Wann sind Sie zuletzt in Dinslaken Bus und Bahn gefahren und wie hat es funktioniert?

Ich fahre immer dann Bus und Bahn, wenn mein Auto in der Werkstatt ist. Das war zuletzt im Juni. Dann fahre ich regelmäßig mit den Enkelkindern Bus und Bahn. Es hat gut funktioniert. Leider ist die Straßenbahn 903 aus Duisburg kommend dann doch recht voll zu den Stoßzeiten. Daran könnte man etwas ändern.

Dinslaken hat in die Erstellung eines Stadtbuskonzeptes investiert, um den ÖPNV zu verbessern. Sehen sie eine Chance, es trotz Haushaltssicherung umzusetzen?

Klima ist und bleibt eines der wichtigsten Zukunftsthemen der Menschen. Das bedeutet, es kann nur gelingen, wenn Prioritäten sowohl in der Aufgabenerfüllung als auch finanziell gesetzt werden. Dennoch sollen einige der Bestandteile des Stadtbuskonzeptes in den Nahverkehrsplan des Kreises Eingang finden. Das ist ein erster guter Schritt. Langfristig ist die Umsetzung des gesamten Konzeptes natürlich wünschenswert, allerdings muss dann der Eigenanteil der Stadt abgesichert werden.

Wie werden die Dinslakener Fahrradwege auf Vordermann gebracht?
Wie werden die Dinslakener Fahrradwege auf Vordermann gebracht?© FUNKE Foto Services | Moritz Kentler

Beim Fahrradklimatest des ADFC schneidet Dinslaken regelmäßig schlecht ab. Wie wollen Sie als Bürgermeisterin für bessere Radverbindungen in Dinslaken sorgen?

Sicherlich haben wir an den unterschiedlichen Stellen Nachholbedarf bzw. Bereiche, die verbessert werden können und müssen. Teilweise sind die Radwege auch nicht gut befahrbar (nicht nur für Fahrradfahrer, sondern auch für Rollstuhlfahrer oder auch für Eltern mit Kinderwagen), z.B. durch die Baumwurzeln. Mir wäre es wichtig, genau abzuwägen, welche Wege wichtig sind, um mich darauf zu konzentrieren. Z.B. wären das insbesondere Wege, die Schülerinnen und Schüler nutzen sowie den innerstädtischen Bereich. Denn Sicherheit geht vor. Im nächsten Schritt, die Strecken, die touristisch genutzt werden. Ich möchte die guten Ideen im Klimaschutzteilkonzept Rad- und Fußverkehr weiter konsequent und gerne auch etwas zügiger umsetzen. Dafür benötigen wir aber eine gute Fördermittelakquise und ein gutes Fördermittelmanagement.

Bleiben unter Ihnen als Bürgermeisterin die Parkplatzgebühren so hoch wie aktuell?

Die Parkplatzgebühren sind von der Höhe her nicht angepasst worden. Dies kann mit der Verpflichtung zur Erhebung der Umsatzsteuer passieren. Solange die Stadt in der Haushaltssicherung ist, wird sie die Mehrkosten nicht alleine tragen können. (Das meine ich, wenn ich sage, wir werden den Gürtel enger schnallen müssen, nicht nur um ein Loch, sondern vermutlich um mehrere.) Zudem besteht der Wunsch, dass die Menschen ÖPNV benutzen oder aber mit den Fahrrädern zur Innenstadt kommen. Attraktive Parkplatzgebühren wären eher kontraproduktiv, auch wenn in Dinslaken gerne darüber gemeckert wird.

Ich war noch nie im Centro shoppen

Dr. Tagrid Yousef, Bürgermeisterkandidatin der Grünen

Wann waren Sie zuletzt in der Innenstadt shoppen?

