Die Wähler entscheiden am 14. September, wer in den nächsten fünf Jahren Chef im Voerder Rathaus ist. In Voerde treten für den Chefposten im Rathaus zwei Bewerber und eine Bewerberin an: Zum dritten Mal wirft Amtsinhaber Dirk Haarmann (SPD) seinen Hut in den Ring. Der Parteilose Martin Scholz wurde gemeinsam von CDU und FDP nominiert. Jule Schmidt tritt für Die Partei als Bürgermeisterkandidatin an. Die NRZ hat die drei Bewerber zu verschiedenen Themen befragt. Im zweiten Teil geht es um den Einzelhandel und um das gastronomische Angebot in Voerde.

Die Innenstadtentwicklung stockt an just dieser Stelle (Rathausplatz) seit Jahren. Mit dem Abriss und Neubau der sogenannten Westzeile soll der Rathausplatz endlich belebt werden. Wie wollen Sie als Bürgermeister/-in Bewegung in die Sache bringen?

Dirk Haarmann: Wir begleiten den Eigentümer intensiv in der Akquise von Investoren zur Realisierung des Projektes und sind über unsere Wirtschaftsförderung ebenso wie der Eigentümer in Gesprächen mit möglichen Nutzern.

Martin Scholz: Ich werde das Gespräch mit potenziellen Investoren und den bisher beteiligten Akteuren intensivieren. Ich will herausfinden, warum die Entwicklung nicht voran geht und welche Unterstützung durch die Stadt Voerde und mich als Bürgermeister für eine positive Entwicklung geleistet werden kann.

Jule Schmidt: Es wurde so oft angekündigt, dass es bestimmt bald weitergeht mit der Westzeile, und nichts ist passiert. Bewegung ließe sich in die Sache bringen, wenn die Verwaltung da mal mehr Feuer macht. Aber auch der Rat hat zu lange geschlafen.

Welche Einzelhandelsangebote fehlen aus Ihrer Sicht im Stadtzentrum?

Dirk Haarmann: Das Voerder Stadtzentrum verfügt bereits über ein vielfältiges und gut aufgestelltes Angebot. Ich persönlich vermisse einen Schuster und eine Reinigung sowie Sportartikel (wie es das früher einmal gab), Geschenk- und Dekokartikel und eine Parfümerie. Ein Haushaltswaren- und Feinkostangebot, wie es dies bspw. mit Hülsermann in Spellen gibt, fände ich großartig. Spielwaren und ein Elektrofachmarkt wären wünschenswert, lassen sich aber wohl in einer Stadt unserer Größenordnung nicht realisieren.

Der Voerder Bürgermeister Dirk Haarnann berichtet am Donnerstag, den 17.04.2025 über seine Podcast-Beiträge die er im Wahlkampf erstellt.
Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services
Der Voerder Bürgermeister Dirk Haarnann berichtet am Donnerstag, den 17.04.2025 über seine Podcast-Beiträge die er im Wahlkampf erstellt. Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services© FUNKE Foto Services | Erwin Pottgiesser

Martin Scholz: Es fehlt nahezu an allem, was die Menschen in andere Städte zieht und Alternativen zum Internet bildet. Wir brauchen Laufkundschaft und die Bereitschaft, in Voerde wieder einzukaufen.

Jule Schmidt: Auf einzelne Angebote einzugehen, macht wenig Sinn. Es fehlt ein gesamtes Konzept für unsere Stadt. Ohne ein vernünftiges Einzelhandelskonzept braucht man weiter gar nicht zu schauen. Hängen eigentlich noch die „Voerde – Mein-Einkaufsziel”-Schilder?

Wo gehen Sie außerhalb von Voerde einkaufen und warum?

Dirk Haarmann: Dinge, die ich in Voerde bekomme, kaufe ich auch hier ein. Gelegentlich ansonsten in Dinslaken und Wesel und im Centro Oberhausen, wenn ich Dinge brauche, die in Voerde nicht angeboten werden.

Martin Scholz: Ich bin kein großer Shopping-Typ und suche die kurzen Wege. Was ich in Voerde nicht finde, schaue ich, in Dinslaken zu bekommen. Beruflich bin ich in vielen Städten unterwegs, das hilft mir ebenfalls. Das Internet ist auch an mir nicht vorbei gegangen.

Jule Schmidt: Abgesehen von Dingen des täglichen Bedarfs kaufe ich fast alles außerhalb von Voerde, die Angebote dafür existieren schlicht nicht. Was super schade ist.

Ende Juni 2024 schloss mit dem Gasthof Hinnemann ein Traditionslokal in Voerde. Wie ist es aus Ihrer Sicht um die gastronomische Landschaft im Stadtgebiet insgesamt heute bestellt?

Dirk Haarmann: Wir haben einige gute Angebote, die seit Jahren erfolgreich laufen. Dennoch wäre zusätzliche Gastronomie, die insbesondere auch jüngere Menschen anspricht, wichtig. Wir brauchen ausreichend große Räume für Versammlungen und Familienfeiern. Die Schließung von Hinnemann tut auch vor diesem Hintergrund richtig weh.

Eine Jugendkneipe / Jugendcafé sowie Speisenangebote für junge Menschen, z.B. ein Bowls-Restaurant oder ein vielseitiges Burger-Angebot.

Der Voerder Bürgermeister Dirk Haarnann berichtet am Donnerstag, den 17.04.2025 über seine Podcast-Beiträge die er im Wahlkampf erstellt.
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Dirk Haarmann (SPD), Bürgermeisterkandidat und Amtsinhaber, zu der Frage, welches gastronomische Angebot er sich noch wünscht.

