„Mit großer Enttäuschung habe ich die jüngste Stellungnahme von Bürgermeisterin Michaela Eislöffel zur letzten Sitzung des Integrationsrates zur Kenntnis genommen.“ So reagiert Ahmad Khartabil, parteiloses Mitglied des Integrationsrates, auf die Veröffentlichung der Stadtverwaltung zu der Auseinandersetzung im Integrationsrat. Dessen Mitglieder hatten der Stadt diskriminierendes Verhalten und ultralange Wartezeiten im Einbürgerungsverfahren vorgeworfen. Die Stadt wies das von sich.

Täglich (außer Samstag)

Dinslaken-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Bürgermeisterin habe „öffentlich eine pauschale Zurückweisung von Kritik vorgenommen“ - das werde den Menschen, um die es gehe, „nicht gerecht“, findet Ahmad Khartabil. Die Anliegen, Erfahrungen und Perspektiven der Dinslakener mit Migrationsgeschichte „ernst zu nehmen, gehört zu den Grundpfeilern kommunaler Verantwortung und ist kein optionaler Akt der Gnade, sondern eine demokratische Verpflichtung“, so Khartabil.

Vereinfachung der Verfahren ist seit Jahren Thema

„Wir im Integrationsrat kämpfen seit vier Jahren – und das ist in jedem Protokoll unserer Sitzungen nachzulesen – für die Vereinfachung von Verfahren, für mehr Transparenz und für einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe. Wir haben in jeder Sitzung das Gespräch mit der Verwaltung gesucht. Leider ist es bis heute nicht gelungen, daraus einen ernsthaften und kontinuierlichen Dialog entstehen zu lassen.“ Die geäußerte Empörung der Stadtverwaltung über „angeblich ‚unbelegte Vorwürfe‘“ wirke daher „wie ein Versuch, strukturelle Probleme kleinzureden und Verantwortung abzuwehren“, so Ahmad Khartabil. Viele Integrationsratsmitglieder hätten „über reale Erfahrungen“ berichtet – aus eigener Betroffenheit oder durch Rückmeldungen aus der Bevölkerung. „Diese Berichte pauschal abzuqualifizieren, ohne ihnen nachzugehen, ist nicht nur unangemessen, sondern respektlos“, so Khartabil.

Ich fordere Bürgermeisterin Eislöffel eindringlich auf, ihre Haltung zu überdenken und ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Sollte sie weiterhin nicht bereit sein, die berechtigten Anliegen des Integrationsrates anzuerkennen und in einen konstruktiven Austausch zu treten, fordere ich sie auf, ihr Amt zur Verfügung zu stellen.

Ahmad Khartabil, Mitglied des Integrationsrates

„Ich fordere Bürgermeisterin Eislöffel eindringlich auf, ihre Haltung zu überdenken und ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Sollte sie weiterhin nicht bereit sein, die berechtigten Anliegen des Integrationsrates anzuerkennen und in einen konstruktiven Austausch zu treten, fordere ich sie auf, ihr Amt zur Verfügung zu stellen“, so Khartabil. Denn Integration gelinge „nur gemeinsam – mit Respekt, Ehrlichkeit und echter Zusammenarbeit“. Daran müsse sich jede Verwaltung messen lassen.

Rassistische Vorfälle innerhalb der Verwaltung und der städtischen Dienste seien „keineswegs eine neue oder unbelegte Behauptung“. Das habe auch Dezernentin Dr. Tagrid Yousef nicht ausschließen können. Umso „erstaunlicher“ sei es, „mit welcher Entschlossenheit die Stadtverwaltung nun versucht, jede Kritik als unbegründet und pauschal abzutun“. Die Stellungnahme der Stadt wirke auf ihn „wie ein Versuch, sich öffentlich reinzuwaschen, ohne die eigentlichen Missstände aufzuarbeiten“, so Khartabil – ein „Armutszeugnis – nicht nur in Bezug auf die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern auch im Hinblick auf den Umgang mit demokratisch gewählten Gremien wie dem Integrationsrat“.

Mehr aus Dinslaken,Voerde und Hünxe

Alle Nachrichten aus Dinslaken, Voerde und Hünxe lesen Sie hier. +++ Abonnieren Sie unseren Newsletter per Mail oder folgen Sie uns bei Whatsapp, Instagram und Facebook +++

Das fordert Khartabil

Er habe den Eindruck, dass es sich „nicht nur um eine Verteidigungshaltung“, sondern „um eine bewusste Strategie, den Integrationsrat unter Druck zu setzen, zu entmutigen und letztlich zum Schweigen zu bringen“, handele. Es sei ein „Versuch der Einschüchterung, mit dem Ziel, kritische Stimmen innerhalb des Gremiums zu schwächen oder gar mundtot zu machen“. Das sei „nicht akzeptabel – weder politisch noch moralisch“, so Ahmad Khartabil: „Wenn die Stadt Dinslaken es ernst meint mit Integration, Partizipation und Gleichbehandlung, dann muss sie sich ihrer Verantwortung stellen, zuhören und Missstände offen angehen. Schweigen oder Schönreden ist keine Lösung.“