Da ich ja täglich in Dinslaken bin, und das bis spät am Abend, ist Dinslaken auch meine Einkaufsstadt. Ich war in der letzten Woche in der Stadt einkaufen. Für mich ist shoppen eine Strafe, ich kaufe eher zufällig und wenn nötig. Ich laufe und verweile gerne in Dinslaken. Ich habe in der Stadt meinen Uhrmacher, meinen Schuster, meine Apotheke, meinen Schneider, meine Buchhandlung, meine Frisörin uva. Geschäfte, die ich lieben und schätzen gelernt habe.

Wann waren Sie zuletzt im Centro in Oberhausen shoppen?

Ich war noch nie im Centro shoppen. Insgesamt war ich, seit dem es das Centro gibt, vielleicht fünf mal dort. Das letzte Mal mit den Enkelkindern (Juni 2025), aber nicht zum Shoppen, sondern nach dem Besuch der Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer auf eine Pommes und ein Eis vor Ort (draußen auf einer Bank).

Welche Geschäfte fehlen in Dinslaken?

Inhabergeschäfte, die sich individuell auszeichnen, z. B. solche mit nachhaltigem Profil, wie Läden mit vegetarischen oder veganen Angeboten, Unverpakt-Konzepte, Second-Hand- oder Vintage-Stores. Es geht nicht darum, etwas vorzuschreiben, sondern die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen: attraktive Mietmodelle, Unterstützung bei der Ansiedlung und ein Umfeld, in dem innovative und nachhaltige Konzepte eine echte Chance haben. Zudem durch eine Steigerung der Attraktivität, durch Verweilflächen und guter Gastronomie. Dinslaken war im Umkreis als „die“ Einkaufsstadt mit schönen Geschäften bekannt. Das wäre doch mal ein tolles Ziel mit der Wirtschaftsförderung dieses erneut zu erreichen. Dazu hatte ich ja bereits mit einigen Unternehmerinnen der Innenstadt ein erstes Gespräch.

Hier gibt es Infos zur Kommunalwahl in Dinslaken

Informationen zur Kommunalwahl in Dinslaken gibt es auf einer eigenen Seite der NRZ Dinslaken.

Informationen zu allen Kandidaten und Kandidatinnen, die in Dinslaken bei der Kommunalwahl 2025 antreten, gibt es hier.

Einige Eigentümer lassen ihre Immobilien in der Innenstadt vergammeln – was möchten Sie als Bürgermeisterin dagegen tun?

Ich gehe davon aus, dass Eigentümer*innen selbst ein Interesse daran haben, ihre Immobilie zu erhalten. Ich werde das Gespräch suchen, Wünsche, Vorstellungen und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Stadt ausloten. Unser Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu finden: durch Förderungen wie Pop-up-Stores, die Gründer*innen und Start-ups den Einstieg erleichtern, und durch innovative Konzepte die Leerstände beleben. Wichtig ist es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Erst wenn das keinen Erfolg bringt, würde ich bauordnungsrechtlich vorgehen.

Der Neutorplatz ist der heißeste Ort in Dinslaken – wir würden Sie dort für ein besseres Klima sorgen?

Andere große europäische Städte machen es vor: großflächige Plätze müssen zum Teil entsiegelt werden und mehr Grün angelegt werden. Erste Kübelbepflanzungen gibt es bereits, die jedoch ausgebaut werden müssen. Zudem senken Dach- und Fassadenbegrünungen zusätzlich die Umgebungstemperatur, ebenfalls kann Regenwasser für die Bewässerung genutzt werden. Sonnensegel, Pergolen und begrünte Rankgerüste, wären ebenfalls denkbar. Da der Neutorplatz gleichzeitig auch als Veranstaltungsfläche genutzt wird, muss es eine Alternative zu den grauen Pflastersteinen geben. Eine klimaangepasste Innenstadt steigert die Aufenthaltsqualität, stärkt den lokalen Handel und macht Dinslaken als lebenswerte und zukunftsorientierte Stadt attraktiv.

Mehr Grünflächen bebauen?

Sollte Dinslaken mehr Grünflächen - wie hier an der Flurstraße - bebauen?
Sollte Dinslaken mehr Grünflächen - wie hier an der Flurstraße - bebauen?© NRZ | aha

Laut Handlungskonzept Wohnen 2030 fehlen in Dinslaken rund 2000 Wohnungen. Sollte Dinslaken mehr Grünflächen für den Wohnungsbau nutzen?

