Sie befinden sich seit einigen Monaten im Wahlkampf. Wofür sie stehen, welche Ziele sie als Bürgermeister erreichen wollen, haben sie übers Internet, über Beiträge und Podcasts verbreitet. Am Dienstagabend hatten die Voerder die Gelegenheit, zwei der drei Kandidaten, die bei der Bürgermeisterwahl am 14. September antreten, live auf einer Bühne zu erleben. Diese politische Talkrunde hatte das Voerder Netzwerk für Demokratie, Vielfalt und Respekt vorbereitet. Und es war eine sehr gelungene Veranstaltung.

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Nicole Weltgen und Christian Brüninghoff gehören dem Netzwerk an und führten durch die „Plauderstunde“ mit Amtsinhaber Dirk Haarmann (SPD) und Martin Scholz, der von der CDU und der FDP unterstützt wird. Jule Schmidt von der Partei „Die Partei“ konnte aus beruflichen Gründen nicht an der Veranstaltung in der Comenius-Gesamtschule teilnehmen.

Alles zur Kommunalwahl in Voerde

Berichte zur Kommunalwahl in Voerde finden Sie hier. An dieser Stelle gibt es auch am Wahlabend alle aktuellen Infos.

Alle Infos zu Kandidatinnen und Kandidaten sowie zu den Parteien und Wählergruppen, die bei der Kommunalwahl am 14. September antreten, finden Sie hier.

Nicht nur die Moderatoren stellten den Bewerbern um den Chefposten im Rathaus Fragen. Die Zuschauer konnten auf Bierdeckel schreiben, was sie von den Kandidaten wissen wollten. In dem gut einstündigem Gespräch ging es um die Motivation von Scholz und Haarmann. Sie sollten erklären, wie Voerde attraktiver gestaltet werden könnte, welchen Sinn ein Logistikpark in Emmelsum mache und wie sie die Pläne von RWE für das Kraftwerksgelände in Möllen einschätzen.

Für die Stellungnahmen zu den RWE-Plänen war die Frage nach den Gewerbesteuern in Voerde der Anstoß. Gegner des Logistikparks, zu ihnen zählt auch Martin Scholz, behaupten, dadurch würde die Stadt Voerde keine Einnahmen erzielen. Und mit Blick auf die RWE-Pläne sagte Scholz, er sei sich nicht sicher, dass dort ein Kraftwerk errichtet werde. Es werde nicht funktionieren, zumal es nicht sicher sei, dass ThyssenKrupp Wasserstoff für die Stahlproduktion einsetzen werde. Das stimme ihn traurig, zumal es für das Gelände einmal andere Pläne gegeben habe. Gewerbesteuer würde also nicht in die städtische Kasse fließen.

Aussagen zur Verlängerung der A59 bis Wesel

Das ist das Voerder Netzwerk

Im Voerder Netzwerk für Demokratie, Vielfalt und Respekt, das sich im vergangenen Jahr gegründet hat, haben sich verschiedene Organisationen aus allen Stadtteilen zusammengeschlossen, um einen respektvollen Umgang in der Stadtgesellschaft zu stärken. Das Netzwerk lebt zurzeit davon, wie sich die Mitglieder einbringen.

Zu den Mitgliedern zählen die Voerder Kirchen- und Moscheegemeinden, Vertreter der Vereins- und Werbegemeinschaften, der Stadtsportverband, Vertreter der Voerder Schulen sowie Vertreter der Wohlfahrtsorganisationen. Basis der Zusammenarbeit ist das „Menschenwürdeprinzip“ und die im Grundgesetz festgeschriebenen Grund- und Menschenrechte. Parteien können im Netzwerk mitwirken, sofern sie keinen Zweifel an ihrer Haltung zum Grundgesetz erkennen lassen.

Dem widersprach Dirk Haarmann. Denn der in Voerde produzierte Wasserstoff solle nicht nur in der Stahlindustrie eingesetzt werden. Als weitere Abnehmer des in Voerde produzierten Wasserstoffs nannte er die Zementindustrie und die chemische Industrie. Mit Blick auf Emmelsum erklärte er, dass mit Angst gearbeitet werde. Damit zielte er auf die Aussage von Scholz, dass aufgrund des zusätzlichen Verkehrs die Pläne für die Verlängerung der A59 wieder aus der Schublade geholt werden. Haarmann versprach, dass es eine Entlastung auf der vorhandenen Trasse der B8 geben werde. Zudem sprach er von einem Bypass, der die Hans-Richter-Straße entlasten würde.

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Bei den städtischen Finanzen sieht Dirk Haarmann keine großen Spielräume. Er erinnerte daran, dass man sich in den Jahren, als man in der Haushaltssicherung gewesen war, kaputt gespart habe. Und es werde schwierig, für 2026 einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Beide Kandidaten hoffen, dass der Bund und das Land ihre Versprechen in Sachen Altschuldenlösung einhalten.  Scholz wünscht sich, dass die Stadt künftig an noch mehr an Fördertöpfe rankomme.

Um Voerde noch bekannter zu machen, müsse touristisch etwas mehr gemacht werden, so Martin Scholz. Dazu könnte man die Industriekultur reinbringen, überlegen, an welchen Orten in Voerde Abstellmöglichkeiten für Camper geschaffen werden könnte. „Es gibt Tourismusprofis, die müssen nur gefragt werden“, so Scholz. Wie er sieht auch Haarmann in der Natur, in der Lage einen großen Vorteil von Voerde. Doch ein „touristischer Hotspot“ werde die Stadt nicht. Er erwähnte, dass man durch den Beitritt zum Netzwerk „Naturpark Hohe Mark“ oder durch die Leaderregion schon einiges erreicht habe, um auf Voerde aufmerksam zu machen.

Wie kann der ÖPNV verbessert werden?

Erfahren wollten die Gäste der Diskussion, ob die Kandidaten für ein Tempo 30 in Voerde seien, ob sie sich für einen Bürgerbus stark machen würden. Scholz erklärte, er sei für ein On-Demand-System. Haarmann erinnerte daran, dass die Einführung eines Bürgerbusses vor zehn Jahren an den fehlenden Finanzen gescheitert sei. „Wegen der Haushaltslage durften wir es damals nicht machen“, sagte er. Stadtweit sei ein Tempo 30 nicht notwendig, aber auf bestimmten Straße könne man dieses Tempolimit einführen. So sieht es auch Scholz: Wo es angebracht ist, könnte man Tempo 30 vorschreiben.

Zusätzlich standen die Ortsverbände von CDU, FDP, Grünen, Die PARTEI, SPD und „Wir Voerder“ den Wählern Rede und Antwort. Die Schülerfirma der Gesamtschule versorgte die Teilnehmer der Veranstaltung mit Snacks und Getränken.