und das Ordnungsamt Moers. Auch in Duisburg, an der Vulkanstraße, gab es entsprechende Kontrollen. Landesweit waren etwa 400 Polizisten im Einsatz.

Darum ging es bei der Kontrolle

Die „Erhellung des Dunkelfelds und die Bekämpfung krimineller Strukturen auch im Bereich des Rocker- und Clanmilieus“ sind seit 2024 Behördenziel der Kreispolizei Wesel. „Seither arbeitet die Polizei mit ihren Netzwerkpartnern eng zusammen, um den auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentren flächendeckend auftretenden Phänomenbereich jener Strukturen aufzudecken und der organisierten und gewerbsmäßigen Kriminalität entgegenzuwirken“, heißt es in einer Pressemitteilung: „In enger Zusammenarbeit werden gezielte Kontrollen mit verschiedenen Schwerpunkten durchgeführt und vor Ort Maßnahmen individuell abgestimmt.“

Insgesamt sechs Behörden - neben Duisburg und Kreis Wesel auch Dortmund, Essen, Köln und Recklinghausen - nahmen diesmal landesweit an dem Einsatz teil. Dass auch der Kreis Wesel beteiligt ist, nennt Reul ganz besonders. Denn durch die häufigen Einsätze in Duisburg und anderen Großstädten sei ein Verdrängungswettbewerb entstanden. Bordellbetreiber machen dann halt auf dem Land was auf. Diesmal sei deshalb auch in Moers und Kamp-Lintfort kontrolliert worden.

Im dunklen Nachtleben machen Clans- und Rocker gerne ihr Geld

NRW-Innenminister Hebert Reul (CDU)

„Im dunklen Nachtleben machen Clans- und Rocker gerne ihr Geld“, so der Minister: „Dabei geht es nicht immer um Drogen oder größere Delikte. Auch kleiner Vergehen stehen im Vordergrund, denn: Kleinvieh macht viel Mist. Polizei, Zoll, Ordnungsämter und Ausländerämter ziehen an solchen Abenden ihre Kräfte zusammen und bringen viel Licht in die dunklen Ecken von Clubs und Diskotheken. Weitere Nadelstiche, die uns helfen, kleine und große kriminelle Fische zu fangen.“   

Clanfamilien haben Bezüge zum Sicherheitsgewerbe

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden sind in der Vergangenheit wiederholt Bezüge bekannter Clanfamilien und Rockern zu Firmen des Sicherheits- und Bewachungsgewerbes bekannt geworden. Diese Firmen verfügen laut Ministerium zum Teil über zahlreiche Subunternehmen, existieren mitunter nur als Briefkastenfirmen, wechseln Gesellschafter und Firmensitze und werden zum Teil samt Firmenvermögen liquidiert und andernorts unter einem neuen Firmennamen neu gegründet.

Mitarbeiter dieser Firmen haben laut Ministerium „in der Regel keine Qualifizierungsnachweise, werden bar entlohnt und zwischen den Firmen getauscht bzw. arbeiten für mehrere Unternehmen“. Einige Geschäftsführer der Sicherheitsfirmen hätten zudem familiären Clanbezug und sind deutschlandweit vernetzt, so die Infos aus dem Ministerium. Es gebe außerdem Anhaltspunkte, dass die Gewerbeordnung und andere einschlägige Vorschriften unterlaufen und missachtet werden „und auf diese Weise Steuern und Abgaben hinterzogen und in größerem Umfang Geld verdient wird.“ Zudem gibt es Hinweise auf gefälschte Prüfungszertifikate der IHK sowie Schwarzarbeit.

Minister erschien im Dinslakener „Hinz und Kunz“

Minister Herbert Reul (li.)  im Gespräch mit Gästen des Hinz und Kunz.
Minister Herbert Reul (li.) im Gespräch mit Gästen des Hinz und Kunz. © Christoph Reichwein/dpa | Christoph Reichwein

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erschien am Abend in der Ü30-Diskothek Hinz und Kunz in Dinslaken, um den Schwerpunkteinsatz zu begleiten und sich ein persönliches Bild zu verschaffen, so die Kreispolizei. Dass vor seinem Laden etwas ungewöhnlich ist, erfuhr Hinz & Kunz-Inhaber Martin Mettlach an dem Abend von Mitarbeitenden, die zum Dienstbeginn kamen und sich wunderten, dass draußen jemand Fotos mache. „Dann standen plötzlich 50 Leute im Raum“, berichtet Mettlach. „Die suchen jemanden“, war sein erster Gedanke, die Einsatzkräfte hätten in ihrer Schutzkleidung recht bedrohlich gewirkt. Tatsächlich ließen sich die Mitarbeitenden des Zolls Mitarbeiterlisten und Dienstpläne zeigen. Gegen Ende der Kontrolle „fuhr draußen der A8 mit dem Minister und Security vor“, so Mettlach. Länger als zehn Minuten habe sich Reul nicht im Club aufgehalten. Und im übrigen sei in seinem Laden alles in Ordnung, so Mettlach, nur eine Unterlage müsse er nachreichen.

Überraschung fürs Partyvolk

Auch in der Kuka fand eine Zoll-Kontrolle statt. Gegen Mitternacht tauchten die Einsatzkräfte auf, nach einer halben Stunde waren sie durch. Für das Partyvolk ein Aufreger, für Clubbesitzer Thomas Grosse Routine. Alle zwei Jahre werde sein Laden in etwa überprüft. Ergebnis: „Alles gut. Meine Leute sind alle angemeldet und bekommen über Mindestlohn.“

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Insgesamt wurden von 20 Uhr am Samstag bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags rechts- wie linksrheinisch insgesamt vier Diskotheken kontrolliert. Neben den Dinslakener Clubs waren das der Club Carthago in Kamp-Lintfort und der „Bierdoktor“ in Moers.

Diese Bilanz zieht die Polizei

In einem Betrieb wurde ein Einhandmesser gefunden und sichergestellt. Außerdem fertigten die Beamten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Schwarzarbeit.

Die Kreispolizeibehörde zieht insgesamt eine positive Bilanz aus dem Schwerpunkteinsatz: Er habe erneut dazu beigetragen, „Nadelstiche zu setzen und das Dunkelfeld im Bereich krimineller Strukturen zu erhellen.“ Auch zukünftig beabsichtigt die Kreispolizeibehörde regelmäßig Schwerpunktkontrollen in ihrem Bereich durchzuführen, „um das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken und durch konsequentes Einschreiten zu verdeutlichen, dass auch im Kreis Wesel kein Raum für ein Gewaltmonopol besteht“, so die Kreispolizei. (mit aka)