Hitzewallungen, Schlafstörungen, Herzrasen – und dazu das Gefühl, mit all dem allein zu sein. Für viele Frauen sind die Wechseljahre noch immer ein Tabuthema. Dass es höchste Zeit ist, darüber zu sprechen, zeigte jetzt ein Informationsabend der Glückauf-Apotheken im Dachstudio. Rund 40 Besucherinnen – und auch ein paar Männer – kamen, um mit Expertinnen offen über die Zeit des Umbruchs im Leben einer Frau zu sprechen.
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„Frauengesundheit geht uns alle an – und sie beginnt nicht erst mit den Wechseljahren“, betonte der Dinslakener Apotheker Marc Kriesten, Initiator des Abends. Mit dem Event knüpfte er an eine Veranstaltungsreihe an, die er bereits im Frühjahr mit dem #GoRed-Benefizkonzert gestartet hatte – damals stand das Thema Herzinfarkt bei Frauen im Mittelpunkt. Nun folgte der nächste Impuls: Wechseljahre.
Über neun Millionen Frauen in Deutschland sind betroffen
Besonders eindrücklich waren die sehr persönlichen Schilderungen der Journalistin Miriam Yung Min Stein, die selbst jahrelang unter den Folgen der Perimenopause litt. „Ich habe unzählige Ärztinnen und Ärzte gesehen, aber niemand hat die Wechseljahre als Ursache meiner Beschwerden erkannt“, berichtete sie. Dass das Thema im Medizinstudium kaum vorkommt, hält sie für einen Skandal: „Über neun Millionen Frauen in Deutschland sind betroffen – und trotzdem wissen selbst viele Fachärzte nicht Bescheid.“
Die Wechseljahre sind kein kurzer Moment, sondern können ein ganzes Lebensjahrzehnt prägen
Dr. Daniela Bachmann, Gynäkologin
Die Gynäkologin Dr. Daniela Bachmann ergänzte den medizinischen Hintergrund: „Die Wechseljahre sind kein kurzer Moment, sondern können ein ganzes Lebensjahrzehnt prägen.“ Beschwerden wie Hitzewallungen, Gelenkschmerzen oder Schlaflosigkeit seien keineswegs Einbildung. Vielmehr brauche es individuelle Beratung und – wenn nötig – eine Therapie. Bachmann machte deutlich, dass moderne, bioidentische Hormontherapien sicherer sind, als ihr Ruf es vermuten lässt. „Es geht nicht um ein ‚Da müssen Sie durch‘, sondern um Lebensqualität“, sagte sie.
Diese Erfahrungen haben Frauen gemacht
In der lebhaften Fragerunde berichteten Frauen von ihren eigenen Erfahrungen: von „Burnout“-Diagnosen, die sich als frühe Wechseljahressymptome entpuppten, bis hin zu Unsicherheiten beim Thema Hormone. Dr. Bachmann plädierte dafür, Beschwerden ernst zu nehmen: „Wir therapieren nicht Laborwerte, sondern die Frau.“ Und Moderatorin Nicole Lauscher griff die Fragen des Publikums auf – oft mit einem Schmunzeln, aber immer mit spürbarer Ernsthaftigkeit.
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Apotheker Kriesten machte deutlich, warum ihm das Thema am Herzen liegt: „Gerade die Apotheke vor Ort ist ein niedrigschwelliger Ansprechpartner. Wir beraten, begleiten und geben Impulse für Prävention und Lebensqualität.“ Damit wolle man ein Signal setzen: Frauengesundheit gehöre in die Mitte der Gesellschaft. Eine Wiederholung des Abends ist angedacht.
Vorbild: Orca-Weibchen
Die Botschaft des Abends: Die Wechseljahre betreffen jede Frau, aber sie müssen kein Tabu bleiben. „Reden wir darüber“, so das klare Fazit. Und wer dabei noch ein wenig Inspiration sucht, dürfe sich die Tierwelt zum Vorbild nehmen: Auch Orca-Weibchen erleben Wechseljahre – und genau dann übernehmen sie die Führung im Rudel. „Ein schöner Hinweis darauf, dass in diesem Lebensabschnitt nicht das Ende, sondern oft ein neuer Anfang steckt“, so Marc Kriesten.


