Die Dinslakener NesT-Gruppe (Neustart im Team) hat sich in einem offenen Brief an den SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Vöpel, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik, und an den CDU-Bundestagsabgeordneten Sascha van Beek – seines Zeichens auch stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe – gewandt. Hintergrund des Schreibens: Die Verfasser Udo und Bärbel Radmacher, Gudrun und Willi Cihak, Rita Dietze und Wilfried Faber-Dietze sowie Dagmar Nalezinski wollen ihren Protest darüber zum Ausdruck bringen, dass das NesT-Programm durch die neue „Bundesregierung nun ausgesetzt wurde“. Sie fordern die sofortige Wiederaufnahme.

Verfasser des offenen Briefes aus Dinslaken verweisen auf konkretes Beispiel

Das NesT-Programm ist, wie berichtet, ein humanitäres Aufnahmeprogramm, das schutzbedürftigen Geflüchteten eine sichere und legale Einreise nach Deutschland ermöglicht. Es zielt darauf ab, Geflüchteten eine Perspektive und die Möglichkeit einer erfolgreichen Integration zu bieten. Dazu werden Mentoring-Gruppen gebildet, die aus mindestens vier Personen bestehen. Diese Gruppen unterstützen die Geflüchteten beim Ankommen und Einleben in Deutschland.

Genau darauf weisen die Verfasser des offenen Briefes hin und nennen einen konkreten Fall: „Vor drei Jahren haben wir als Mentorengruppe eine fünfköpfige Familie aus dem Südsudan, die im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia lebte, in Dinslaken aufgenommen. Die Eltern haben erfolgreich Deutschkurse besucht und die drei kleinen Kinder sprechen inzwischen fließend Deutsch. Die Familie ist in Vereinen engagiert (Fußballverein, Schachverein, Filmclub, Marathonverein) und der Vater wird voraussichtlich ab August eine Ausbildung in einem Handwerksberuf beginnen.“

Mehr aus Dinslaken,Voerde und Hünxe

Alle Nachrichten aus Dinslaken, Voerde und Hünxe lesen Sie hier. +++ Abonnieren Sie unseren Newsletter per Mail oder folgen Sie uns bei Whatsapp, Instagram und Facebook +++

Dies alles sei durch das humanitäre Aufnahmeprogramm NesT (www.neustartimteam.de) ermöglicht worden, in dem sich die Mentoren „verpflichtet haben, ein Jahr die Wohnungsmiete zu bezahlen und die Menschen ein Jahr lang in allen Bereichen der Integration zu begleiten“, heißt es in dem offenen Brief. Und weiter: „NesT ist ein Programm der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem UNHCR, das Menschen in aussichtslosen Situationen eine legale Perspektive bietet, ohne sich auf lebensgefährliche Routen zu begeben oder sich Schleppern auszuliefern. Es wurde 2019 als staatlich-zivilgesellschaftliches Pilotprojekt unter Horst Seehofer (als Bundesinnenminister) ins Leben gerufen und ab 2023 als reguläres Aufnahmeprogramm verstetigt.“

Humanität darf nicht dem Zeitgeist unterliegen, nur weil man die Zahl der Schutzsuchenden drücken will – egal wie!“

Die Dinslakener NesT-Gruppe fordert in einem offenen Brief unter anderem an die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung eine sofortige Wiederaufnahme des Programms.

Die Verfasser des Schreibens sind „entsetzt“, dass das Programm ausgesetzt wurde. Zurzeit säßen in Nairobi 183 Menschen mit einer Aufnahmezusage von Deutschland fest. „Das ist für unser Land beschämend und schadet außerdem unserem Ansehen in der Welt“, kritisieren die Unterzeichner des offenen Briefes. Humanität dürfe nicht dem Zeitgeist unterliegen, „nur weil man die Zahl der Schutzsuchenden drücken will – egal wie!“.