Wenn Notfallsanitäterin Celina Kaminski ausrückt, gibt es hin und wieder schon mal einen blöden Spruch – und das auch im Jahr 2025, nur weil sie eine Frau ist. Dabei sind Frauen heutzutage im Rettungsdienst mit einem Anteil von 34 Prozent (bundesweit) stark vertreten. In vielen Köpfen sei aber scheinbar doch noch das alte Bild verankert, dass hauptsächlich Männer in dem Bereich tätig sind. Doch das sei mehr als ein veraltetes Denken.

Schon während ihrer Ausbildung hat sich gezeigt, wie durchmischt der Beruf inzwischen ist. „Wir wurden zusammen mit den Azubis der Feuerwehr Duisburg ausgebildet, da es hier in Dinslaken keine eigene Akademie gibt“, erklärt Celina. „In meinem Jahrgang waren zehn Männer und zehn Frauen aus Duisburg sowie ich und eine weitere Kollegin aus Dinslaken. Wir waren also sogar in der Überzahl.“

Celina Kaminski ist in Dinslaken nicht die einzige Notfallsanitäterin bei der Feuerwehr

Und auch in der Dinslakener Feuer- und Rettungswache sei sie längst nicht die einzige Frau. So sind bei der Feuerwehr Dinslaken 72 Personen hauptamtlich angestellt, die in Patientenkontakt kommen. Darunter 50 Beamte, drei Beamtinnen, acht männliche Notfall- und Rettungssanitäter und elf weibliche Notfall- und Rettungssanitäterinnen. „Das ergibt somit einen Frauenanteil von über 19 Prozent“, so die Feuerwehr. „Für den hauptamtlichen Bereich ist das ein Spitzenwert.“ Bundesweit sind nämlich nur etwa 2,7 Prozent der Beschäftigten bei Berufsfeuerwehren Frauen. Dennoch arbeite die Feuerwehr Dinslaken weiter daran, den Beruf für Frauen attraktiver zu machen, heißt es von Seiten der Feuerwehr.

„Ich hatte von Anfang an nie ein ungutes Gefühl – auch schon im Praktikum nicht, dass ich vor meiner Ausbildung hier auf der Wache in Dinslaken absolviert habe“, betont Celina. Doofe Sprüche von den Kollegen habe sie auch noch nie bekommen. Doch das sei keine Selbstverständlichkeit, wie die 24-Jährige weiß. „Mir ist durchaus bewusst, dass es auf anderen Wachen anders sein kann.“

Notfallsanitäterin Celina Kaminski aus Dinslaken hat schon von Patienten blöde Sprüche bekommen

Von anderen Kolleginnen aus dem Rettungsdienst habe sie auch schon erfahren, dass es auf manch anderen Wachen außerhalb Dinslakens keine Frauenumkleiden oder Frauenduschen gibt. Das sei laut Feuerwehr leider noch ein strukturelles Problem. Früher sei der Beruf männerdominiert gewesen, da waren beispielsweise Frauenumkleiden und Frauenduschen noch nicht nötig. Das habe sich über die Jahre deutlich geändert, daher müssten gerade alte Wachen noch nachgerüstet werden. Dem hohen Anteil weiblicher Beschäftigter in Dinslaken wurde dabei bereits Rechnung getragen, indem weitreichende Anpassungen beispielsweise der Umkleiden geplant oder bereits durchgeführt sind.

Negative Erfahrungen innerhalb der Feuerwehr habe Celina jedoch noch nicht machen müssen. Dennoch habe auch sie schon blöde Sprüche zu hören bekommen. Und zwar von den Patienten. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mal mit einer Kollegin im Einsatz war, und wir da von einem etwas älteren Herren einen etwas blöden Spruch gedrückt bekommen haben.“ Der Patient habe zu den beiden gesagt: „Ach, Sie sind also vom Krankentransport?“ Er hatte zunächst gar nicht daran gedacht, dass die beiden Frauen vom Rettungsdienst sind.

Bei Einsätzen wurde Notfallsanitäterin Celina Kaminski aus Dinslaken schon übergangen

Nicht die einzige Situation, die Celina schon erlebt hat. Als sie einmal mit einer ihrer Kolleginnen im Einsatz war, wurde von einem Patienten die Frage gestellt: „Wer fährt denn den Wagen?“ Dass eine Frau den RTW fährt, schien für den Patienten im ersten Moment undenkbar. „Meine Kollegin meinte daraufhin, dass ich fahren würde. Darauf kam dann noch die Rückfrage vom Patienten: ‚Ach, die kann das?‘“

Mir ist durchaus bewusst, dass es auf anderen Wachen anders sein kann.