Nein, auf keinen Fall. Es gibt die Möglichkeit zu verdichten. Das bedeutet nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Höhe. Die aktuelle Planung für das Trabrennbahnareal geht mittlerweile von 800 Wohneinheiten aus. Bereits zeitnah werden 69 Wohnungen im neuen Wohnquartier Lohberg bezugsfertig. Dazu müssten die Zahlen im Handlungskonzept mittels Evaluierung fortgeschrieben werden.

Wird Dinslaken mit Ihnen als Bürgermeisterin städtische Grundstücke preiswert verkaufen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Es ist nicht der Boden, der das Bauen unbezahlbar macht. Ich setze bevorzugt auf Vergabe in Erbpacht, denn einmalige Einnahmen sorgen im städtischen Haushalt nur kurzfristig für eine Entlastung. Im Übrigen wird es auf die Art und Weise des Bauens ankommen und welche weiteren Ausbauleistungen zugunsten der Allgemeinheit im Gegenzug erfolgen können. Werden Sie Bauprojekte befürworten, auch wenn dadurch keine bezahlbaren Wohnungen entstehen? Ich setze natürlich auf einen hohen Anteil an sozial gefördertem Wohnungsbau, aber ohne frei finanzierte Bauvorhaben wird es auch in Dinslaken nicht funktionieren. Woher sollten sonst die Investoren kommen?

Steckbrief: Dr. Tagrid Yousef

Name: Tagrid Yousef
Alter: 58
Beruf: Beigeordnete der Stadt Dinslaken
Motto: „Verändern, was uns bewegt!“

Dinslaken ist auf dem Weg in die Haushaltssicherung. Eine der wenigen Einnahmequellen von Kommunen ist die Grundsteuer. Wird die Grundsteuer mit Ihnen als Bürgermeisterin stabil bleiben?

Eine Grundsteuererhöhung trifft pauschal alle Menschen unserer Stadt, insbesondere ökonomisch schwache Haushalte. Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass wir vorhandene Einsparpotentiale in der Verwaltung konsequent zu nutzen. Dennoch denke ich, wenn wir die soziale Infrastruktur, die über die letzten Jahre bis hinzu Jahrzehnten gewachsen ist, erhalten wollen, werden wir um eine Erhöhung der Grundsteuer in Dinslaken nicht drumherum kommen. Dafür ist das Defizit im Haushalt der Stadt viel zu hoch.

Wann geht es an der Trabrennbahn weiter?

An der Trabrennbahn sollen rund 600 Wohnungen gebaut werden. Wann werden Ihrer Einschätzung nach die ersten Menschen einziehen können?

Das Trabrennbahnareal ist für die Stadt Dinslaken von herausragender Bedeutung. Es kommt hier jetzt sehr darauf an, ein umsetzbares Konzept aufzustellen, dass sowohl die in der Rahmenplanung festgehaltenen Ziele und die Idee einer Schwammstadt berücksichtigt und umsetzt, als auch ein wirtschaftlich abbildbares Projekt entstehen lässt. Es dürfen aber gerade jetzt keine unüberlegten Entscheidungen getroffen werden. Sehen wir der Sache realistisch ins Auge, denke ich, es wäre wünschenswert bis zum Jahre 2029.

Bleiben die Kita-Gebühren in Ihrer Amtszeit stabil?

Erhöhen sich die Personal- und Sachkosten und gibt es keine Kompensationsmöglichkeit, werden die Kitagebühren nicht stabil bleiben können. Dennoch werde ich mich natürlich dafür einsetzen. Ich bin sogar für kostenlose Kitaplätze. Aber die letzte Entscheidungsinstanz wird der Rat der Stadt Dinslaken sein.

Das brachliegende MSC-Gelände - ein potenzieller Wirtschaftsstandort?
Das brachliegende MSC-Gelände - ein potenzieller Wirtschaftsstandort?© FUNKE Foto Services | Hans Blossey

Dinslaken fehlen Gewerbesteuereinnahmen. Werden Sie die Gewerbesteuer erhöhen?

