Es ist Ende 1993: Neun Frauen sitzen mit ihren Kleinkindern in einem Wohnzimmer einer weiteren Mutter. Es ist das erste Treffen einer Krabbelgruppe von jungen Müttern, die sich alle an diesem Tag das erste Mal sehen. Eine zusammengewürfelte Gruppe von Frauen unterschiedlichster Charaktere, die damals augenscheinlich nur eines gemeinsam haben: Sie alle sind frischgebackene Mamas. Es ist das erste Treffen von ganz vielen, die noch folgen sollten. Das erste Treffen, das den Grundstein einer jahrzehntelangen Freundschaft legt.
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32 Jahre später sitzen einige der Gruppe wieder zusammen. Sieben von den zehn Müttern, die sich ursprünglich als Krabbelgruppen-Treff nur durch Zufall zusammengefunden haben, nehmen nämlich auch über 30 Jahre später noch an den Treffen teil, „der harte Kern“, wie sie über sich selbst sagen. Aus dem Beisammensein mit den Kleinen sind regelmäßige Verabredungen zum Essen geworden – ohne Kinder. Die sind nämlich längst erwachsen, manche haben bereits geheiratet. Und auch die jungen Mütter von damals haben sich verändert. Längst sind aus ihnen reife Frauen geworden. Doch das, was geblieben und immer weiter gewachsen ist, ist die Freundschaft dieser sieben Frauen.
Dinslakener Krabbelgruppe trifft sich auch über 30 Jahre später noch
Uschi, Angela, Doris, Claudia und Sabine sitzen an einem langen Tisch in der Voerder Weinbar „Neuling“. Lediglich Petra und Birgit fehlen an diesem Abend, konnten diesmal leider nicht dabei sein. „Es ist selten so, dass alle an einem Termin können“, erklärt Claudia Schmelt. Doch das sei nicht schlimm, die Frauengruppe will die Treffen ungezwungen halten: „Hier wird niemand schräg angeguckt, wenn man mal nicht kann.“ Freundin Doris Israel ergänzt: „Manchmal ist der Austausch in kleinerer Runde sogar intensiver.“
Es hat auf Anhieb zwischen uns gepasst.
Sabine Hölker
Früher, zur Krabbelgruppen-Zeit, sagt Sabine Hölker, habe man sich natürlich viel über den Alltag mit dem Kind ausgetauscht. „Man hat halt Leidensgenossinnen gesucht“, wirft Claudia augenzwinkernd ein und lacht. Heute geht es bei den Treffen eher um die Arbeit oder Urlaube, von denen sich die Frauen erzählen. Immer wieder werden aber auch Erinnerungen an die alten Krabbelgruppen-Tage wach: an gemeinsame Ausflüge auf den Spielplatz, ins Anita Thyssen Heim in Hünxe oder ein gemeinsames Fotoshooting mit den Kleinen, das die Schwester von Freundin Birgit, eine Fotografin, durchgeführt hat.
Mütter der ehemaligen Dinslakener Krabbelgruppe schwelgen in Erinnerungen
„Beim ersten Treffen war mein erster Gedanke: ,Meine Güte wie viele Haare hat Lisa denn schon?‘ Sie war da ja gerade mal ein paar Monate alt“, erzählt Doris. Mutter Sabine nickt und lacht. Auch sie erinnert sich noch gut an das erste Treffen: „Wir sind damals von mehreren Seiten zusammengewürfelt worden. Mich hat zum Beispiel eine damalige Nachbarin zum Treffen mitgenommen.“ Das besondere für die zweifache Mutter war schon damals: „Es hat auf Anhieb zwischen uns gepasst.“ Uschi Köster stimmt Sabine zu und ist sich sicher, dass dies der Schlüssel für die langjährige Freundschaft ist: „Hätten wir uns alle nicht direkt so gemocht, hätte die Freundschaft nicht so lange gehalten.“
Und, ergänzt Angela Holtkamp, dank des unermüdlichen Einsatzes von Freundin Doris. „Das Geheimnis ist auch, dass wir nie auseinander gehen, ohne direkt einen neuen Termin zu vereinbaren. Dafür ist immer Doris die treibende Kraft“, sagt sie und lächelt ihre Freundin dankend an. Ein „Segen“ sei aber auch der Nachrichtendienst WhatsApp. Noch etwas, das sich im Gegensatz zu damals geändert hat, stellen die Frauen fest: „Das gab‘s damals ja noch nicht.“ Mittlerweile erstellt Doris im „Krabbelgruppe“-Chat eine Umfrage mit Zeiten und Treffpunkten, an der die Frauen dann ganz einfach teilnehmen können.
Sommerkino im Dinslakener Burgtheater: Mütter der ehemaligen Krabbelgruppe unternehmen immer noch viel gemeinsam
Ein Stammlokal haben die sieben Mütter nämlich nicht. Auch die Unternehmungen der Frauengruppe variieren. „Wir probieren gemeinsam gerne Neues aus. Letztes Jahr waren wir beim Sommerkino im Burgtheater oder auch schonmal bei einer Lichtershow am Kloster Kamp in Kamp-Lintfort“, berichten sie. Immer mal wieder versuchen sie auch ihre Kinder in die Treffen einzubinden, gehen gemeinsam bowlen, waren auch schon in der ehemaligen Caravane oder im mittlerweile geschlossenen Canapé sowie bei Mammas Simple Food in Dinslaken essen. „Die Kinder sind ja auch neugierig aufeinander, sich nach so vielen Jahren mal wiederzusehen, sich mal wieder auszutauschen“, sagt Angela.
Es ist einfach immer nur entspannend, ohne belastende Momente.
Mütter der ehemaligen Krabbelgruppe über die gemeinsamen Treffen
Zwar seien ihre Söhne Matthias und Florian mit Uschis Sohn Timo und Sabines Töchtern Lisa und Laura auf derselben Schule, dem Otto-Hahn-Gymnasium, gewesen, doch auch das Abi ist mittlerweile 12 Jahre her und der Kontakt nur sporadisch vorhanden. Ab und zu komme es auch vor, dass die Kinder sogar alleine zu den Treffen erscheinen, wenn die Mama mal nicht kann. Egal in welcher Konstellationen sich die Frauen treffen, alle sind sich einig: „Es ist einfach immer nur entspannend, ohne belastende Momente.“

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Trotzdem hat die ehemalige Krabbelgruppe von damals nicht den Wunsch, die Treffen regelmäßiger stattfinden zu lassen. Einerseits sei es generell schon schwer, die sieben Frauen an einem Termin zusammenzubekommen, andererseits seien es genau diese seltenen, aber dafür umso intensiveren Treffen, „die uns zusammenhalten und das ganze so besonders machen“.