Celina Kaminski, , Notfallsanitäterin bei der Feuerwehr Dinslaken

Und auch in der Ausbildung hat Celina schon die ein oder andere blöde Situation gehabt. „Ich bin da einmal mit zwei Kollegen rausgefahren und sollte als Übung den Einsatz leiten. Der Patient hatte vor Ort dann aber immer nur meine Kollegen angesprochen und nicht mich“, erinnert sich die heute 24-Jährige. Ihre Kollegen hätten sich die Schilderungen des Patienten erstmal angehört, bevor sie schließlich entgegneten: „Das müssten Sie jetzt bitte nochmal alles unserer Kollegin erzählen, sie ist nämlich die Verantwortliche.“ Celina erklärt: „Ich wurde da einfach nicht als Ansprechpartnerin wahrgenommen und einfach übergangen.“

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Heute kann Celina mit solchen Situationen deutlich besser umgehen als noch am Anfang ihrer Karriere. „Man hat einfach dazugelernt. Ich gehe da auch mittlerweile mit Humor ran. Man muss da selbst dann eben einfach einen guten Spruch parat haben.“ Zudem wisse sie, dass die Patienten – häufig handelt es sich dabei um ältere Männer – eben aus einer anderen Generation stammen und es oftmals gar nicht böse meinen.

Feuerwehren bemühen sich Sexismus zu bekämpfen

Um Sexismus und Diskriminierungen in den eigenen Reihen zu bekämpfen und zukünftig zu verhindern, würden die Feuerwehren einige Maßnahmen ergreifen – auch wenn die Situation insgesamt schon deutlich besser sei als noch zu früheren Zeiten. So auch die Dinslakener Feuerwehr.

„Unter dem Stichwort ‚Gute Feuerwehrkultur: Respektvoller Umgang bei der Feuerwehr‘ haben wir uns in mehreren Terminen seit Anfang dieses Jahres mit allen Mitarbeitenden bei der Feuerwehr zusammengesetzt und für einen respektvollen Umgang geworben. Die Relevanz des Respekts als Grundvoraussetzung für funktionierende Teamarbeit unter extremen Bedingungen, Spielregeln für die Kommunikation und der Umgang mit Konflikten sind Bestandteile dieses Schulungskonzeptes.“

Neben solchen blöden Sprüchen gebe es aber eben auch viele schöne Momente, an die sich Celina erinnert. „Ich hatte mal eine Patientin, die erzählt hat, wie toll sie es findet, dass wir Frauen jetzt in solchen Berufen vertreten sind. Früher zu ihrer Zeit hätte es das noch nicht gegeben, obwohl es für uns mittlerweile selbstverständlich ist. Das hat einen schon sehr gerührt. Zumal man sich da auch dann mal ins Bewusstsein ruft, dass es eben noch nicht überall auf der Welt so selbstverständlich ist.“

Eine Frau zu sein kann im Rettungsdienst aber auch von Vorteil sein

Manchmal sei es aber auch ein Vorteil, eine Frau zu sein, betont die Notfallsanitäterin. Gerade, wenn es um gynäkologische Beschwerden geht. „Manche Patientinnen fühlen sich da wohler, von einer Frau untersucht zu werden und sich einer weiblichen Bezugsperson anzuvertrauen. Sie können sich da öfters eher öffnen, einfach weil sich eine Frau da auch besser hineinversetzen kann“, erklärt die Notfallsanitäterin.

Aber auch bei Einsätzen mit Kindern kann es vorteilhaft sein, eine Kollegin dabei zu haben. „Für die Kleinen ist es so: Meine Kollegen sind deutlich größer als sie und manche auch breiter gebaut – das kann auf sie schon mal einschüchternd wirken“, so Celina. „Da ist es dann auch schon mal gut, wenn ich mit beim Einsatz bin. Die Kinder fühlen sich da manchmal mit einer weiblichen Ansprechpartnerin wohler.“

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Insbesondere bei Fällen mit häuslicher Gewalt, wo eine Frau von ihrem Partner geschlagen wurde, sei es zudem hilfreich, eine Frau im Rettungsteam zu haben. „Das habe ich auch schon erlebt. Die Patientin hat sich verständlicherweise mit Männern unwohl gefühlt. Ich bin dann mit ihr alleine in den Rettungswagen und habe mit ihr unter vier Augen gesprochen.“

Natürlich heiße das nicht, dass ihre männlichen Kollegen mit solchen Situationen nicht ebenfalls gut umgehen könnten. Manchmal falle es den Patienten eben nur einfacher, sich einer Frau anzuvertrauen.

Celina rät allen Frauen, die in den Rettungsdienst wollen, es einfach zu machen. „Die Klischees, die in manchen Köpfen noch herrschen, entsprechen nicht mehr der Realität. Wenn es also der Beruf ist, den man machen möchte, sollte man diesen Traum unbedingt verwirklichen. Ich kann den Beruf als Frau genauso gut ausführen, wie meine männlichen Kollegen.“