Martin Scholz: Der Gasthof fehlt uns, da er eine gutbürgerliche Küche, Saal-Wirtschaft und Kegelbahn anbieten konnte. Voerde hat langjährige Restaurants verschiedener Küchen in und außerhalb Voerde-City. Diese müssen nicht nur ihre Kosten tragen, sondern Geld verdienen. Dafür muss die Innenstadt erst einmal attraktiv werden.

Jule Schmidt: Absolut nicht gut, leider. Der Gasthof Hinnemann ist nicht das einzige Lokal in Voerde, das geschlossen hat in den letzten Jahren. Wobei wir noch einige sehr gute Lokale haben in Voerde, wie Haus Kretschmer zum Beispiel. Es besteht also noch Hoffnung, dass es sich bessern kann.

Welches Angebot würden Sie sich für Ihre Stadt noch wünschen?

Dirk Haarmann: Eine Jugendkneipe / Jugendcafé sowie Speisenangebote für junge Menschen, z.B. ein Bowls-Restaurant oder ein vielseitiges Burger-Angebot. Wichtig wäre ein stilvolles Weinlokal, am liebsten am Marktplatz Voerde. Im Cafébereich gab es ja bereits eine erfreuliche Entwicklung.

Es fehlt an Angeboten für junge Menschen, die auch mal abends noch irgendwo ihre Zeit verbringen wollen, wo vielleicht auch mal Musik läuft, Kultur stattfindet.


Bürgermeisterkandidatin der Partei Die Partei in Voerde für die Kommunalwahl 2025
 

Foto: Privat / PR

 
Jule Schmidt, Bürgermeisterkandidatin von „Die Partei“, zu der Frage, welches Angebot sie sich für die Stadt noch wünscht.

Martin Scholz: Es fehlt neben einigen Restaurantangeboten vor allem an Kneipenkultur. Bistro, Weinstube, etc. sind nicht vorhanden. Das KM800 war das beste Beispiel dafür, wie dieses Thema belebt werden kann. Positiv, kürzlich hat das Papala-Pub 2.0 auf der Bahnhofstraße eröffnet.

Jule Schmidt: Es fehlt an Angeboten für junge Menschen, die auch mal abends noch irgendwo ihre Zeit verbringen wollen, wo vielleicht auch mal Musik läuft, Kultur stattfindet. Wo junge Menschen auch die Zielgruppe sind. Das fehlt fast komplett.

Was kann die Stadt selbst dafür tun?

Dirk Haarmann: Über unsere Wirtschaftsförderung sind wir in vielen Gespräch mit potenziellen Betreibern, immer auch im Austausch mit dem Eigentümer der Immobilie am Marktplatz.

Martin Scholz: Die Wirtschaftsförderung kann viel mehr unterstützen und helfen. Es muss endlich ein Einkaufserlebnis geschaffen werden. Dies gilt für alle Stadtteile. Des weiteren im Fokus steht die Attraktivität der Innenstadt. Diese ist augenscheinlich stark heruntergekommen und muss angegangen werden. Es ist an der Zeit, dass die Stadt endlich auf die Wünsche der Menschen eingeht und versucht, diese umzusetzen. Wir brauchen verschiedene Veranstaltungen, für jede Generation, mit denen die Stadt sich präsentieren kann.

Nein. Das wird allein schon an der Entwicklung der Gewerbesteuer deutlich.

Der Bürgermeister Kandidat der CDU Voerde, Martin Scholz, parteilos, wird am Donnerstag, den 20.03.2025 in der NRZ Redaktion in Dinslaken vorgestellt.
Achtung, Speervermerk bis 20.03.2025, 16.30 Uhr.
Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services
Martin Scholz (parteilos), von CDU und FDP als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat nominiert zu der Frage, ob die städtische Wirtschaftsförderung auf dem richtigen Weg ist.

Jule Schmidt: Die Stadt muss einen größeren Fokus auf jüngere Zielgruppen legen, nicht immer nur „mitdenken“. Ohne Angebote für junge Menschen, ohne das Schaffen von Räumen für selbige gibt es sonst wenige Anreize, nach Abschluss von Schule und/oder Studium in Voerde zu bleiben. Die kommen sonst erst dann wieder, wenn es um einen Platz im Heim geht, davon haben wir ja ein großes Angebot.

Geht Voerdes Wirtschaftsförderung in die richtige Richtung?

Dirk Haarmann: Ja.

Martin Scholz: Nein. Das wird allein schon an der Entwicklung der Gewerbesteuer deutlich. Im Doppelhaushalt der Stadt Voerde wird in den Jahren 2026 und folgende mit einem Gewerbesteueraufkommen von ca. 14. Mio Euro geplant. Die Stadt Wesel hat beispielsweise bei nicht einmal doppelt so vielen Einwohnern im Vergleich zu Voerde ein ca. 3 x höheres Gewerbesteueraufkommen. Das liegt u.a. daran, dass Voerde in der Entwicklung der Wirtschaft zu oft auf große Industrieunternehmen gesetzt hat und den ortsansässigen Mittelstand vernachlässigt hat.

Jule Schmidt: Ja und nein. Voerde braucht Unternehmensansiedlungen, die hier ihre Gewerbesteuern zahlen, hier Arbeitsplätze generieren und sich positiv in der Stadt engagieren. Keine Multi-Millionen-Konzerne, die ihre Gewinne in innerdeutsche Steueroasen abführen und deren einziges Interesse die Gewinnmaximierung ist. Davon haben wir schon genug. *Logistiksmiley*

Im dritten und letzten Teil geht es um Gewerbeansiedlungen und darum, wie sich die Kandidaten die Mobilität in Voerde vorstellen.