Nein, sie sind bereits erhöht. Eine weitere Erhöhung würde ich nicht machen. Die Entwicklung weiterer Gewerbeflächen im Bereich des HAMCO-Areals und auf dem MCS-Gelände wird mittelfristig zu einer Stärkung des Gewerbeaufkommens beitragen. Dinslaken ist aufgrund seiner Lage ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Die Nachfrage nach geeigneten Flächen ist sehr hoch. Da mehr Gewerbe angesiedelt werden soll, erreiche ich es nicht, mit einer hohen Steuer.

Wie werden Sie für mehr Gewerbesteuereinnahmen sorgen?

Bei der Vergabe von Gewerbeflächen sollen vorrangig solche Unternehmen zum Zuge kommen, die mit einem nachhaltigen positiven Beitrag unsere Region voran bringen und mit hochwertigen Arbeitsplätzen auch hochwertige Wertschöpfung vor Ort erbringen.

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In der Haushaltssicherung kann Dinslaken nur noch Pflichtaufgaben bezahlen. Welche drei freiwilligen Leistungen sollten Ihrer Meinung nach auf jeden Fall erhalten werden?

Musikschule, Maßnahmen des Kinder- und Jugendförderplans, Burghofbühne. Ich kämpfe dafür, so viele freiwillige Maßnahmen wie möglich - ggf. in kleinerem Umfang - zu erhalten.

Wo kann man im Haushalt sparen?

Unabhängig von der finanziellen Situation der Stadt werden wir in absehbarer Zukunft durch die Auswirkungen des demographischen Wandels dazu gezwungen werden, im Personalbereich umzudenken. Wir benötigen strukturelle Reformen in der Verwaltung, die insbesondere auf eine konsequente Digitalisierung und Effizienzsteigerung der Prozesse abzielen. Dies wird auch einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Position der Stadt Dinslaken als attraktiver Arbeitgeber – auch im Wettbewerb mit finanziell besser ausgestatteten Nachbarkommunen – zu sichern.

Werden Sie in Ihrer Amtszeit bei der Stadtverwaltung sparen?

Siehe vorherige Frage.

Wie sieht die Zukunft der Dinslakener Sportanlagen - hier in Lohberg - aus?
Wie sieht die Zukunft der Dinslakener Sportanlagen - hier in Lohberg - aus?© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Sehen Sie eine Möglichkeit, alle Bezirkssportanlagen zu erhalten? Wenn nicht: Welche würden Sie am ehesten aufgeben?

Im letzten Jahr haben wir mit der Sportstättenzielplanung eine Fortschreibung des Prozesses zur Optimierung unserer Sportanlagen angestoßen. Hier sollten wir gemeinsame Lösungen finden und diese auch umsetzen. Drei große Sportzentren zu erhalten und ordentlich aufzustellen, gibt es schon seit Jahren. Das ist keine neue Idee. Mit allen Betroffenen ist auch schon gesprochen worden. Es muss klar sein, dass es ein „weiter so“ vermutlich nicht geben wird.

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Die Trabrennbahn wird bald nicht mehr für die Martinikirmes zur Verfügung stehen. Wohin sollte die Kirmes Ihrer Meinung nach ziehen?

Es gibt das Hamco-Areal; in der Innenstadt nur in abgespeckter Version möglich. Bei den bisher zusammengetragenen Ideen für eine Nachnutzung des MCS-Geländes ist eine Fläche im nördlichen Bereich bereits als Alternative für das Kirmesgelände genannt worden. Auch darüber kann weiter gesprochen werden.

Wie werden Sie Ihren Wahlsieg feiern?

Mit meiner Familie, meinen Freunden und natürlich mit meinem Wahlkampfteam. Zunächst auf der Wahlparty und dann im Schrebergarten, mit tollem Essen, guter Musik (meiner Playlist) und viel Tanz und guter Stimmung.